Internetnutzungsstörungen verstehen
Digitale Medien gehören für die meisten Menschen zum Alltag. Spielen, Streaming oder andere Online-Angebote können unterhalten, Kontakte ermöglichen und Informationen vermitteln. Viel Zeit im Internet zu verbringen, bedeutet deshalb noch nicht, dass eine Internetnutzungsstörung vorliegt.
Problematisch wird die Nutzung vor allem dann, wenn sie sich immer schlechter kontrollieren lässt und andere Lebensbereiche verdrängt. Typische Merkmale sind Kontrollverlust, eine zunehmende Priorisierung der Online-Aktivität und die Fortsetzung trotz negativer Folgen. Schule, Ausbildung oder Beruf können darunter leiden, ebenso Schlaf, Freundschaften oder Familienleben.
Internetnutzungsstörungen können sich auf verschiedene Aktivitäten beziehen. Am besten untersucht ist die Computerspielstörung, Gaming Disorder. Sie ist als eigenständige Erkrankung anerkannt.
Besonders häufig beginnen problematische Nutzungsmuster im Jugendalter. Dabei können persönliche und psychische Faktoren, das soziale Umfeld und Eigenschaften digitaler Angebote zusammenwirken. Professionelle Hilfe ist sinnvoll, wenn die Nutzung zunehmend außer Kontrolle gerät oder wichtige Bereiche des Lebens dauerhaft darunter leiden.
Internetnutzungsstörungen sind behandelbar. Psychotherapeutische Ansätze können dabei helfen, die eigene Nutzung besser zu verstehen, wieder stärker zu steuern und andere Lebensbereiche zurückzugewinnen.
Spotlight Forschung: Wie wirken soziale Medien auf die psychische Gesundheit?
Im DZPG-Projekt LIKES – Lifespan Interactions between Social Media Use and Mental Health: Key Effects untersuchen Forschende die Auswirkungen sozialer Medien auf die psychische Gesundheit über verschiedene Altersgruppen hinweg. Im Mittelpunkt steht die Frage, warum dieselben digitalen Angebote bei unterschiedlichen Menschen sehr verschiedene Auswirkungen haben können.
Untersucht werden sowohl positive als auch negative Effekte der Social-Media-Nutzung. Die Forschenden stellen sich dabei folgende Fragen:
- Welche Faktoren sagen abhängige Verhaltensmuster vorher?
- Wie wirkt sich die Nutzung sozialer Medien auf Stresserleben aus?
- Welchen Einfluss hat die Nutzung von sozialen Medien auf die mentale Gesundheitskompetenz (mental health literacy), die Stigmatisierung von Menschen mit psychischer Erkrankung, Einsamkeit und den Zusammenhang von (Selbst)-Stigma und Einsamkeit?
- Welche Zusammenhänge bestehen zwischen einer problematischen Social-Media-Nutzung, dem Denken und dem Schlafverhalten?
- Wie hängen frühkindliche Belastungserfahrungen und problematische Social-Media-Nutzung bei jungen Erwachsenen mit und ohne Misshandlungserfahrungen zusammen.
- Welchen Einfluss hat die Einführung von Smartphones und die Nutzung sozialer Medien auf die kognitiven Kontrollfunktionen von Kindern?
Diese Erkenntnisse sollen dazu beitragen, persönliche Programme zu entwickeln, die Menschen wirklich helfen. Das Projekt verbindet alle sechs DZPG-Standorte.
Formen der Internetnutzungsstörung
Der Begriff Internetnutzungsstörungen beschreibt problematische oder suchtartige Verhaltensweisen, die sich auf bestimmte digitale Aktivitäten beziehen. Dazu gehören
- digitale Spiele,
- soziale Netzwerke,
- Online-Glücksspiel,
- Online-Shopping und
- Online-Pornografienutzung.
Internetnutzungsstörungen gehören zu den Verhaltenssüchten. Dabei entsteht die Abhängigkeit nicht von einer Substanz wie Alkohol oder Nikotin, sondern von einem Verhalten.
Wie erkennt man eine Internetnutzungsstörung?
Nicht die reine Nutzungsdauer entscheidet darüber, ob eine Störung vorliegt. Auch Menschen, die viele Stunden beruflich, schulisch oder privat online verbringen, können ihre Nutzung gut kontrollieren und andere Lebensbereiche weiterhin ausreichend wahrnehmen.
Einen guten Selbsttest gibt es unter mediensuchthilfe.info.
Problematisch wird es vor allem dann, wenn sich mehrere Entwicklungen gleichzeitig zeigen:
- Die Nutzung lässt sich immer schlechter begrenzen.
- Andere Interessen, Freundschaften oder Verpflichtungen verlieren an Bedeutung. Schule, Ausbildung oder Beruf können leiden. Schlaf, Bewegung und andere alltägliche Aktivitäten werden vernachlässigt.
- Gleichzeitig gelingt es trotz negativer Folgen nicht, das eigene Verhalten dauerhaft zu verändern.
Computerspielstörung (Gaming Disorder)
Computerspiele sind für viele Menschen ein selbstverständlicher Teil ihrer Freizeit. Sie können unterhalten, soziale Kontakte ermöglichen, Erfolgserlebnisse vermitteln und gemeinsames Spielen fördern. Auch häufiges oder langes Spielen ist deshalb nicht automatisch eine Erkrankung.
Bei einer Computerspielstörung verändert sich jedoch die Bedeutung des Spielens. Betroffene verlieren zunehmend die Kontrolle darüber, wann, wie häufig oder wie lange sie spielen. Gaming erhält Vorrang vor anderen Interessen und Verpflichtungen und wird fortgesetzt, obwohl bereits deutliche negative Folgen entstanden sind. Die Computerspielstörung, international Gaming Disorder genannt, ist als eigenständige Erkrankung von der WHO anerkannt.
Wie häufig ist die Computerspielstörung?
Digitale Spiele sind insbesondere bei Kindern und Jugendlichen weit verbreitet. In der aktuellen Otter-Studie spielten im Herbst 2025 rund 46 Prozent der 10- bis 17-jährigen Jungen und 18 Prozent der Mädchen täglich. Mindestens einmal pro Woche spielten etwa 90 Prozent der Jungen und 66 Prozent der Mädchen. An Werktagen verbrachten die Befragten durchschnittlich 89 Minuten, am Wochenende 138 Minuten mit digitalen Spielen. Bei der Spieldauer zeigen sich deutliche Geschlechterunterschiede; dieser Befund findet sich seit Jahren und international immer wieder. In einer aktuellen schwedischen Studie mit mehr als 3.500 Jugendlichen wird er erneut belegt: Jungen verbringen im Mittel erheblich mehr Zeit mit digitalen Spielen als Mädchen.
Deutlich kleiner ist die Gruppe, bei der die Nutzung als krankhaft eingestuft wird. Im Herbst 2025 erfüllten 4,5 Prozent der 10- bis 17-Jährigen die untersuchten Kriterien einer pathologischen Nutzung digitaler Spiele. Weitere 6,6 Prozent zeigten eine riskante Nutzung. Hochgerechnet weisen damit mehr als 700.000 Kinder und Jugendliche in Deutschland riskante oder pathologische Nutzungsmuster beim Gaming auf.
Jungen waren von einer pathologischen Nutzung beinahe dreimal so häufig betroffen wie Mädchen. Zwischen den Altersgruppen der 10- bis 13-Jährigen und der 14- bis 17-Jährigen zeigte sich dagegen kein statistisch signifikanter Unterschied.
Typische Symptome
Für die Computerspielstörung sind drei Merkmale besonders wichtig.
- Kontrollverlust. Betroffene können immer schlechter bestimmen, wann sie spielen, wie häufig sie spielen oder wann sie aufhören.
- Gaming erhält immer mehr Vorrang. Das Spielen wird gegenüber anderen Interessen, täglichen Aktivitäten und Verpflichtungen zunehmend wichtiger.
- Weiterspielen trotz negativer Folgen. Betroffene spielen weiter, obwohl dadurch bereits deutliche Probleme entstanden sind.
Im Alltag kann sich das beispielsweise darin zeigen, dass Schlaf, Schule, Ausbildung, Arbeit, Freundschaften oder frühere Hobbys zunehmend vernachlässigt werden. Nicht jedes einzelne dieser Anzeichen bedeutet bereits, dass eine Erkrankung vorliegt. Entscheidend sind das Gesamtbild und die Beeinträchtigung des Alltags.
Was ist riskant, was pathologisch?
Bei einer riskanten Nutzung zeigen sich bereits deutliche Warnzeichen, ohne dass alle Kriterien einer Störung erfüllt sind. Von einer pathologischen Nutzung spricht man, wenn die Probleme so ausgeprägt sind, dass sie klinisch relevant sind und den Alltag deutlich beeinträchtigen.
Ursachen, Risikofaktoren und Krankheitsentstehung
Warum entwickelt der eine eine Computerspielstörung, während der andere trotz intensiven Gamings kein Problem damit hat? Eine einzelne Ursache gibt es nicht. Verschiedene persönliche und psychische Belastungen können das Risiko erhöhen.
Dazu gehören etwa
- ein geringes Selbstwertgefühl,
- Impulsivität,
- depressive Symptome,
- Einsamkeit und
- Stress.
- Auch eine geringe Lebenszufriedenheit und
- ein besonders starkes Flow-Erleben beim Gaming.
Dabei können die Zusammenhänge in beide Richtungen gehen: Wer psychisch belastet ist, kann Gaming zunehmend als Rückzugsort nutzen. Gleichzeitig kann problematisches Gaming bestehende Belastungen verstärken. Nicht das einzelne Merkmal ist entscheidend, sondern wie verschiedene Belastungen und persönliche Voraussetzungen zusammenwirken.
Selbstregulation und psychische Belastungen
Ein wichtiger Faktor scheint die Fähigkeit zu sein, das eigene Verhalten und belastende Gefühle zu regulieren. Gaming kann beispielsweise genutzt werden, um Stress, Langeweile, Ängste, Einsamkeit oder unangenehme Gefühle vorübergehend zu verdrängen. An die Stelle dieser unangenehmen Gefühle treten Spaß, Erfolg und Gemeinschaftserleben. Problematisch kann dies werden, wenn das Spielen zunehmend zur wichtigsten oder einzigen Strategie wird, um mit Stress oder unangenehmen Gefühlen umzugehen.
Belohnung und Entwicklung im Jugendalter
Kinder und Jugendliche können für bestimmte Mechanismen digitaler Spiele besonders empfänglich sein. Während der Jugend verändert sich das Gehirn stark. Systeme, die auf kurzfristige Belohnungen reagieren, sind bereits sehr aktiv, während Bereiche, die Planung und Selbstkontrolle unterstützen, noch Zeit brauchen (bis ca. Anfang 20) um auszureifen.
Die Wissenschaft beschreibt für die Zeit zwischen etwa 13 und 17 Jahren eine besonders große Differenz zwischen einem stark reagierenden Belohnungssystem und einem noch nicht vollständig ausgereiften Kontrollsystem. Bei Jugendlichen mit problematischem Gaming gibt es Hinweise darauf, dass dieses Ungleichgewicht stärker ausgeprägt sein könnte. Die bisherigen neurobiologischen Befunde erlauben allerdings nicht den Schluss, dass solche Veränderungen allein die Ursache der Erkrankung sind.
Wie Spiele zur langen Nutzung anregen können
Auch die Gestaltung digitaler Spiele ist relevant. Viele Angebote arbeiten mit Mechanismen, die Nutzerinnen und Nutzer möglichst lange binden sollen. Dazu zählen beispielsweise variable Belohnungen, tägliche Aufgaben, Rankings, sozialer Druck, zeitlich begrenzte Angebote, virtuelle Währungen und Belohnungsverluste bei längeren Spielpausen.
Besonders diskutiert werden Lootboxen. Dabei werden gegen reale oder virtuelle Währung digitale Inhalte erworben, deren konkreter Inhalt vorher nicht bekannt ist. Wegen ihres Zufalls- und Belohnungsprinzips weisen sie Ähnlichkeiten mit Glücksspielen auf. Weitere sogenannte Dark Patterns können Kaufentscheidungen oder eine längere Nutzung fördern.
Diese Mechanismen führen nicht automatisch zu einer Computerspielstörung. Sie können aber auf individuelle Risikofaktoren treffen und es erschweren, die Nutzung selbst zu begrenzen.
Körperliche, psychische und soziale Folgen
Verhaltenssüchte wie eine Computerspielstörung können mit anhaltenden psychosozialen Beeinträchtigungen verbunden sein.
Psychische Belastungen
Internetbezogene Verhaltenssüchte wie die Computerspielstörung treten häufig gemeinsam mit psychischen Belastungen auf. Beschrieben werden insbesondere Zusammenhänge mit depressiven Symptomen, Angst und Stress. Allerdings lässt sich nicht immer eindeutig bestimmen, welche Probleme zuerst entstanden sind. Psychische Belastungen können problematische Nutzung von Computerspielen begünstigen und eine problematische Nutzung kann bestehende Belastungen verstärken.
Schlaf und körperliche Gesundheit
Übermäßige und problematische Internetnutzung steht außerdem mit gestörtem Schlaf und verminderter körperlicher Aktivität in Zusammenhang, was Konzentration und Leistungsfähigkeit beeinträchtigen kann.
Schule und Ausbildung
Riskante oder pathologische Nutzung digitaler Spiele ist mit schlechteren schulischen und akademischen Leistungen verbunden. Gleichzeitig können schulische Schwierigkeiten und starkes Aufschieben von Aufgaben wiederum das Risiko für eine problematische Internetnutzung erhöhen. Die Zusammenhänge können sich somit gegenseitig verstärken.
Familie und soziale Beziehungen
Problematisches Gaming kann auch Angehörige stark belasten. Eltern und andere Bezugspersonen berichten unter anderem über emotionale, soziale und teilweise finanzielle Belastungen sowie einen hohen Unterstützungsbedarf. Problematische Internetnutzung kann zudem mit Schwierigkeiten in Beziehungen zu Gleichaltrigen und einer geringeren Lebensqualität verbunden sein.
Verlauf und Prognose
Internetbezogene Verhaltenssüchte beginnen häufig erstmals im Jugendalter. Gleichzeitig bedeutet riskantes oder problematisches Gaming nicht zwangsläufig, dass sich daraus dauerhaft eine Computerspielstörung entwickelt. Das hängt auch davon ab, wie ausgeprägt die Problematik ist. Bei milden Symptomen liegt die Chance, dass sich die Probleme von selbst lösen, bei etwa 70%. Wenn eine Erkrankung vorliegt, reduziert sich diese Chance auf 25%. Wie sich die Erkrankung bei einzelnen Betroffenen langfristig entwickelt und welche Faktoren einen chronischen Verlauf oder eine Erholung vorhersagen, bleibt dennoch sehr individuell.
Problematische Nutzung hängt mit psychischen Belastungen zusammen
Internetbezogene Verhaltenssüchte treten häufig gemeinsam mit Depressionen, Angst und Stress auf. Auch Schlafprobleme, geringere körperliche Aktivität, schulische Schwierigkeiten, familiäre Konflikte und eine geringere Lebensqualität werden in Studien beschrieben. Dabei ist wichtig, zwischen Zusammenhang und Ursache zu unterscheiden. Psychische Belastungen können eine problematische Nutzung begünstigen. Umgekehrt kann eine schwer kontrollierbare Nutzung bestehende Probleme verstärken. Welche Richtung im Einzelfall überwiegt, lässt sich häufig nicht eindeutig bestimmen.
Das spricht dafür, problematische Entwicklungen früh ernst zu nehmen. Wer merkt, dass Gaming immer mehr Lebensbereiche verdrängt, wiederholte Versuche zur Veränderung scheitern oder deutliche Konflikte und Belastungen entstehen, sollte sich Unterstützung holen. Eine Computerspielstörung ist behandelbar. Welche Therapieansätze eingesetzt werden, wird im Bereich Behandlung & Hilfe ausführlicher erklärt.
Spotlight Forschung
Am DZPG-Standort Tübingen wird aktuell das digitale Programm „Breaking the Game“ getestet, mit dem Jugendliche und junge Erwachsene lernen, selbständig Wege aus der Computerspielstörung zu finden oder motiviert werden, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Das Angebot wurde gemeinsam mit Betroffenen und Suchtberatungsstellen entwickelt und vereint verschiedene wirksame Behandlungsstrategien.
Mehr zum Programm „Breaking the Game“ (Universitätsklinikum Tübingen)
Weitere Formen der Internetnutzungsstörung
Neben der Computerspielstörung werden in der deutschen Leitlinie vier weitere Formen problematischer Internetnutzung genannt. Dazu gehören Soziale-Netzwerke-Nutzungsstörung, Online-Glücksspiel, Online-Shopping und Online-Pornografienutzung. Sie unterscheiden sich sowohl in ihren Merkmalen als auch darin, wie gut sie wissenschaftlich untersucht und diagnostisch eingeordnet sind.
Soziale-Netzwerke-Nutzungsstörung
Soziale Netzwerke ermöglichen Austausch, Information und Zugehörigkeit. Eine häufige oder intensive Nutzung ist deshalb noch keine Störung. Problematisch wird sie, wenn Betroffene zunehmend die Kontrolle verlieren, soziale Medien andere Lebensbereiche verdrängen und die Nutzung trotz negativer Folgen fortgesetzt wird. Anders als die Computerspielstörung ist die Soziale-Netzwerke-Nutzungsstörung bislang keine eigenständige ICD-11-Diagnose. Für die Forschung wurden jedoch die Kriterien der Computerspielstörung auf soziale Netzwerke übertragen.
Wie häufig ist die Soziale-Netzwerke-Nutzungsstörung?
Problematische Social-Media-Nutzung kommt bei Jugendlichen und Erwachsenen vor. Wie häufig sie ist, lässt sich bislang jedoch nicht eindeutig angeben, weil Studien unterschiedliche Begriffe und Messinstrumente verwenden. In europäischen Untersuchungen liegen die berichteten Anteile problematischer Nutzung je nach Studie zwischen etwa 2,5 und 12,8 Prozent.
Für Deutschland liegen besonders aktuelle Daten für Kinder und Jugendliche vor. In der DAK-Längsschnittstudie erfüllten 2025 6,6 Prozent der 10- bis 17-Jährigen die verwendeten Kriterien einer pathologischen Social-Media-Nutzung, weitere 21,5 Prozent zeigten eine riskante Nutzung. Dabei handelt es sich um Ergebnisse eines Screeningverfahrens und nicht um klinisch gestellte Diagnosen.
Typische Symptome
Kennzeichnend sind vor allem Schwierigkeiten, die Nutzung zu kontrollieren, eine zunehmende Bedeutung sozialer Netzwerke gegenüber anderen Aktivitäten und die Fortsetzung trotz negativer Folgen. Betroffene verbringen beispielsweise deutlich länger als geplant in sozialen Netzwerken oder schaffen es wiederholt nicht, ihre Nutzung zu reduzieren.
Ursachen und Risikofaktoren
Eine einzelne Ursache gibt es nicht. Problematische Nutzung kann unter anderem mit psychischer Belastung, Stress, depressiven Symptomen und Schwierigkeiten bei der Selbstregulation zusammenhängen. Auch die Gestaltung sozialer Netzwerke kann eine Rolle spielen. Likes, Benachrichtigungen, personalisierte Empfehlungen und endloses Scrollen können dazu beitragen, dass die Nutzung immer wieder aufgenommen oder länger fortgesetzt wird.
Mögliche Folgen
Problematische Social-Media-Nutzung ist unter anderem mit depressiven Symptomen, Stress und Beeinträchtigungen im Alltag verbunden. Auch Schlaf, Schule oder Ausbildung, soziale Beziehungen und andere Freizeitaktivitäten können darunter leiden. Dabei ist oft nicht eindeutig, was Ursache und was Folge ist. Psychische Belastungen können dazu beitragen, dass soziale Medien häufiger oder problematischer genutzt werden. Umgekehrt kann eine schwer kontrollierbare Nutzung bestehende Belastungen verstärken. Außerdem können gemeinsame Faktoren wie Einsamkeit, geringe Selbstregulation oder belastende Lebensumstände sowohl die psychische Gesundheit als auch die Social-Media-Nutzung beeinflussen.
Verlauf und Prognose
Wie sich eine Soziale-Netzwerke-Nutzungsstörung langfristig entwickelt, ist deutlich weniger gut untersucht als bei der Computerspielstörung. Noch ist insbesondere unklar, bei wem problematische Nutzung vorübergehend bleibt und bei wem sie sich verfestigt. Frühzeitige Unterstützung kann sinnvoll sein, wenn die Nutzung dauerhaft schwer kontrollierbar wird und andere Lebensbereiche darunter leiden.
Online-Glücksspiel
Online-Glücksspiel umfasst Glücksspiele um Geld, die über das Internet angeboten werden, etwa Sportwetten, Online-Casinospiele oder virtuelle Automatenspiele. Anders als bei sozialen Netzwerken ist die zugrunde liegende Glücksspielstörung als eigenständige psychische Erkrankung anerkannt. Ob online oder vor Ort gespielt wird, ist für die Diagnose nicht entscheidend. Der Online-Zugang kann das Risiko jedoch beeinflussen, weil Angebote jederzeit verfügbar sind, schnell aufeinanderfolgende Spiele ermöglichen und Geld nahezu ohne Unterbrechung eingesetzt werden kann.
Wie häufig ist problematisches Online-Glücksspiel?
Im Glücksspiel-Survey 2025 erfüllten 2,2 Prozent der 18- bis 70-Jährigen die DSM-5-Kriterien einer Störung durch Glücksspielen. Weitere 5,5 Prozent zeigten ein riskantes Spielverhalten. Online-Glücksspiele sind dabei ein wichtiger Zugangsweg. 10,8 Prozent der Befragten spielten ausschließlich online, weitere 8,4 Prozent sowohl online als auch stationär. Wie viele Menschen speziell eine durch Online-Glücksspiel geprägte Störung haben, lässt sich aus diesen Daten jedoch nicht eindeutig ableiten.
Typische Symptome
Betroffene verlieren zunehmend die Kontrolle über Häufigkeit, Dauer oder Geldeinsatz. Glücksspiel bekommt immer mehr Bedeutung und wird trotz negativer Folgen fortgesetzt. Typisch kann auch der Drang sein, Verluste durch weiteres Spielen auszugleichen, steigende Einsätze oder erfolglose Versuche, das Spielen einzuschränken.
Ursachen und Risikofaktoren
Auch beim Online-Glücksspiel entsteht eine Störung nicht durch einen einzelnen Faktor. Eine Rolle spielen unter anderem Impulsivität, psychische Belastungen, frühe Glücksspielerfahrungen und der Versuch, Stress oder unangenehme Gefühle durch das Spielen zu verdrängen. Hinzu kommen glücksspielspezifische Mechanismen. Gewinne und Verluste treten unvorhersehbar auf, Einsätze können schnell wiederholt werden, und Verluste können den Impuls auslösen, weiterzuspielen, um das verlorene Geld zurückzugewinnen. Gerade dieses „Hinterherjagen“ von Verlusten gilt als typisches Merkmal problematischen Glücksspiels.
Psychische, soziale und finanzielle Folgen
Eine Glücksspielstörung kann erhebliche finanzielle Probleme bis hin zu Verschuldung verursachen. Hinzu kommen häufig Konflikte in Partnerschaft und Familie, Probleme am Arbeitsplatz. All das verursacht zusätzliche psychische Belastungen. Glücksspielstörungen treten unter anderem gemeinsam mit Depressionen und Substanzproblemen auf und sind mit einem erhöhten Suizidrisiko verbunden.
Verlauf und Prognose
Eine Glücksspielstörung kann sich über längere Zeit verfestigen und erhebliche Folgen für Betroffene und Angehörige haben. Gleichzeitig ist sie behandelbar. Entscheidend ist, problematische Entwicklungen früh zu erkennen und Unterstützung zu suchen, insbesondere wenn Einsätze oder Verluste steigen, das Spielen immer schwerer kontrollierbar wird oder bereits finanzielle und soziale Folgen entstanden sind.
Online-Shopping
Online-Shopping ist bequem, schnell und für die meisten Menschen unproblematisch. Krankheitswert kann das Kaufen bekommen, wenn es sich zunehmend schwer kontrollieren lässt, immer mehr Raum einnimmt und trotz deutlicher negativer Folgen fortgesetzt wird. Fachleute sprechen von einer Kauf-Shopping-Störung oder Compulsive Buying-Shopping Disorder. Sie ist in der ICD-11 nicht als eigenständige Verhaltenssucht aufgeführt, wird dort aber als Beispiel für eine „andere näher bezeichnete Impulskontrollstörung“ genannt. In der Forschung wird zugleich diskutiert, ob sie besser den Verhaltenssüchten zugeordnet werden sollte.
Wie häufig ist problematisches Online-Shopping?
Die Häufigkeit lässt sich derzeit nur schwer eindeutig angeben. Viele Studien untersuchen Kauf-Shopping-Störungen insgesamt und unterscheiden nicht zuverlässig zwischen Online- und Offline-Käufen. Für eine eigenständige „Online-Shopping-Störung“ gibt es deshalb keine belastbare Zahl.
Typische Symptome
Typisch sind ein starkes gedankliches Kreisen um Kaufen und Shopping, wiederkehrende schwer kontrollierbare Kaufimpulse und häufige Käufe, obwohl die Dinge nicht benötigt werden. Betroffene versuchen möglicherweise wiederholt, weniger zu kaufen, schaffen es aber nicht dauerhaft. Das Verhalten wird trotz negativer Folgen fortgesetzt.
Ursachen und Risikofaktoren
Eine einzelne Ursache gibt es auch hier nicht. Diskutiert werden unter anderem Schwierigkeiten bei der Emotionsregulation und Selbstkontrolle, starke Kaufimpulse sowie die Nutzung des Einkaufens, um negative Gefühle kurzfristig zu verändern. Online-Angebote können diese Prozesse zusätzlich erleichtern. Rund-um-die-Uhr-Verfügbarkeit, personalisierte Werbung, einfache Bezahlvorgänge und zeitlich begrenzte Angebote senken die Schwelle zum spontanen Kaufen.
Psychische, soziale und finanzielle Folgen
Die Störung kann zu erheblichen finanziellen Problemen und Schulden führen. Hinzu kommen Scham, Schuldgefühle, Konflikte in Partnerschaft und Familie sowie Einschränkungen der Lebensqualität. Viele Betroffene erleben das Kaufen kurzfristig als entlastend oder belohnend, anschließend jedoch als belastend.
Verlauf und Prognose
Der langfristige Verlauf ist noch nicht ausreichend untersucht, besonders für die überwiegend online auftretende Form. Für die Behandlung gibt es Hinweise, dass kognitiv-verhaltenstherapeutische Ansätze Symptome reduzieren können. Die bisherige Studienlage ist jedoch klein und methodisch uneinheitlich. Spezifische Behandlungsstudien zum problematischen Online-Shopping fehlen nahezu vollständig.
Pornografische Inhalte sind im Internet leicht verfügbar und für viele Menschen Teil ihrer Sexualität, ohne dass dies krankheitswertig ist. Problematisch wird die Nutzung, wenn sie sich zunehmend schwer kontrollieren lässt, immer mehr Raum einnimmt und trotz deutlicher negativer Folgen fortgesetzt wird. International wird dieses Muster meist im Zusammenhang mit Compulsive Sexual Behavior Disorder (CSBD) und problematic pornography use (PPU) diskutiert. Die CSBD ist in der ICD-11 als Impulskontrollstörung eingeordnet, eine eigenständige Diagnose „Pornografienutzungsstörung“ gibt es dagegen nicht.
Online-Pornografienutzung
Pornografische Inhalte sind im Internet leicht verfügbar und für viele Menschen Teil ihrer Sexualität, ohne dass dies krankheitswertig ist. Problematisch wird die Nutzung, wenn sie sich zunehmend schwer kontrollieren lässt, immer mehr Raum einnimmt und trotz deutlicher negativer Folgen fortgesetzt wird. International wird dieses Muster meist im Zusammenhang mit Compulsive Sexual Behavior Disorder (CSBD) und problematic pornography use (PPU)diskutiert. Die CSBD ist in der ICD-11 als Impulskontrollstörung eingeordnet, eine eigenständige Diagnose „Pornografienutzungsstörung“ gibt es dagegen nicht.
Wie häufig ist problematische Online-Pornografienutzung?
Die Häufigkeit lässt sich bisher nur eingeschränkt angeben. Das liegt vor allem daran, dass Studien unterschiedliche Begriffe, Fragebögen und Grenzwerte verwenden. Belastbare Prävalenzzahlen speziell für problematische Online-Pornografienutzung sind deshalb bislang begrenzt. Insgesamt gilt der Forschungsstand hier als deutlich unsicherer als etwa bei der Computerspielstörung.
Typische Symptome
Typisch sind wiederholte erfolglose Versuche, die Nutzung zu begrenzen, ein starkes gedankliches Kreisen um pornografische Inhalte und die Fortsetzung trotz negativer Folgen. Betroffene berichten zum Beispiel, deutlich länger als beabsichtigt pornografische Inhalte zu nutzen oder andere Verpflichtungen, Interessen oder Beziehungen dadurch zu vernachlässigen. Entscheidend ist nicht die Nutzung an sich, sondern der Verlust an Kontrolle und die spürbare Beeinträchtigung im Alltag.
Ursachen und Risikofaktoren
Eine einzelne Ursache gibt es nicht. Diskutiert werden unter anderem Schwierigkeiten bei der Emotionsregulation, hohe Impulsivität, starke sexuelle Reizoffenheit, psychische Belastungen sowie die Nutzung von Pornografie zur kurzfristigen Spannungs- oder Stressreduktion. Hinzu kommt, dass Online-Angebote sehr leicht zugänglich, anonym und jederzeit verfügbar sind. Diese Bedingungen können eine problematische Nutzung begünstigen, erklären sie aber nicht.
Psychische, soziale und partnerschaftliche Folgen
Problematische Pornografienutzung kann mit Scham, Schuldgefühlen, innerem Leidensdruck und Konflikten in Partnerschaft und Sexualität verbunden sein. Beschrieben werden außerdem Zusammenhänge mit depressiven Symptomen, Angst, Stress und einer geringeren Lebenszufriedenheit. Im Alltag kann sich die Problematik etwa darin zeigen, dass Schlaf, Arbeit oder Studium, soziale Kontakte oder andere Interessen vernachlässigt werden. Gleichzeitig ist wichtig, nicht vorschnell jede häufige Nutzung als Störung zu bewerten. Entscheidend ist, ob die Nutzung dauerhaft schwer kontrollierbar ist und zu deutlichen Beeinträchtigungen führt.
Verlauf und Prognose
Zum langfristigen Verlauf gibt es bislang noch vergleichsweise wenig Forschung. Klar ist aber, dass problematische Online-Pornografienutzung behandelbar ist. Erste Hinweise sprechen dafür, dass besonders kognitiv-verhaltenstherapeutische Ansätze hilfreich sein können. Die bisherige Evidenz wächst, ist aber insgesamt noch begrenzt und methodisch uneinheitlich.
Behandlung & Hilfe
Wann sollte man sich Hilfe suchen?
Viele Menschen nutzen digitale Medien intensiv, ohne dass daraus eine Erkrankung entsteht. Deshalb ist nicht jede lange Gaming-Session oder ein Wochenende mit vielen Online-Videos ein Grund zur Sorge.
Genauer hinschauen sollte man, wenn es zunehmend schwerfällt, die Nutzung selbst zu steuern und dadurch Probleme im Alltag entstehen. Typisch für internetbezogene Verhaltenssüchte sind Kontrollverlust, die zunehmende Bedeutung der digitalen Aktivität gegenüber anderen Lebensbereichen und die Fortsetzung der Nutzung trotz negativer Folgen.
Professionelle Unterstützung kann sinnvoll sein, wenn mehrere dieser Veränderungen über längere Zeit auftreten. Dazu kann gehören, dass Schule, Ausbildung oder Beruf zunehmend leiden, Schlaf oder Bewegung vernachlässigt werden, Freundschaften und andere Interessen an Bedeutung verlieren oder es immer häufiger zu Konflikten in der Familie kommt. Auch wenn wiederholte Versuche, die Nutzung selbst einzuschränken, nicht gelingen, sollte dies ernst genommen werden.
Besonders wichtig ist Unterstützung, wenn zusätzlich starke psychische Beschwerden auftreten. Problematische Internetnutzung steht unter anderem mit Depressionen, Angst, Stress, geringerer Lebensqualität und selbstschädigendem Verhalten in Zusammenhang.
Woran kann ich merken, dass Unterstützung sinnvoll sein könnte?
Hinweise können zum Beispiel sein:
- Ich nehme mir regelmäßig vor, weniger zu spielen oder online zu sein, schaffe es aber nicht.
- Ich bleibe deutlich länger online als geplant.
- Meine Online-Aktivitäten werden wichtiger als frühere Hobbys, Freundschaften oder Verpflichtungen.
- Ich schlafe zu wenig, weil ich nicht aufhören kann.
- Schule, Ausbildung oder Arbeit leiden unter meiner Nutzung.
- Andere sprechen mich immer wieder auf meine Nutzung an oder es kommt häufig zu Streit.
- Ich nutze digitale Angebote zunehmend, um Stress, Einsamkeit, Angst oder andere belastende Gefühle nicht spüren zu müssen.
- Ich fühle mich ohne die jeweilige Online-Aktivität stark unruhig oder habe das Gefühl, kaum noch etwas anderes zu brauchen.
- Trotz erkennbarer negativer Folgen gelingt es mir nicht, dauerhaft etwas zu verändern.
Keines dieser Anzeichen allein beweist eine Internetnutzungsstörung. Entscheidend ist das Gesamtbild. Selbsttests können eine erste Orientierung geben, ersetzen jedoch keine fachliche Diagnose.
Behandlung von Internetnutzungsstörungen
Internetnutzungsstörungen sind behandelbar. Ziel der Behandlung ist es, die Kontrolle über die problematische Nutzung zurückzugewinnen und die Bereiche des Lebens zu stärken, die durch Gaming, Streaming oder andere digitale Aktivitäten in den Hintergrund geraten sind.
Welche Behandlung geeignet ist, hängt unter anderem davon ab, welche Online-Aktivität betroffen ist, wie stark die Beeinträchtigungen sind, wie alt die betroffene Person ist und ob weitere psychische Belastungen oder Erkrankungen vorliegen.
Eine Internetnutzungsstörung betrifft meist nicht nur die Zahl der Stunden vor einem Bildschirm. Oft hat die digitale Aktivität bestimmte Funktionen übernommen. Sie kann beispielsweise helfen, Langeweile zu vermeiden, belastende Gefühle zu verdrängen, Stress auszuhalten oder unangenehmen Situationen auszuweichen.
Gemäß einer Leitlinie gibt es verschiedene Ansätze, die hilfreich sein können:
- Behandlung zur Reduktion von Craving (= dem ständigen Verlangen, Computerspiele zu spielen)
- Achtsamkeitsbasierte Ansätze
- Ansätze, die den gedanklichen Fokus auf Spiele verändern
- Verhaltenstherapie
- Vor allem bei Kindern und Jugendlichen: Die Integration der Eltern und Angehörigen in die Behandlung
Selbstregulation spielt eine wichtige Rolle
Ein zentrales Ziel ist, die eigene Nutzung wieder bewusster steuern zu können. Selbstregulation bedeutet beispielsweise, einen Impuls wahrzunehmen, ohne ihm unmittelbar folgen zu müssen, Nutzungszeiten einzuhalten oder auch in belastenden Situationen andere Möglichkeiten zur Bewältigung zu finden.
Bei der Behandlung kann deshalb beispielsweise untersucht werden, was unmittelbar vor einer langen Gaming- oder Streaming-Phase passiert. Geht es um Langeweile? Stress? Angst vor einer Aufgabe? Einsamkeit? Oder den Wunsch, unangenehme Gedanken für eine Weile nicht spüren zu müssen? Je genauer diese Zusammenhänge verstanden werden, desto gezielter lassen sich Alternativen entwickeln.
Früh eingreifen, bevor sich Probleme verfestigen
Nicht erst eine ausgeprägte Internetnutzungsstörung kann Anlass sein, Unterstützung zu suchen. Auch bei ersten problematischen Entwicklungen können Frühinterventionen sinnvoll sein.
Psychische Begleiterkrankungen berücksichtigen
Problematische Internetnutzung kann gemeinsam mit anderen psychischen Belastungen auftreten. Wichtig ist bei der Diagnostik daher die Frage, ob beispielsweise Depressionen, Ängste, Stress oder andere psychische Probleme bestehen. Die Behandlung muss dann an die Situation angepasst werden. Es reicht nicht immer aus, ausschließlich die Mediennutzung zu verändern.
Wer kann helfen?
Je nach Alter und Situation können erste Ansprechpartner beispielsweise ärztliche oder psychotherapeutische Praxen sowie spezialisierte Beratungs- und Behandlungseinrichtungen sein.
Fokus Kinder und Jugendliche
Bei Kindern und Jugendlichen wird zum Beispiel angeschaut, wann die Nutzung besonders schwer zu stoppen ist, was davor passiert und welche Funktion Gaming, soziale Medien oder andere Angebote in diesem Moment haben. Hilft das Spielen gegen Langeweile? Werden damit Stress oder unangenehme Gefühle verdrängt? Geht es um Zugehörigkeit zu einer Gruppe? Auf dieser Grundlage werden konkrete Alternativen und Strategien für den Alltag entwickelt.
Eltern und Angehörige als Unterstützende
Auch Eltern und andere Bezugspersonen werden häufig einbezogen. Sie können dabei helfen, klare und verlässliche Regeln zu vereinbaren, Konflikte nicht jedes Mal neu auszutragen und Veränderungen im Alltag tatsächlich durchzuhalten. Ebenso wichtig ist das Gespräch darüber, was das Kind online erlebt und warum bestimmte Angebote so wichtig geworden sind.
Eltern sind nicht die Ursache der Erkrankung. Sie können aber ein wichtiger Teil der Behandlung sein, weil sie den Alltag mitgestalten, Veränderungen unterstützen und früh merken können, wenn sich die Nutzung wieder verschärft.
Wenn ein Kind oder ein:e Jugendliche:r digitale Medien immer schwerer kontrollieren kann, betrifft das oft die ganze Familie. Eltern erleben dann möglicherweise Streit über Nutzungszeiten, Rückzug, schulische Probleme oder erfolglose Versuche, Regeln durchzusetzen. Gleichzeitig zeigen die vorliegenden Forschungsarbeiten, dass Eltern und andere Bezugspersonen die Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen beeinflussen können und deshalb eine wichtige Ressource für Prävention und Behandlung sind.
Das eigene Medienverhalten spielt eine Rolle
Kinder orientieren sich nicht nur an dem, was Erwachsene sagen, sondern auch daran, was sie selbst tun. Studien weisen darauf hin, dass eine gute Vorbildfunktion schützend wirken kann. Problematische Mediennutzung tritt innerhalb von Familien zudem gehäuft gemeinsam auf.
Dabei geht es nicht darum, Eltern für eine Internetnutzungsstörung verantwortlich zu machen. Die Erkrankung entsteht durch ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren. Eltern können aber dazu beitragen, Bedingungen zu schaffen, die einen kontrollierten Umgang mit digitalen Medien erleichtern und Veränderungen unterstützen.
Regeln sind wichtig, aber sie allein reichen nicht
Zeitliche Begrenzungen können vor allem im Altersbereich der Kinder von sechs bis zwölf Jahren helfen, die Nutzungsdauer zu reduzieren. Sie verhindern aber nicht zuverlässig eine problematische Nutzung. Werden Smartphone oder andere Geräte ausschließlich als Strafe entzogen, kann dies unter Umständen sogar kontraproduktiv sein. Insgesamt zeigen Studien zu restriktiver Medienerziehung kein einheitliches Bild.
Wichtig sind deshalb nicht nur Grenzen, sondern auch nachvollziehbare und möglichst verlässliche Vereinbarungen, Gespräche über die Nutzung und das Interesse an den digitalen Aktivitäten des Kindes.
Im Gespräch zu bleiben, kann helfen
Eine gute Kommunikation zwischen Eltern und Kind kann schützen. Entscheidend ist, dass sich Kinder und Jugendliche im Gespräch ernst genommen, verstanden und gehört fühlen. Eltern können deshalb regelmäßig nachfragen, was ihr Kind online macht, welche Spiele es spielt oder ausprobieren möchte und welche Inhalte oder Kontakte ihm wichtig sind.
Davon zu unterscheiden ist die Qualität der Eltern-Kind-Beziehung. Sie zeigt sich eher darin, ob das Kind emotionale Wärme, Interesse, Unterstützung und Empathie erlebt. Beides kann zusammenwirken: Eine tragfähige Beziehung erleichtert offene Gespräche, und gute Gespräche können wiederum helfen, problematische Entwicklungen früher wahrzunehmen.
Gerade wenn die Nutzung bereits problematisch geworden ist, kann es schwierig sein, solche Gespräche zu führen. Vorwürfe oder ständige Auseinandersetzungen über Bildschirmzeiten können dazu führen, dass sich beide Seiten immer stärker zurückziehen. Dann kann es hilfreich sein, zunächst gemeinsam zu verstehen, welche Bedeutung die digitale Aktivität für das Kind oder den Jugendlichen hat. Gaming oder Online-Videos können beispielsweise helfen, Langeweile zu vermeiden, Stress zu bewältigen oder soziale Kontakte aufrechtzuerhalten. Eine Veränderung gelingt eher, wenn auch diese Funktionen berücksichtigt werden.
Selbstwirksamkeit der Eltern kann schützen
Digitale erzieherische Selbstwirksamkeit beschreibt, wie sicher sich Eltern darin fühlen, Regeln aufzustellen, Grenzen auch bei Konflikten aufrechtzuerhalten und ihr Kind kompetent durch die digitale Medienwelt zu begleiten. Studien weisen darauf hin, dass eine höhere Selbstwirksamkeit mit einem geringeren Risiko problematischer Nutzung zusammenhängt. Gleichzeitig fühlen sich viele Eltern unzureichend unterstützt. In einer Untersuchung gaben nur 18 Prozent an, sich bei der Medienerziehung gut unterstützt zu fühlen, ein Drittel fühlte sich überfordert.
Was Eltern tun können
Weniger hilfreich
nur Bildschirmzeiten kontrollieren
Nutzungszeiten als Belohnung oder Bestrafung missbrauchen
Regeln aufstellen und nicht einhalten
etwas verbieten, das Erwachsene selbst ständig tun
Gespräche erst führen, wenn ein Konflikt eskaliert
Hilfreicher
klare und nachvollziehbare Regeln gemeinsam vereinbaren
Regeln möglichst konsequent umsetzen
über Nutzungszeiten und Inhalte offen sprechen und Interesse zeigen
das eigene Medienverhalten mitbedenken
andere Freizeitaktivitäten und soziale Kontakte unterstützen
bei zunehmenden Problemen früh Hilfe suchen
Wenn Eltern allein nicht weiterkommen
Anhaltender Streit über Medienzeiten, wiederholter Kontrollverlust, deutliche Veränderungen in Schule oder Alltag oder ein zunehmender Rückzug können Hinweise darauf sein, dass Unterstützung sinnvoll ist. Eltern dürfen sich auch dann beraten lassen, wenn das Kind oder der Jugendliche noch nicht bereit ist, professionelle Hilfe anzunehmen.
Gerade bei einer ausgeprägten Internetnutzungsstörung geht es nicht darum, dass Eltern das Problem allein durch strengere Regeln lösen. Fachliche Unterstützung kann helfen, die Ursachen und Funktionen der Nutzung besser zu verstehen, passende Veränderungen zu entwickeln und Konflikte innerhalb der Familie zu reduzieren.
Eltern sind nicht die Ursache einer Internetnutzungsstörung. Sie können aber ein wichtiger Teil der Lösung sein.
Besonders hilfreich sind eine gute Beziehung, Kooperation zu Medienthemen, klare und verlässliche Regeln, Gespräche über die Nutzung und ein glaubwürdiges eigenes Vorbild.
Spotlight Forschung
Mit ISES! Kids und ISES! Teens hat das Universitätsklinikum Tübingen zwei wissenschaftlich entwickelte Angebote für Eltern geschaffen, die unterschiedliche Altersgruppen ansprechen. ISES! Kids richtet sich an Eltern von Kindern zwischen sechs und zwölf Jahren und unterstützt sie dabei, Mediennutzung altersgerecht zu begleiten, Regeln zu entwickeln und die eigene Vorbildrolle zu reflektieren. ISES! Teens richtet sich an Eltern von Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit problematischer oder suchtartiger Internetnutzung. Hier stehen das Verständnis der Symptomatik, die Eltern-Kind-Beziehung, Kommunikation, der Umgang mit Eskalationen und das Finden weiterführender Hilfe stärker im Mittelpunkt. Beide Angebote gehören zur ISES-Familie „Internetbezogene Störungen: Eltern stärken!“, setzen aber an unterschiedlichen Entwicklungsphasen und Problemlagen an.
Mythen-Check
-
„Wer viele Stunden online ist, ist internetsüchtig.“
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Dieser Mythos trifft nicht zu.
Eine hohe Nutzungsdauer allein reicht nicht aus, um eine Internetnutzungsstörung festzustellen. Entscheidend sind vor allem Kontrollverlust, die zunehmende Priorisierung digitaler Aktivitäten gegenüber anderen Lebensbereichen und die Fortsetzung der Nutzung trotz negativer Folgen.
Dieser Mythos trifft nicht zu.
Eine hohe Nutzungsdauer allein reicht nicht aus, um eine Internetnutzungsstörung festzustellen. Entscheidend sind vor allem Kontrollverlust, die zunehmende Priorisierung digitaler Aktivitäten gegenüber anderen Lebensbereichen und die Fortsetzung der Nutzung trotz negativer Folgen.
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„Computerspielstörung ist eine anerkannte psychische Erkrankung.“
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Dieser Mythos trifft zu.
Die Computerspielstörung, international „Gaming Disorder“ genannt, ist als eigenständige Diagnose anerkannt. Für andere problematische Nutzungsformen wie soziale Medien oder Streaming ist die diagnostische Einordnung noch nicht in gleicher Weise abgeschlossen. Für Forschung und Früherkennung werden die Kriterien der Computerspielstörung teilweise auf andere digitale Aktivitäten übertragen.
Dieser Mythos trifft zu.
Die Computerspielstörung, international „Gaming Disorder“ genannt, ist als eigenständige Diagnose anerkannt. Für andere problematische Nutzungsformen wie soziale Medien oder Streaming ist die diagnostische Einordnung noch nicht in gleicher Weise abgeschlossen. Für Forschung und Früherkennung werden die Kriterien der Computerspielstörung teilweise auf andere digitale Aktivitäten übertragen.
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„Social-Media-Sucht und Streaming-Sucht sind genauso eindeutig diagnostizierbar wie Gaming Disorder.“
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Dieser Mythos trifft nicht zu.
Der Forschungsstand unterscheidet sich erheblich. Die Computerspielstörung ist offiziell als Diagnose anerkannt. Für problematische soziale Medien und Streaming-Dienste gibt es inzwischen wissenschaftlich entwickelte und validierte Fragebögen, die auf den Kriterien der Computerspielstörung beruhen. Eine vergleichbare eigenständige diagnostische Anerkennung besteht jedoch bislang nicht.
Dieser Mythos trifft nicht zu.
Der Forschungsstand unterscheidet sich erheblich. Die Computerspielstörung ist offiziell als Diagnose anerkannt. Für problematische soziale Medien und Streaming-Dienste gibt es inzwischen wissenschaftlich entwickelte und validierte Fragebögen, die auf den Kriterien der Computerspielstörung beruhen. Eine vergleichbare eigenständige diagnostische Anerkennung besteht jedoch bislang nicht.
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„Eltern können problematische Mediennutzung vor allem durch strenge Zeitlimits verhindern.“
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Dieser Mythos trifft teilweise zu.
So pauschal falsch. Zeitbegrenzungen können dazu beitragen, die Nutzungsdauer zu reduzieren. Sie verhindern aber nicht zuverlässig problematische Nutzung oder andere Risiken digitaler Medien. Neben Regeln spielen beispielsweise Gespräche über die Mediennutzung, die Qualität der Eltern-Kind-Beziehung, eine konsequente Umsetzung von Vereinbarungen und das eigene Medienverhalten der Eltern eine Rolle.
Dieser Mythos trifft teilweise zu.
So pauschal falsch. Zeitbegrenzungen können dazu beitragen, die Nutzungsdauer zu reduzieren. Sie verhindern aber nicht zuverlässig problematische Nutzung oder andere Risiken digitaler Medien. Neben Regeln spielen beispielsweise Gespräche über die Mediennutzung, die Qualität der Eltern-Kind-Beziehung, eine konsequente Umsetzung von Vereinbarungen und das eigene Medienverhalten der Eltern eine Rolle.
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„Eltern sind schuld, wenn ihr Kind eine Internetnutzungsstörung entwickelt.“
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Dieser Mythos trifft nicht zu.
Internetnutzungsstörungen entstehen durch das Zusammenspiel verschiedener persönlicher, psychischer, sozialer und medienbezogener Faktoren. Eltern können Schutz und Veränderung unterstützen, sind aber nicht einfach die Ursache einer Störung.
Dieser Mythos trifft nicht zu.
Internetnutzungsstörungen entstehen durch das Zusammenspiel verschiedener persönlicher, psychischer, sozialer und medienbezogener Faktoren. Eltern können Schutz und Veränderung unterstützen, sind aber nicht einfach die Ursache einer Störung.
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„Das eigene Medienverhalten der Eltern spielt keine Rolle.“
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Dieser Mythos trifft nicht zu.
Kinder orientieren sich auch daran, wie Erwachsene digitale Medien nutzen. Studien weisen darauf hin, dass ein glaubwürdiges Vorbild schützend wirken kann. Besonders wichtig scheint zu sein, dass vereinbarte Regeln möglichst konsistent sind und Eltern sie auch selbst ernst nehmen. Inkonsistente Regeln stehen dagegen mit stärkeren Symptomen problematischer Internetnutzung in Zusammenhang.
Dieser Mythos trifft nicht zu.
Kinder orientieren sich auch daran, wie Erwachsene digitale Medien nutzen. Studien weisen darauf hin, dass ein glaubwürdiges Vorbild schützend wirken kann. Besonders wichtig scheint zu sein, dass vereinbarte Regeln möglichst konsistent sind und Eltern sie auch selbst ernst nehmen. Inkonsistente Regeln stehen dagegen mit stärkeren Symptomen problematischer Internetnutzung in Zusammenhang.
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„Bei einer Internetnutzungsstörung hilft nur vollständiger Verzicht.“
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Dieser Mythos trifft nicht zu.
Zumindest für einige problematische Nutzungsformen zielt Behandlung nicht ausschließlich auf Abstinenz. In der entsprechenden Leitlinie für Behandler:innen werden unter anderem Zeitmanagement, der Aufbau anderer als belohnend erlebter Aktivitäten, Selbstregulationsstrategien und die Veränderung problematischer Gedanken empfohlen. Zeitlich begrenzter Verzicht ist dabei nicht automatisch das dauerhafte Behandlungsziel, gerade weil digitale Medien heute Teil von Schule, Beruf und sozialem Leben sind.
Dieser Mythos trifft nicht zu.
Zumindest für einige problematische Nutzungsformen zielt Behandlung nicht ausschließlich auf Abstinenz. In der entsprechenden Leitlinie für Behandler:innen werden unter anderem Zeitmanagement, der Aufbau anderer als belohnend erlebter Aktivitäten, Selbstregulationsstrategien und die Veränderung problematischer Gedanken empfohlen. Zeitlich begrenzter Verzicht ist dabei nicht automatisch das dauerhafte Behandlungsziel, gerade weil digitale Medien heute Teil von Schule, Beruf und sozialem Leben sind.
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„Internetnutzungsstörungen betreffen nur Jugendliche.“
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Dieser Mythos trifft nicht zu.
Internetbezogene Verhaltenssüchte können auch Erwachsene betreffen. Das Jugendalter ist allerdings eine besonders wichtige Phase, weil viele problematische Nutzungsmuster dort erstmals auftreten. Die Fachgesellschaften beschreiben Internetnutzungsstörungen als Störungsbilder, die häufig ab dem Jugendalter beginnen.
Kinder und Jugendliche stehen deshalb besonders im Fokus von Prävention und Früherkennung.
Dieser Mythos trifft nicht zu.
Internetbezogene Verhaltenssüchte können auch Erwachsene betreffen. Das Jugendalter ist allerdings eine besonders wichtige Phase, weil viele problematische Nutzungsmuster dort erstmals auftreten. Die Fachgesellschaften beschreiben Internetnutzungsstörungen als Störungsbilder, die häufig ab dem Jugendalter beginnen.
Kinder und Jugendliche stehen deshalb besonders im Fokus von Prävention und Früherkennung.
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„Autoplay, Infinite Scroll und ähnliche Funktionen können dazu beitragen, dass wir länger online bleiben.“
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Dieser Mythos trifft zu.
Viele digitale Angebote sind so gestaltet, dass möglichst wenige natürliche Unterbrechungen entstehen. Dazu gehören beispielsweise Autoplay, endloses Scrollen oder personalisierte Empfehlungen. Die aktuelle Forschung betrachtet solche Gestaltungselemente als potenziell relevant für eine längere oder schwerer kontrollierbare Nutzung. Sie allein verursachen jedoch keine Internetnutzungsstörung. Ob eine Störung entsteht, hängt von mehreren Faktoren ab.
Dieser Mythos trifft zu.
Viele digitale Angebote sind so gestaltet, dass möglichst wenige natürliche Unterbrechungen entstehen. Dazu gehören beispielsweise Autoplay, endloses Scrollen oder personalisierte Empfehlungen. Die aktuelle Forschung betrachtet solche Gestaltungselemente als potenziell relevant für eine längere oder schwerer kontrollierbare Nutzung. Sie allein verursachen jedoch keine Internetnutzungsstörung. Ob eine Störung entsteht, hängt von mehreren Faktoren ab.
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„Problematische Internetnutzung ist einfach eine Frage mangelnder Disziplin.“
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Dieser Mythos trifft nicht zu.
Eine Internetnutzungsstörung ist keine Frage mangelnder Willenskraft. Selbstregulation, psychische Belastungen, Nutzungsmotive, das soziale Umfeld und Eigenschaften digitaler Angebote können gemeinsam dazu beitragen, dass sich problematische Nutzung entwickelt und aufrechterhält. Entscheidend ist also nicht, ob sich jemand „mehr zusammenreißt“, sondern welche Faktoren die Nutzung antreiben und wie stark die Kontrolle bereits verloren gegangen ist.
Dieser Mythos trifft nicht zu.
Eine Internetnutzungsstörung ist keine Frage mangelnder Willenskraft. Selbstregulation, psychische Belastungen, Nutzungsmotive, das soziale Umfeld und Eigenschaften digitaler Angebote können gemeinsam dazu beitragen, dass sich problematische Nutzung entwickelt und aufrechterhält. Entscheidend ist also nicht, ob sich jemand „mehr zusammenreißt“, sondern welche Faktoren die Nutzung antreiben und wie stark die Kontrolle bereits verloren gegangen ist.
Forschung heute: Was wir wissen und was wir noch nicht wissen
Die Forschung zu Internetnutzungsstörungen hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Gleichzeitig entwickelt sich die digitale Welt so schnell, dass wissenschaftliche Erkenntnisse häufig erst folgen müssen. Neue Plattformen, Funktionen und Nutzungsformen entstehen, während viele wichtige Fragen zu Ursachen, langfristigen Folgen und Behandlung noch offen sind.
Was wir über Internetnutzungsstörungen wissen
Kontrollverlust und Beeinträchtigungen sind wichtiger als reine Nutzungszeiten
Die Forschung zeigt deutlich, dass reine Bildschirmzeiten wenig darüber aussagen, ob eine Störung vorliegt. Entscheidend ist, ob die Nutzung dauerhaft schwer steuerbar wird und mit erheblichen Beeinträchtigungen im Alltag verbunden ist.
Nicht jede problematische Nutzungsform ist diagnostisch gleich gut abgesichert
Am klarsten definiert ist die Computerspielstörung und die Online-Glücksspielstörung. Für andere Bereiche wie die Nutzung sozialer Netzwerke, Streaming, digitales Kaufen oder Online-Pornografie werden bereits problematische und pathologische Nutzungsmuster untersucht, ihr diagnostischer Status ist jedoch nicht gleich weit entwickelt. Deshalb lassen sich die verschiedenen Formen nicht einfach gleichsetzen.
Muss man komplett auf digitale Medien verzichten?
Ein völliger Verzicht auf digitale Medien ist nicht automatisch das Ziel der Behandlung. Digitale Anwendungen gehören heute zu Schule, Beruf, Kommunikation und Freizeit. Welche Veränderung sinnvoll ist, muss deshalb für die betroffene Person und die problematische Aktivität individuell geklärt werden. In der Behandlung wird oft ein Ampelsystem genutzt: Bei der Gaming Disorder können digitale Spiele in grün (kann ich jederzeit problemlos beenden) orange (Aufhören gelingt nicht immer gut) und rot (artet eigentlich immer aus) eingeteilt werden. Es kann sinnvoll sein, auf „rote“ Spiele komplett zu verzichten.
Bei der Soziale-Netzwerke-Nutzungsstörung zeigen Studien, dass ein „Digital Detox“ im Sinne einer Reduktion von Nutzungszeiten für einen definierten Zeitraum, wirksam sein können.
Kinder und Jugendliche sind eine besonders vulnerable Forschungsgruppe
Viele Verhaltenssüchte beginnen erstmals im Jugendalter. Gleichzeitig befindet sich das Gehirn in dieser Zeit noch in Entwicklung. Belohnungssysteme reagieren besonders stark, während Fähigkeiten zur Selbstkontrolle und langfristigen Planung weiter reifen. Die Fachliteratur beschreibt Hinweise darauf, dass dieses Verhältnis bei Jugendlichen mit problematischem Gaming zusätzlich verändert sein könnte.
Die Gestaltung digitaler Angebote kann die Nutzung beeinflussen
Autoplay, endloses Scrollen, variable Belohnungen, soziale Rückmeldungen und personalisierte Empfehlungen können dazu beitragen, Aufmerksamkeit zu binden und die Nutzung zu verlängern. Psychologische und neurobiologische Forschung liefert Hinweise darauf, wie solche Mechanismen wirken können. Das bedeutet jedoch nicht, dass einzelne Designmerkmale automatisch eine Abhängigkeit verursachen. Ob daraus tatsächlich gesundheitliche Probleme entstehen, hängt unter anderem von Alter, Persönlichkeit, Resilienz und sozialem Umfeld ab.
Was wir noch nicht wissen
Warum entwickelt eine Person eine Störung und eine andere nicht?
Die Forschung kennt verschiedene Risikofaktoren, kann aber bislang nicht zuverlässig vorhersagen, wer bei intensiver Nutzung tatsächlich eine Internetnutzungsstörung entwickeln wird. Offen ist insbesondere, wie persönliche Eigenschaften, psychische Belastungen, soziale Bedingungen und Funktionen der digitalen Angebote im Einzelfall zusammenspielen.
Welche Designmerkmale erhöhen das Abhängigkeitsrisiko?
Forschende wissen, dass digitale Angebote durch unterschiedliche Mechanismen Aufmerksamkeit und Verhalten beeinflussen können. Noch ungeklärt ist jedoch, welche einzelnen Designmerkmale in welchem Alter besonders problematisch sind und wie groß ihr tatsächlicher Beitrag zur Entstehung einer Störung ist. Wie stark einzelne Designmerkmale tatsächlich zur Entstehung einer Störung beitragen, ist deshalb noch nicht ausreichend geklärt.
Was bewirkt frühe eigenständige Mediennutzung?
Noch fehlen ausreichende Daten dazu, wie sich eine frühe selbstständige Nutzung digitaler Medien langfristig auf Gehirnentwicklung und psychische Gesundheit auswirkt. Besonders groß sind die Forschungslücken bei jüngeren Kindern. Für die Altersgruppe zwischen sechs und 13 Jahren gibt es deutlich weniger belastbare Daten als für Jugendliche.
Was ist Ursache und was Folge?
Viele Studien zeigen Zusammenhänge zwischen problematischer Mediennutzung und psychischen Problemen. Querschnittstudien können jedoch nicht zeigen, was zuerst da war. Längsschnitt- und Interventionsstudien können diese Frage besser untersuchen, sind aber bislang wesentlich seltener.
Wie viel moderate Nutzung ist unproblematisch oder möglicherweise sogar hilfreich?
Ein großer Teil der Forschung beschäftigt sich mit sehr intensiver oder problematischer Nutzung. Weniger gut untersucht ist, welche Auswirkungen eine moderate Nutzung bei Menschen ohne besondere Risikofaktoren hat. Auch hier ist noch Forschung nötig.
Wie verlaufen Internetnutzungsstörungen langfristig?
Es fehlen noch ausreichend Langzeitstudien dazu, bei wem problematische Nutzung von selbst zurückgeht, wann sie sich verfestigt, welche Faktoren Rückfälle begünstigen und welche Betroffenen besonders langfristige Unterstützung benötigen.
Welche Behandlung hilft welcher Person am besten?
Für einige psychotherapeutische und frühinterventive Ansätze gibt es positive Ergebnisse. Offen ist aber unter anderem, welche Therapiebestandteile besonders wirksam sind, wann Eltern einbezogen werden sollten, wie lange eine Behandlung dauern muss und welche Verfahren für welche Betroffenen am besten geeignet sind.
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Letzte Aktualisierung der Inhalte: Oktober 2026