Ein Mann liegt entspannt mikt geschlossenen Augen und hinter dem Kopf verschränkten Armen auf einer Wiese

Psychisch gesund bleiben

Psychisch gesund zu bleiben, bedeutet nicht, immer ausgeglichen zu sein oder jede Belastung mühelos zu bewältigen. Auch psychisch gesunde Menschen erleben Angst, Trauer, Überforderung oder Zeiten, in denen es ihnen nicht gut geht. Langzeitstudien zeigen jedoch, dass viele Menschen trotz Belastungen seelisch stabil bleiben oder ihr Gleichgewicht wiederfinden. Dabei helfen ihnen persönliche Fähigkeiten ebenso wie verlässliche Beziehungen, materielle Sicherheit und unterstützende Lebensbedingungen.

Prof. Silvia Schneider

„Psychische Gesundheit heißt, dass ein Mensch in der Lage ist, seine Ressourcen und seine Talente zum Ausdruck zu bringen und sie auch in schwierigen Situationen einzusetzen. Es bedeutet, Resilienz zu zeigen, schwierige Situationen oder ein schwerwiegendes Lebensereignis zu verarbeiten, ohne dass eine psychische Erkrankung entsteht.“

Die Forschung zeigt keine einfache Formel für psychische Gesundheit. Kein Mensch kann durch richtiges Verhalten sicher verhindern, psychisch zu erkranken. Schutz entsteht vielmehr aus vielen Einflüssen, die sich gegenseitig ergänzen und im Laufe des Lebens verändern können.

Was hilft, psychisch gesund zu bleiben

Was machen Menschen, die auch unter Belastung psychisch gesund bleiben? Neuere Langzeitstudien geben darauf erste Antworten. Diese Menschen bewerten schwierige Situationen häufig realistisch bis vorsichtig zuversichtlich. Sie nehmen Probleme ernst, ohne deren Gefahr oder mögliche Folgen automatisch zu überschätzen. Zugleich trauen sie sich eher zu, mit einer Situation umzugehen oder passende Hilfe zu finden. Diese Art der Bewertung kann starke oder langanhaltende Stressreaktionen begrenzen und scheint zumindest teilweise erlernbar zu sein.

Schutzfaktoren sind nicht einfach die Kehrseite von Risikofaktoren. Ihre schützende Wirkung zeigt sich besonders dann, wenn Menschen Belastungen oder Risiken ausgesetzt sind. So kann zum Beispiel eine verlässliche Bezugsperson die Folgen einer schwierigen familiären Situation abmildern, ohne die Belastung selbst aufzuheben.

Ebenso wichtig ist Flexibilität. Psychisch stabile Menschen greifen nicht immer auf dieselbe Strategie zurück. Sie versuchen zu verändern, was sie beeinflussen können, suchen Unterstützung, wenn sie sie benötigen, und können eher annehmen, was sich vorerst nicht ändern lässt. Welche Reaktion hilfreich ist, hängt von der Situation ab. Genau diese Anpassung der Umgangsweise an die jeweilige Situation rückt die Forschung zunehmend in den Mittelpunkt. Tragfähige Beziehungen gehören ebenfalls zu den am besten belegten Schutzfaktoren. Entscheidend ist dabei nicht die Zahl der Kontakte, sondern das Gefühl, bei Bedarf auf verlässliche und zugewandte Menschen zählen zu können. Auch finanzielle Sicherheit, gute Beziehungsqualität und ein unterstützendes Umfeld sind in Langzeitstudien mit günstigeren Verläufen verbunden.

Psychische Gesundheit ist deshalb nicht nur abhängig von persönlicher Leistung.

Eine über Jahrzehnte laufende neuseeländische Studie untersuchte Menschen, bei denen bis zum Alter von 38 Jahren keine psychische Erkrankung festgestellt worden war. Sie besaßen nicht durchweg besonders günstige wirtschaftliche Voraussetzungen, eine außergewöhnlich gute körperliche Gesundheit oder eine besonders hohe Intelligenz. In der Kindheit waren sie im Durchschnitt emotional stabiler, sozial aufgeschlossener und verfügten über mehr Selbstkontrolle. Zudem waren psychische Erkrankungen in ihren Familien seltener. Im Erwachsenenalter berichteten sie von besseren Beziehungen und höherer Lebenszufriedenheit.

Schutzfaktoren

Persönliche Stärken, verlässliche Beziehungen und unterstützende Lebensbedingungen können die psychische Gesundheit stärken und helfen, Belastungen zu bewältigen.

Persönliche Fähigkeiten und Einstellungen
  • Selbstwirksamkeit, also das Vertrauen, durch das eigene Handeln etwas bewirken und Einfluss auf das eigene Leben nehmen zu können
  • ein stabiles Selbstwertgefühl
  • realistischer Optimismus und Hoffnung
  • Kohärenzgefühl, also das Erleben, dass das Leben verstehbar, bewältigbar und sinnvoll ist
  • Sinn, persönliche Werte und erreichbare Ziele
  • positive Gefühle und die Fähigkeit, Freude zu erleben
  • flexible Bewältigungsstrategien, die zur jeweiligen Situation passen, einschließlich aktiven Problemlösens
  • die Fähigkeit, Unveränderbares anzunehmen und Veränderbares anzugehen
  • Religiosität oder Spiritualität, sofern sie Halt vermitteln und nicht mit Angst, Schuld oder Ausgrenzung verbunden sind

Diese Faktoren sind unterschiedlich gut untersucht und wirken nicht in jeder Situation gleichermaßen schützend.

Emotionale, soziale und kognitive Kompetenzen
  • eigene Gefühle und Bedürfnisse wahrnehmen und verstehen
  • Selbstregulation: Gefühle regulieren, Impulse steuern und Frustration aushalten können
  • eigene Fähigkeiten und Grenzen realistisch einschätzen
  • Lernfähigkeit und kognitive Fähigkeiten
  • Kreativität, Interessen und Begabungen
  • Empathie
  • Kommunikationsfähigkeit, konstruktive Konfliktlösung und die Fähigkeit, Beziehungen aufzubauen und zu erhalten

Diese Kompetenzen können helfen, Anforderungen zu bewältigen und Unterstützung zu erhalten.

Verlässliche Beziehungen und soziale Unterstützung
  • Menschen, denen man vertraut, mit denen man offen sprechen kann und die emotionale Unterstützung geben, etwa Trost, Verständnis und Ermutigung, zum Beispiel in Freundschaften und Partnerschaften
  • praktische Unterstützung im Alltag
  • die Gewissheit, bei Bedarf Hilfe zu erhalten
  • Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft, etwa in Vereinen, Gruppen oder der Nachbarschaft
  • Möglichkeiten, selbst anderen zu helfen
Schutzfaktoren beim Aufwachsen
  • sichere Bindung zu mindestens einer verlässlichen Bezugsperson
  • feinfühlige Betreuung, emotionale Zuwendung, Wärme und Anerkennung
  • klare, nachvollziehbare Regeln in Verbindung mit altersgerechter Selbstständigkeit
  • ein unterstützendes Familienklima und familiärer Zusammenhalt
  • positive Geschwisterbeziehungen
  • Unterstützung und Entlastung der Eltern
  • verlässliche Bezugspersonen und Vorbilder außerhalb der Familie
  • unterstützende Kontakte zu Gleichaltrigen
  • Förderung von Interessen und Begabungen
  • Erfahrungen, Herausforderungen erfolgreich bewältigen zu können
Körperliche Gesundheit und Alltag
  • ausreichender und erholsamer Schlaf
  • regelmäßige Bewegung
  • ausgewogene, bedarfsgerechte Ernährung
  • regelmäßige Erholung, Pausen und Möglichkeiten zur Entspannung, auch durch Achtsamkeit oder andere Übungen, sofern sie zur Person und Situation passen
  • ein Tagesablauf, der Orientierung gibt
  • angenehme Aktivitäten
  • ein Umgang mit Belastungen, der nicht auf Alkohol oder anderen Drogen beruht

Diese Verhaltensweisen können Wohlbefinden und Stressbewältigung unterstützen. Sie sind nicht alle im engeren wissenschaftlichen Sinn als eigenständige Schutzfaktoren gegen sämtliche psychischen Erkrankungen nachgewiesen.

Schule, Ausbildung, Studium und Beruf
  • Zugang zu guter Bildung und Förderung
  • sichere Lern- und Arbeitsbedingungen, einschließlich wirksamen Schutzes vor Mobbing, Belästigung und Diskriminierung
  • Möglichkeiten zur Beteiligung und Mitgestaltung sowie Handlungsspielraum und Einfluss auf die eigenen Aufgaben
  • Anforderungen, die zu den verfügbaren Fähigkeiten und Ressourcen passen
  • klare Aufgaben und Zuständigkeiten
  • positive Beziehungen und Unterstützung durch Kolleginnen, Kollegen und Führungskräfte
  • Anerkennung, faire Behandlung und angemessene Bezahlung
  • Beschäftigungssicherheit
  • sinnvolle Tätigkeiten und Erfolgserlebnisse
  • ausreichende Erholungszeiten
  • Vereinbarkeit von Arbeit und Privatleben
  • Anpassungen und Unterstützung bei gesundheitlichen Einschränkungen
Materielle, gesellschaftliche und räumliche Bedingungen
  • finanzielle Sicherheit und soziale Absicherung
  • sicheres und angemessenes Wohnen
  • gesellschaftlicher Zusammenhalt
  • gesellschaftliche Teilhabe sowie Schutz vor Gewalt, Ausgrenzung und Diskriminierung
  • Frieden, Schutz der Menschenrechte und verlässliche öffentliche Institutionen

Auch zugängliche Grünflächen, Natur und Gewässer können psychische Gesundheit fördern, etwa durch Möglichkeiten zu Bewegung, Begegnung und Erholung. Eine Wohnumgebung mit weniger Lärm und ohne übermäßige Hitze kann zusätzlich entlasten.

Zugang zu Unterstützung und Versorgung
  • Wissen über psychische Gesundheit und verfügbare Hilfen
  • ein Umfeld ohne Stigmatisierung, in dem psychische Belastungen und das Suchen von Hilfe angesprochen werden können
  • frühzeitiger Zugang zu Beratung und wirksamer Behandlung, mit bezahlbaren, erreichbaren und bedarfsgerechten Angeboten
  • kontinuierliche Unterstützung bei länger bestehenden Erkrankungen
  • Selbsthilfe und Unterstützung durch Menschen mit eigener Erkrankungserfahrung
  • Hilfen, die gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen

Diese Bedingungen sind besonders für Früherkennung, Genesung und die Vermeidung weiterer Belastungen bedeutsam.

Spotlight Forschung: Psychische Gesundheit im Alltag stärken

Das DZPG-Projekt Urban Mental Health untersucht, wie psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen dort gefördert werden kann, wo sie aufwachsen und ihren Alltag verbringen. Gemeinsam mit der Stadt Bochum entwickelt das Forschungsteam passgenaue Maßnahmen für Kitas, Schulen sowie Einrichtungen der Jugendhilfe und Beratung. Ziel sind Umgebungen, in denen Kinder und Jugendliche sich zugehörig fühlen, eigene Entscheidungen mitgestalten und ihre Fähigkeiten entwickeln können. So sollen grundlegende Bedürfnisse nach Verbundenheit, Autonomie und Kompetenz erfüllt und die Widerstandskraft gegenüber Belastungen gestärkt werden. Langfristig soll daraus ein Modell entstehen, das auch auf andere Kommunen übertragen werden kann.

Mehr zum Projekt

Was die psychische Gesundheit belasten kann

Manche Lebensbedingungen beanspruchen Menschen über längere Zeit stark oder erschweren es ihnen, vorhandene Fähigkeiten und Unterstützung zu nutzen. Fachleute sprechen von Risikofaktoren, wenn ein Merkmal oder eine Bedingung statistisch mit einer höheren Wahrscheinlichkeit psychischer Probleme verbunden ist. Sie bedeuten nicht, dass ein Mensch zwangsläufig erkrankt. Ihre Wirkung hängt unter anderem davon ab, wie lange Belastungen bestehen, ob mehrere zusammenkommen und welche Unterstützung verfügbar ist.

Manche dieser Merkmale lassen sich nicht verändern, können aber dabei helfen, Personengruppen mit einem möglicherweise erhöhten Unterstützungsbedarf zu erkennen. Sie dürfen dabei nicht als Ursache missverstanden werden. Alter, Geschlecht oder eine psychische Erkrankung in der Familie können Hinweise auf statistisch erhöhte Wahrscheinlichkeiten geben, sie sagen aber nicht voraus, dass ein bestimmter Mensch zwangsläufig erkranken wird.

Im familiären und sozialen Umfeld können unter anderem unsichere Beziehungen, mangelnde Unterstützung, anhaltende Konflikte oder Mobbing belastend wirken. Auch gesellschaftliche Bedingungen spielen eine Rolle. Armut, soziale Benachteiligung, Ausgrenzung, unsichere Wohn- und Arbeitsverhältnisse oder ein dauerhaft sehr leistungsorientiertes Umfeld können die psychische Gesundheit beeinträchtigen.

Manche Risikofaktoren wirken bereits früh im Leben und können die grundsätzliche Verletzlichkeit eines Menschen erhöhen. Dazu können bestimmte biologische Voraussetzungen oder Belastungen rund um Schwangerschaft und Geburt gehören. Andere treten zeitlich näher an einer Erkrankung auf. Kritische Lebensereignisse wie eine Trennung, ein Verlust, schwere Konflikte oder anhaltende Überforderung können dann zum Auslöser werden. Häufig ist jedoch ein belastendes Ereignis allein nicht ausreichend, um eine psychische Erkrankung zu erklären.

Risikofaktoren

Bestimmte Erfahrungen und Lebensbedingungen können die psychische Gesundheit belasten und das Risiko für eine Erkrankung erhöhen. Sie bedeuten jedoch nicht, dass ein Mensch zwangsläufig erkrankt.

1. Belastungen in bestimmten Lebensphasen

Genetische und vorgeburtliche Einflüsse
  • erbliche Anfälligkeit für bestimmte psychische Erkrankungen sowie gemeinsame belastende Lebensbedingungen und Erfahrungen in der Familie
  • bestimmte Schwangerschaftskomplikationen, etwa schwere Infektionen oder Präeklampsie, die das Risiko für spätere psychische Erkrankungen beim Kind erhöhen können
  • Alkohol-, Tabak- oder Drogenexposition während der Schwangerschaft
Belastungen in Kindheit und Jugend
  • körperliche oder seelische Misshandlung, einschließlich wiederholter Demütigung, Ablehnung oder harter Bestrafung
  • sexualisierte Gewalt
  • körperliche oder emotionale Vernachlässigung
  • Miterleben von Gewalt oder anhaltenden Konflikten in der Familie
  • stark kontrollierende Erziehung, die kaum Raum für Selbstständigkeit lässt
  • fehlende verlässliche Betreuung, instabile Beziehungen zu Bezugspersonen sowie Verlust oder längere Trennung von wichtigen Bezugspersonen
  • Armut und schwere familiäre Belastungen

Spotlight Forschung

Gewalt und Vernachlässigung in der Kindheit können die psychische und körperliche Gesundheit bis ins Erwachsenenalter beeinträchtigen. Frühe Unterstützung kann helfen, Folgen abzumildern und die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen zu stärken.

Wie Fachkräfte solche Belastungen erkennen und Betroffene unterstützen können, vermittelt der kostenlose Online-Kurs „Frühe Kindheitsbelastungen – Vorbeugen, Erkennen & Behandeln“. Entwickelt wurde er an der Universitätsklinik Ulm gemeinsam mit Expertinnen und Experten des Deutschen Zentrums für Psychische Gesundheit (DZPG). Fachtexte, Fallbeispiele und Übungen verbinden wissenschaftliche Erkenntnisse mit praktischen Ansätzen zur Prävention, Diagnostik und Behandlung.

Der Kurs richtet sich vor allem an medizinisch-therapeutische Fachkräfte sowie ergänzend an pädagogische und sozialpädagogische Fachkräfte.

Weitere Informationen und Anmeldung

Schule, Ausbildung und Studium
  • Mobbing, Gewalt und Diskriminierung
  • Ausgrenzung, fehlendes Zugehörigkeitsgefühl und belastende Beziehungen zu Gleichaltrigen
  • starker Leistungsdruck und Druck, sich den Erwartungen anderer anzupassen
  • wiederkehrende Schwierigkeiten beim Lernen und fehlende passende Förderung
  • fehlende Unterstützung durch Erwachsene

Spotlight Forschung

Zu Beginn eines Studiums sind junge Menschen häufig mit Leistungsdruck, neuen sozialen Anforderungen und Selbstorganisation konfrontiert. Gleichzeitig ist der Zugang zu früher Unterstützung oft begrenzt. Das DZPG-Projekt UNIty entwickelt ein digitales Präventionsmodell, das psychische Belastungen bei Studierenden mithilfe einer Monitoring-App frühzeitig erkennen und individuelle Belastungsprofile zurückmelden soll. Bei relevanten Belastungen erhalten die Teilnehmenden Unterstützung durch eine Chatbot-Intervention oder ein Buddy-Programm.

Spotlight Forschung

Wie gut Mitarbeitende in der Offenen Ganztagsbetreuung psychische Belastungen bei Grundschulkindern erkennen und deren psychische Gesundheit fördern können, untersucht das Projekt LEGUAN. Auf Grundlage vorhandener Kenntnisse und konkreter Bedarfe wird eine praxistaugliche Fortbildung entwickelt.

Belastende Arbeitsbedingungen
  • dauerhaft hohe Arbeitsmenge und hoher Zeitdruck, etwa durch Personalmangel
  • hohe Anforderungen bei geringem Handlungsspielraum
  • lange, ungünstige oder wenig flexible Arbeitszeiten
  • unklare Aufgaben und Zuständigkeiten
  • fehlende Unterstützung durch Führungskräfte oder Kolleginnen und Kollegen
  • autoritäre Führung
  • Mobbing, Belästigung, Gewalt, Diskriminierung und Ausgrenzung
  • geringe Anerkennung bei hohem Einsatz
  • unsichere Beschäftigung, unangemessene Bezahlung, Arbeitslosigkeit oder Verlust des Arbeitsplatzes
  • fehlende Entwicklungsmöglichkeiten
  • Konflikte zwischen beruflichen und privaten Anforderungen
Körperliche Erkrankungen und biologische Veränderungen im Erwachsenenalter
  • chronische körperliche Erkrankungen und anhaltende Schmerzen
  • Schädel-Hirn-Verletzungen
  • körperliche und hormonelle Veränderungen, die bei manchen Menschen depressive Episoden begünstigen können, etwa nach einer Geburt oder während des Übergangs in die Menopause
  • psychische Nebenwirkungen bestimmter Medikamente

2. Belastungen, die über den gesamten Lebenslauf wirken

Traumatische Erfahrungen und schwere Lebensereignisse
  • Erleben körperlicher oder sexualisierter Gewalt
  • schwere Unfälle oder andere lebensbedrohliche Ereignisse
  • Krieg, Folter und Verfolgung, auch als wiederholte oder lang anhaltende Bedrohung
  • Flucht und Vertreibung
  • Naturkatastrophen
  • mehrere schwere Belastungen in kurzer Zeit
Belastende Beziehungen und fehlende soziale Unterstützung
  • Einsamkeit und soziale Isolation
  • fehlende verlässliche Bezugspersonen sowie fehlende emotionale oder praktische Unterstützung
  • Zurückweisung und soziale Ausgrenzung
  • anhaltende Konflikte in Familie oder Partnerschaft
  • Trennung oder Verlust wichtiger Beziehungen, auch durch den Tod eines nahestehenden Menschen
  • Gewalt, Misshandlung oder Vernachlässigung innerhalb von Beziehungen

Spotlight Forschung

Einsamkeit besser verstehen und wirksame Gegenmaßnahmen entwickeln: Das ist das Ziel von LONELY-EU, einem neuen EU-Projekt unter Federführung des DZPG-Standorts Bochum-Marburg. Ein internationales Team bündelt vorhandene Daten zu Ursachen und Folgen von Einsamkeit. Auf dieser Grundlage entstehen Empfehlungen an die Politik, wie Einsamkeit vermieden oder abgebaut werden kann. Zudem soll ein europaweites Netzwerk zum Austausch aufgebaut werden. Soziale Isolation und Einsamkeit schaden der mentalen und körperlichen Gesundheit und erhöhen sogar die Sterblichkeit.

Persönliche Denk-, Gefühls- und Bewältigungsmuster
  • ein anhaltend geringes Selbstwertgefühl
  • ausgeprägte Angst vor Fehlern, überhöhte Ansprüche an sich selbst und das Gefühl, nur durch Leistung wertvoll zu sein
  • wiederkehrendes Grübeln über Probleme, eigene vermeintliche Fehler oder belastende Gefühle
  • Schwierigkeiten, Gefühle wahrzunehmen und zu regulieren
  • Schwierigkeiten, Bedürfnisse mitzuteilen und Unterstützung zu suchen
  • wenig verfügbare Möglichkeiten, Probleme zu lösen und mit Belastungen umzugehen

Diese Muster können Risiken erhöhen, aber auch Folgen belastender Erfahrungen oder bereits bestehender Beschwerden sein. Sie sind keine persönlichen Schwächen.

Schlaf, Bewegung und Ernährung
  • anhaltende Schlafprobleme und Schlafmangel
  • wenig körperliche Bewegung und überwiegend sitzender Alltag
  • Mangelernährung, unzureichende Versorgung mit notwendigen Nährstoffen und bestimmte ungünstige Ernährungsmuster, für die vor allem Zusammenhänge mit Depressionen untersucht wurden

Diese Faktoren können einer Erkrankung vorausgehen, aber auch deren Symptom sein. Die wissenschaftlichen Belege (Evidenz) sind für die einzelnen Faktoren unterschiedlich stark.

Alkohol, andere Substanzen und Abhängigkeit
  • schädlicher Alkoholkonsum
  • Konsum psychoaktiver Substanzen, insbesondere Cannabis im Zusammenhang mit dem Risiko psychotischer Erkrankungen
  • Tabakkonsum, denn der ist mit schlechterer psychischer Gesundheit assoziiert
  • bereits bestehende Abhängigkeitserkrankungen

Substanzkonsum kann psychische Beschwerden auslösen oder verstärken.

Digitale und mediale Belastungen
  • Cybermobbing und digitale Ausgrenzung
  • Druck durch unrealistische Körper-, Leistungs- oder Lebensideale und belastende soziale Vergleiche
  • problematische Nutzung mit Kontrollverlust und negativen Folgen im Alltag, auch wenn sie Schlaf, Bewegung oder persönliche Beziehungen beeinträchtigt
Materielle und gesellschaftliche Belastungen
  • Armut, finanzielle Unsicherheit und fehlende soziale Absicherung
  • unsichere oder unzureichende Wohnbedingungen
  • eingeschränkter Zugang zu Bildung und grundlegenden Dienstleistungen
  • gesellschaftliche Ungleichheit und Benachteiligung, einschließlich Rassismus und anderer Formen der Diskriminierung
  • Menschenrechtsverletzungen
  • wirtschaftliche Krisen und gesellschaftliche Unsicherheit

Spotlight Forschung

Trans* und genderdiverse Menschen erleben häufig Diskriminierung, auch im Gesundheitswesen. Diese Erfahrungen können das Risiko für psychische Erkrankungen erhöhen. Das DZPG-Forschungsprojekt TRANSConnect entwickelt gemeinsam mit Betroffenen eine Gruppenintervention, die die psychische Gesundheit und soziale Resilienz von trans* und genderdiversen Personen stärken soll.

Umweltbelastungen
  • anhaltende Lärmbelastung
  • Luftverschmutzung und Belastung durch bestimmte Schadstoffe, etwa Blei
  • Folgen des Klimawandels, darunter Extremwetter, Vertreibung und Verlust der Lebensgrundlage

Für Luftverschmutzung, Lärm und Schadstoffe gibt es unterschiedlich belastbare Hinweise auf Zusammenhänge mit psychischen Beschwerden.

Fehlender Zugang zu Unterstützung und Versorgung
  • fehlende oder schwer erreichbare Beratungs- und Behandlungsangebote, auch durch finanzielle, sprachliche oder andere Zugangshürden
  • Stigmatisierung psychischer Erkrankungen und Angst vor Benachteiligung
  • nicht erkannte oder unbehandelte Beschwerden
  • fehlende Unterstützung im Alltag und bei gesellschaftlicher Teilhabe

Diese Bedingungen können insbesondere dazu beitragen, dass Beschwerden länger bestehen oder sich verschlimmern. Sie sind nicht sämtlich eigenständige Risikofaktoren für das erstmalige Auftreten einer Erkrankung.

Drogenkonsum und psychische Gesundheit

Drogen können in belastenden Zeiten sehr verlockend sein. Sie entspannen vorübergehend, Sorgen treten in den Hintergrund. Doch die kurzfristige Erleichterung birgt Risiken. Abgesehen von einer Abhängigkeit und körperlichen Schäden können Alkohol, Cannabis und andere psychoaktive Substanzen psychische Beschwerden auslösen oder verstärken. Dafür muss noch keine Abhängigkeit bestehen.

Mehr Informationen zu Substanzgebrauchsstörungen

Die Risiken unterscheiden sich je nach Substanz, Menge und Häufigkeit des Konsums sowie der persönlichen Situation. Cannabis kann beispielsweise Angst, Panik und psychotische Symptome hervorrufen. Betroffene hören oder sehen dann möglicherweise Dinge, die andere nicht wahrnehmen, oder fühlen sich verfolgt. Häufiger Cannabiskonsum ist mit einem höheren Risiko für psychotische Erkrankungen verbunden. Aufputschende Drogen wie Kokain können Unruhe und Angst auslösen. Wenn ihre Wirkung nachlässt, können Erschöpfung und starke Niedergeschlagenheit folgen.

Spotlight Forschung

Eine vom DZPG geförderte Pilotstudie untersuchte, ob cannabisinduzierte Psychosen nach der Legalisierung häufiger geworden sind. Dafür verglichen die Wissenschaftler:innen stationäre Daten von zwei Jahren vor der Legalisierung mit dem ersten Jahr danach. Cannabisbedingte psychische Probleme stiegen um das Anderthalbfache, cannabisinduzierte Psychosen fast auf das Doppelte. Ein ursächlicher Zusammenhang ist laut den Autorinnen und Autoren nicht sicher belegt, da z. B. erhöhte diagnostische Aufmerksamkeit eine Rolle spielen könnte.

Besondere Wachsamkeit verdient der Konsum, wenn er dazu dient, Ängste, Anspannung oder belastende Erinnerungen auszuhalten. Wer Erleichterung erlebt, greift möglicherweise immer häufiger zur Substanz, während die ursprüngliche Belastung bestehen bleibt. Psychische Beschwerden und problematischer Konsum können sich so gegenseitig verstärken.

Auf Drogen zu verzichten, vermeidet die Risiken, die mit ihrem Konsum verbunden sind. Wichtig ist es, bei Belastungen andere Wege zur Entlastung zu finden.

Dazu können verlässliche Beziehungen, Bewegung, ausreichend Schlaf und therapeutische Unterstützung beitragen. Niemand muss mit Ängsten, Überforderung oder schmerzhaften Erfahrungen allein zurechtkommen.

Zu den Schutzfaktoren

Wenn Sie bemerken, dass Sie zunehmend konsumieren, um sich besser zu fühlen oder Ihren Alltag zu bewältigen, kann ein frühzeitiges Gespräch helfen. Eine Suchtberatung ist auch dann möglich, wenn keine Abhängigkeit besteht.

Psychische Gesundheit entsteht im Zusammenspiel

Kein einzelner Faktor entscheidet darüber, ob ein Mensch psychisch gesund bleibt oder erkrankt. Persönliche Voraussetzungen, Erfahrungen, Beziehungen und Lebensbedingungen wirken zusammen, können sich gegenseitig verstärken oder ausgleichen und verändern sich im Laufe des Lebens. Derselbe Einfluss kann bei verschiedenen Menschen unterschiedliche Folgen haben.

Auch unter schwierigen Umständen können tragfähige Beziehungen, hilfreiche Fähigkeiten und gute Lebensbedingungen Schutz bieten. Umgekehrt können mehrere gleichzeitige oder lang anhaltende Belastungen die verfügbaren Kräfte übersteigen. Psychische Gesundheit ist daher kein fester persönlicher Besitz, sondern kann sich je nach Lebensphase und Situation verändern.

Psychische Gesundheit gezielt stärken

Prävention kann vorhandene Stärken fördern und zugleich Lebensbedingungen verbessern. Sie kann Menschen dabei unterstützen, Gefühle und Stressreaktionen besser einzuordnen, flexibel mit Herausforderungen umzugehen, verlässliche Beziehungen aufzubauen und frühzeitig Hilfe zu nutzen. Ebenso wichtig sind Schutz vor Mobbing, gute Arbeits- und Lernbedingungen, soziale Sicherheit sowie leicht erreichbare Beratungs- und Hilfsangebote. Besonders aussichtsreich sind Ansätze, die persönliche, soziale und strukturelle Ressourcen verbinden und die Menschen beteiligen, für die sie gedacht sind.

Prof. Silvia Schneider

„Wirksame Prävention darf nicht allein den einzelnen Menschen in die Verantwortung nehmen. Sie muss Menschen stärken und zugleich in Familien, Schulen, Betrieben und Kommunen Bedingungen schaffen, die psychische Gesundheit schützen.“

Frühzeitig Hilfe zu suchen, ist ein wichtiger Schritt, um psychische Gesundheit zu erhalten. Wissen darüber, wie sich psychische Probleme zeigen können, welche Behandlungen es gibt und an wen man sich wenden kann, erleichtert diesen Schritt. Unterstützung anzunehmen ist kein Zeichen von Schwäche. Sie kann dazu beitragen, Beschwerden früh aufzufangen, eine Verschlechterung zu verhindern und vorhandene Stärken wieder besser zu nutzen.

Spotlight Forschung

Das Projekt BE-WELL von DZPG und DZKJ entwickelt gemeinsam mit Jugendlichen und Fachkräften ein digitales Instrument, das psychisches und körperliches Wohlbefinden sowie Belastungs- und Schutzfaktoren im schulischen Umfeld erfasst. Über die Verknüpfung mit der DZPG-Plattform GUSTAPH sollen Schulen passende, wissenschaftlich fundierte Handlungsempfehlungen erhalten.

Zur Probeversion der DZPG-Plattform GUSTAPH

Psychische Krisen bewältigen

Die meisten Menschen verfügen über Erfahrungen, Fähigkeiten und Beziehungen, die ihnen auch in schwierigen Zeiten Halt geben. Von einer psychischen Krise wird gesprochen, wenn Belastungen die eigenen Bewältigungsmöglichkeiten vorübergehend übersteigen und das innere Gleichgewicht verloren geht. Auslöser können einschneidende Ereignisse wie ein Verlust, eine Trennung oder eine schwere Diagnose sein.

Die Wissenschaft unterscheidet drei Hauptauslöser:

Traumatische Ereignisse

Traumatische Ereignisse sind außergewöhnlich bedrohliche oder erschütternde Erfahrungen, die die körperliche oder seelische Unversehrtheit eines Menschen gefährden. Dazu gehören etwa Naturkatastrophen, schwere Unfälle, Krieg sowie das Erleben oder Miterleben von Gewalt.

Kritische Lebensereignisse

Kritische Lebensereignisse stellen das bisherige Leben grundlegend infrage und erfordern weitreichende Veränderungen. Dazu zählen beispielsweise der Verlust des Arbeitsplatzes, eine schwere Erkrankung, der unerwartete Tod eines nahestehenden Menschen oder die Erfahrung von Flucht und Migration.

Biografische Übergänge

Biografische Übergänge gehören grundsätzlich zum Lebenslauf und sind häufig vorhersehbar oder entwickeln sich allmählich. Dennoch können sie eine erhebliche Anpassung verlangen. Beispiele sind der Auszug aus dem Elternhaus, der Berufseinstieg, eine Heirat, die Geburt eines Kindes, ein Umzug oder der Umgang mit körperlichen Einschränkungen im Alter.

Wie Menschen reagieren, hängt unter anderem von ihren Erfahrungen, ihren verfügbaren Kräften, ihrem sozialen Umfeld und ihren Lebensbedingungen ab. Was für einen Menschen noch zu bewältigen ist, kann einen anderen überfordern. Das ist kein Zeichen mangelnder Stärke.

Eine psychische Krise kann mit Angst, Verzweiflung, innerer Unruhe, Rückzug, Schlafproblemen oder dem Gefühl einhergehen, keinen Ausweg mehr zu sehen. Sie kann bestehende Beschwerden verstärken oder zur Entwicklung einer psychischen Erkrankung beitragen.

Was Menschen in einer Krise stärken kann – für Betroffene und Außenstehende

Auch in Krisen gibt es nicht die eine richtige Reaktion. Meist trägt ein Zusammenspiel verschiedener Hilfen zur Bewältigung bei. Dazu gehören Sicherheit, verlässliche Beziehungen, konkrete Entlastung im Alltag, ein zur Situation passender Umgang mit Gedanken und Gefühlen und bei Bedarf professionelle Unterstützung.

Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt für die Unterstützung nach schwerwiegenden Ereignissen eine einfache Grundhaltung:

  • Zuerst sollte geklärt werden, ob die betroffene Person sicher ist und was sie unmittelbar benötigt.
  • Danach geht es darum, ruhig zuzuhören, ohne sie zum Erzählen zu drängen, und sie mit vertrauten Menschen, praktischer Hilfe oder professionellen Angeboten in Verbindung zu bringen.
  • Psychologische Erste Hilfe soll Halt und Orientierung geben. Sie ersetzt keine Behandlung, wenn eine solche erforderlich ist.

Nicht allein bleiben

Soziale Unterstützung gehört zu den am besten belegten Schutzfaktoren. Eine vertraute Person kann zuhören, beim Ordnen der Gedanken helfen oder vorübergehend Aufgaben übernehmen. Viele Krisen können Menschen mithilfe ihrer eigenen Erfahrungen und Fähigkeiten sowie mit Unterstützung aus ihrem Umfeld bewältigen. Wenn diese Hilfe nicht ausreicht, kann der Kontakt zu einer Beratungsstelle, Praxis oder Klinik aufgenommen werden. Entscheidend ist nicht allein, wie viele Menschen jemand kennt. Wichtig ist, ob Unterstützung erreichbar ist und als hilfreich erlebt wird.

In einer Krise fällt es jedoch oft besonders schwer, selbst Kontakt aufzunehmen. Erschöpfung, Scham, Angst vor Zurückweisung oder das Gefühl, anderen zur Last zu fallen, können dem entgegenstehen. Ein sehr kleiner erster Schritt kann helfen, sich zu öffnen; etwa einer Person zu schreiben, dass es einem gerade nicht gut geht und man nicht allein sein möchte. Auch anonyme Beratungsangebote können eine erste Verbindung schaffen.

Das Beeinflussbare vom Unbeeinflussbaren trennen

Nicht jede Krise lässt sich durch eigenes Handeln lösen. Ein Verlust kann nicht rückgängig gemacht und eine Erkrankung nicht wegorganisiert werden. Dann können Strategien wichtiger werden, um starke Gefühle zu regulieren und um so die nächste Zeit zu überstehen.

Forschung zur Bewältigung nach belastenden Erfahrungen zeigt, dass eine dauerhafte Vermeidung von Gedanken, Gefühlen und Erinnerungen mit stärkeren psychischen Beschwerden zusammenhängt. Das bedeutet jedoch nicht, dass Betroffene sofort über alles sprechen oder sich mit dem Erlebten auseinandersetzen müssen. Kurzzeitig Abstand zu gewinnen, kann schützen. Problematisch kann es werden, wenn Vermeidung auf Dauer das Leben immer weiter einschränkt oder notwendige Hilfe verhindert.

Grundbedürfnisse nicht unterschätzen

Schlaf, Essen, Bewegung und ein möglichst geregelter Tagesablauf lösen die Ursache einer Krise nicht. Sie können aber dazu beitragen, den Körper zu stabilisieren und zusätzliche Belastungen zu begrenzen. In einer akuten Krise sind kleine, erreichbare Ziele häufig hilfreicher als der Anspruch, sofort wieder normal funktionieren zu müssen. Das kann bedeuten, etwas zu trinken, eine Mahlzeit zu essen, zu duschen, kurz nach draußen zu gehen oder einen Termin für den nächsten Tag festzulegen.

Alkohol und andere Substanzen können Gefühle kurzfristig dämpfen. Sie beeinträchtigen jedoch Urteilsvermögen und Impulskontrolle und können Schlaf, Angst oder depressive Beschwerden verschlechtern. Besonders bei Suizidgedanken oder selbstverletzendem Verhalten ist es wichtig, Alkohol und Drogen möglichst zu meiden und nicht allein zu bleiben.

Hilfe finden

Ein persönlicher Krisenplan

Wenn Krisen wiederkehren oder sich zuspitzen können, ist es sinnvoll, in einer ruhigeren Phase einen persönlichen Krisenplan zu erstellen. Darin können frühe Warnzeichen, hilfreiche Strategien, vertraute Personen, professionelle Anlaufstellen und Notfallkontakte festgehalten werden.

Sicherheitspläne sind besonders für Menschen mit Suizidgedanken oder nach Selbstverletzungen untersucht worden. Dazu können Maßnahmen gehören, die den Zugang zu Medikamenten, Waffen oder anderen möglichen Mitteln der Selbstverletzung erschweren.

Systematische Übersichtsarbeiten sprechen dafür, dass sie suizidales Verhalten und Suizidgedanken verringern können. Sie sollten gemeinsam mit einer qualifizierten Fachperson erstellt und auf den jeweiligen Menschen abgestimmt werden.

Wann professionelle Unterstützung wichtig ist

Professionelle Hilfe ist sinnvoll, wenn starke Beschwerden anhalten, sich verschlimmern oder Alltag, Beziehungen, Schule, Studium oder Beruf deutlich beeinträchtigen. Sie ist besonders wichtig, wenn jemand kaum noch schläft, sich nicht mehr versorgen kann, den Bezug zur Wirklichkeit verliert, sich selbst verletzt oder an Suizid denkt. Hilfe zu suchen, sollte nicht erst die letzte Maßnahme nach dem Scheitern eigener Bemühungen sein. Sie kann ein aktiver Teil der Krisenbewältigung sein.

Welche Unterstützung passt, hängt von der Situation ab. Möglich sind Gespräche in einer Beratungsstelle, eine hausärztliche oder psychotherapeutische Behandlung, ein Krisendienst, der Sozialpsychiatrische Dienst oder eine psychiatrische Ambulanz.

Wenn sofort Hilfe nötig ist

Wer befürchtet, sich selbst oder einen anderen Menschen zu gefährden, sollte den Notruf 112 wählen oder die nächste psychiatrische Notaufnahme aufsuchen.

Bei dringenden, aber nicht lebensbedrohlichen medizinischen Problemen ist der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116 117 erreichbar.

Die Telefonseelsorge bietet unter 116 123, 0800 1110111 und 0800 1110222 rund um die Uhr kostenlose und anonyme Gespräche an. Auch Angehörige dürfen Hilfe holen, wenn sie sich Sorgen machen.

Hilfe finden

Quellen

Abbott-Smith, S., Ring, N., Dougall, N., & Davey, J. (2023). Suicide prevention: What does the evidence show for the effectiveness of safety planning for children and young people? A systematic scoping review. Journal of Psychiatric and Mental Health Nursing, 30(5), 899–910. https://doi.org/10.1111/jpm.12928

Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde. (2025). S3-Leitlinie psychosoziale Therapien bei schweren psychischen Erkrankungen (Version 3.0, AWMF-Registernummer 038-020). https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/038-020 register.awmf.org

Hu, F.-H., Zhao, D.-Y., Fu, X.-L., Zhang, W.-Q., Tang, W., Hu, S.-Q., Shen, W.-Q., & Chen, H.-L. (2023). Effects of social support on suicide-related behaviors in patients with severe mental illness: A systematic review and meta-analysis. Journal of Affective Disorders, 328, 324–333. https://doi.org/10.1016/j.jad.2023.02.070 ScienceDirect

Junge-Hoffmeister, J. (2019). Prävention psychischer Störungen. In S. Schneider & J. Margraf (Hrsg.), Lehrbuch der Verhaltenstherapie, Band 3 (S. 943–965). Springer. https://doi.org/10.1007/978-3-662-57369-3_52 Springer Nature Link

Littleton, H., Horsley, S., John, S., & Nelson, D. V. (2007). Trauma coping strategies and psychological distress: A meta-analysis. Journal of Traumatic Stress, 20(6), 977–988. https://doi.org/10.1002/jts.20276

Marshall, C. A., Crowley, P., Carmichael, D., Goldszmidt, R., Aryobi, S., Holmes, J., Easton, C., Isard, R., & Murphy, S. (2023). Effectiveness of suicide safety planning interventions: A systematic review informing occupational therapy. Canadian Journal of Occupational Therapy, 90(2), 208–236. https://doi.org/10.1177/00084174221132097 journals.sagepub.com

National Institute for Health and Care Excellence. (2022). Self-harm: Assessment, management and preventing recurrence (NICE Guideline NG225). https://www.nice.org.uk/guidance/ng225 NICE

Petri-Romão, P., Mediavilla, R., Restrepo-Henao, A., Puhlmann, L. M. C., Zerban, M., Ahrens, K. F., Barbui, C., Basten, U., Bayón, C., Chmitorz, A., Felez-Nobrega, M., Kollmann, B., Lieb, K., McDaid, D., McGreevy, K. R., Melchior, M., Muñoz-Sanjosé, A., Neumann, R. J., Park, A.-L., . . . Kalisch, R. (2025). Positive appraisal style predicts long-term stress resilience and mediates the effect of a pro-resilience intervention. Nature Communications, 16, Artikel 10269. https://doi.org/10.1038/s41467-025-65147-7 PMC

Schaefer, J. D., Caspi, A., Belsky, D. W., Harrington, H., Houts, R., Horwood, L. J., Hussong, A., Ramrakha, S., Poulton, R., & Moffitt, T. E. (2017). Enduring mental health: Prevalence and prediction. Journal of Abnormal Psychology, 126(2), 212–224. https://doi.org/10.1037/abn0000232 Experts@Minnesota

Schäfer, S. K., Fritz, J., Sopp, M. R., Kunzler, A. M., von Boros, L., Tüscher, O., Göritz, A. S., Lieb, K., & Michael, T. (2023). Interrelations of resilience factors and their incremental impact for mental health: Insights from network modeling using a prospective study across seven timepoints. Translational Psychiatry, 13, Artikel 328. https://doi.org/10.1038/s41398-023-02603-2 PubMed

Schäfer, S. K., Supke, M., Kausmann, C., Schaubruch, L. M., Lieb, K., & Cohrdes, C. (2024). A systematic review of individual, social, and societal resilience factors in response to societal challenges and crises. Communications Psychology, 2, Artikel 92. https://doi.org/10.1038/s44271-024-00138-w Communications Psychology

World Health Organization, War Trauma Foundation, & World Vision International. (2011). Psychological first aid: Guide for field workers. World Health Organization. https://www.who.int/publications/i/item/9789241548205 who.int

Letzte Aktualisierung der Inhalte: Oktober 2026