Substanzgebrauchsstörungen verstehen

Substanzgebrauchsstörungen sind psychische Erkrankungen, bei denen die Einnahme einer psychoaktiven Substanz zu anhaltenden oder wiederkehrenden Problemen führen kann. Betroffene können beispielsweise die Kontrolle über ihren Konsum verlieren, ein starkes Verlangen nach der Substanz entwickeln oder trotz negativer Folgen weiter konsumieren. Zu den psychoaktiven Substanzen, die zu einer Abhängigkeit führen können, gehören unter anderem Alkohol, Nikotin, Cannabis, Opioide, Kokain, Amphetamine und bestimmte Medikamente.

Nicht jeder Konsum einer psychoaktiven Substanz bedeutet, dass eine Abhängigkeitserkrankung vorliegt. Dennoch kann jede Einnahme psychoaktiver Substanzen mit gesundheitlichen Risiken verbunden sein. Fachleute unterscheiden unter anderem zwischen riskantem, schädlichem und abhängigem Konsum.

Wie eine Substanzgebrauchsstörung entsteht, lässt sich meist nicht auf eine einzelne Ursache zurückführen. Verschiedene biologische, psychologische und soziale Faktoren können zusammenwirken.

Auch die Substanz selbst und die Art ihrer Anwendung können dabei eine Rolle spielen. Besonders schnell und stark wirkende Substanzen können das Risiko für eine Abhängigkeit erhöhen. Darüber hinaus kann eine Substanzgebrauchsstörung gemeinsam mit anderen psychischen Erkrankungen wie zum Beispiel Depressionen, Angststörungen, bipolare Störungen oder Psychosen auftreten.

Substanzgebrauchsstörungen sind behandelbar. Welche Behandlung geeignet ist, hängt unter anderem von der verwendeten Substanz, dem Schweregrad der Erkrankung, körperlichen und psychischen Begleiterkrankungen sowie den persönlichen Zielen der betroffenen Person ab. Je nach Situation können psychotherapeutische und psychosoziale Verfahren, Medikamente, medizinisch begleitete Entzugsbehandlungen oder Rehabilitationsangebote eingesetzt werden.

Auch die Behandlungsziele können unterschiedlich sein. Für manche Menschen steht eine dauerhafte Abstinenz im Vordergrund, für andere zunächst eine gesundheitlich relevante Reduktion des Substanzgebrauchs. Darüber hinaus können die Behandlung körperlicher und psychischer Beschwerden sowie Verbesserungen in Alltag, Beziehungen, Wohnen, Arbeit und sozialer Teilhabe wichtige Ziele sein.

Wichtige Fakten

  • Substanzgebrauchsstörungen sind psychische Erkrankungen, bei denen der Konsum einer psychoaktiven Substanz zu gesundheitlich bedeutsamen Beeinträchtigungen, führt und/oder zunehmend schwer kontrollierbar wird.
  • Nicht jeder Konsum psychoaktiver Substanzen weist auf eine Substanzgebrauchsstörung hin, zugleich kann jede Einnahme mit gesundheitlichen Risiken verbunden sein.
  • Eine Substanzgebrauchsstörung entsteht meist durch das Zusammenspiel verschiedener Faktoren. Dazu gehören biologische, psychologische und soziale Einflüsse sowie Eigenschaften der jeweiligen Substanz.
  • Substanzgebrauchsstörungen können gemeinsam mit anderen psychischen Erkrankungen auftreten. 
  • Substanzgebrauchsstörungen sind behandelbar. 
  • Behandlung kann unterschiedliche Ziele haben. Dazu gehören Abstinenz oder eine gesundheitlich relevante Reduktion des Substanzgebrauchs.
  • Unterstützung ist in jeder Phase der Erkrankung möglich. Frühzeitige Unterstützung kann helfen, gesundheitliche, psychische und soziale Folgen zu verringern.

Was sind Substanzgebrauchsstörungen und wie entstehen sie?

Was ist eine Substanzgebrauchsstörung?

Viele Menschen konsumieren gelegentlich psychoaktive Substanzen wie Alkohol, Nikotin oder Cannabis. Der Konsum allein bedeutet noch nicht, dass eine Abhängigkeit vorliegt. Gleichzeitig kann jede Einnahme mit gesundheitlichen Risiken verbunden sein. Wie hoch diese Risiken sind, hängt unter anderem von der Substanz, der Dosis, der Häufigkeit und Art des Konsums sowie von der persönlichen Situation ab.

Junger Mann mit einem Glas Wasser mit schmerzverzerrtem Gesicht

Die folgenden Begriffe dienen der verständlichen Einordnung. Diagnosen werden in der medizinischen Praxis nach standardisierten Klassifikationen wie ICD-10/ICD-11 oder DSM-5 gestellt. Die verwendeten Begriffe und diagnostischen Kriterien unterscheiden sich je nach Klassifikationssystem.

Eine Substanzgebrauchsstörung ist eine psychische Erkrankung, bei der der Konsum einer psychoaktiven Substanz für Betroffene zunehmend schwer kontrollierbar ist und trotz gesundheitlicher oder anderer negativer Folgen fortgesetzt wird. Dabei können unterschiedliche Formen und Schweregrade auftreten. Von schädlichem Gebrauch wird gesprochen, wenn der Konsum bereits zu einer körperlichen oder psychischen Gesundheitsschädigung geführt hat. Soziale oder finanzielle Probleme können zusätzlich auftreten.

Eine Abhängigkeit ist eine besonders ausgeprägte Form der Störung, bei der der Konsum zunehmend das Denken und Handeln bestimmt und gegenüber anderen Lebensbereichen an Bedeutung gewinnt. Typische Merkmale sind unter anderem ein starkes Verlangen nach der Substanz, eine eingeschränkte Kontrolle über den Konsum, körperliche Entzugssymptome, Toleranzentwicklung, die Vernachlässigung anderer Interessen und die Fortsetzung des Konsums trotz eindeutiger schädlicher Folgen.

Damit wird deutlich: Zwischen gelegentlichem Konsum, riskantem oder schädlichem Gebrauch und einer Abhängigkeit gibt es wichtige Unterschiede. Entscheidend ist nicht allein, ob und wie viel eine Person konsumiert, sondern auch, wie sich der Konsum auf ihre Gesundheit, ihren Alltag und ihr Leben auswirkt.

Nach den Kriterien der ICD-10 müssen für die Diagnose eines Abhängigkeitssyndroms mindestens drei Merkmale innerhalb eines Zeitraums von einem Jahr erfüllt sein. Das ebenfalls verwendete Klassifikationssystem DSM-IV verwendet teilweise andere Begriffe und Kriterien, sodass Diagnosen nach DSM und ICD nicht unmittelbar gleichzusetzen sind.

Im Alltag wird häufig der Begriff „Sucht“ verwendet. In der medizinischen Fachsprache sind dagegen genauere Begriffe wie Substanzgebrauchsstörung oder Abhängigkeitssyndrom üblich.

Substanzgebrauchsstörungen können jeden Menschen betreffen

Substanzgebrauchsstörungen können Menschen in allen Lebenslagen betreffen und sind nicht auf eine bestimmte Bevölkerungsgruppe beschränkt. 

Belastende Lebensbedingungen, Armut, psychische Erkrankungen, Traumaerfahrungen und ein eingeschränkter Zugang zu Hilfen können Risiken jedoch erhöhen. Wie häufig Substanzgebrauchsstörungen vorkommen, kann sich je nach Substanz unterscheiden.

Junge Frau raucht eine Zigarette

In Deutschland gehören tabak-, medikamenten- und alkoholbezogene Störungen zu den häufigsten substanzbezogenen Erkrankungen. Daneben spielen unter anderem Cannabis, Opioid und Stimulanz bezogene Störungen sowie Störungen im Zusammenhang mit psychoaktiven Medikamenten eine Rolle. Bevölkerungsstudien wie der Epidemiologische Suchtsurvey (ESA) zeigen, dass substanzbezogene Probleme in Deutschland weit verbreitet sind. Dabei unterscheiden sich die Häufigkeiten je nach Substanz, Altersgruppe und Geschlecht.

Abhängigkeit ist keine Willensschwäche

Menschen mit einer Substanzgebrauchsstörung erleben häufig Vorurteile und Schuldzuweisungen. Eine Abhängigkeit lässt sich jedoch nicht einfach durch mangelnde Willenskraft erklären. Bei einer Abhängigkeit können biologische, psychologische und soziale Prozesse zusammenwirken. Das kann dazu führen, dass es Betroffenen trotz des Wissens um mögliche negative Folgen schwerfällt, ihren Gebrauch zu kontrollieren oder zu beenden.

Eine Substanzgebrauchsstörung sollte nicht als persönliches Versagen verstanden werden. Sie ist eine Erkrankung, die erkannt und behandelt werden kann. Eine wertschätzende und nicht stigmatisierende Haltung ist auch für die Behandlung wichtig. Die individuelle Situation, die Motivation und die persönlichen Ziele der betroffenen Person sollten berücksichtigt werden.

Schwangere Frau nimmt zu Hause eine Tablette ein.

Substanzgebrauchsstörungen in unterschiedlichen Lebensphasen

Eine Abhängigkeitserkrankung kann in unterschiedlichen Lebensphasen entstehen und sich im Laufe des Lebens verändern. Häufig beginnt der Konsum von Alkohol, Cannabis, Nikotin oder anderen psychoaktiven Substanzen bereits in der Jugend oder im jungen Erwachsenenalter. Das bedeutet jedoch nicht, dass aus frühem oder regelmäßigem Gebrauch zwangsläufig eine Abhängigkeit entsteht. Entscheidend sind viele verschiedene Faktoren, die bei jedem Menschen unterschiedlich zusammenspielen können.

Kinder und Jugendliche

Bei Kindern und Jugendlichen sollte Substanzgebrauch immer im Zusammenhang mit ihrer körperlichen, psychischen und sozialen Entwicklung betrachtet werden. In der Jugend entwickelt sich das Gehirn noch weiter, zudem besitzen Kinder und Jugendliche noch weniger Erfahrung mit neuen Situationen. Deshalb fällt es ihnen manchmal schwerer, ihre Gefühle, Impulse und ihr Verhalten zu kontrollieren. Gleichzeitig reagieren Kinder und Jugendliche stärker auf unmittelbare Belohnungen und neigen entwicklungsbedingt eher zu Impulsivität und Risikoverhalten. Dadurch kann beispielsweise die Entscheidung, „es einmal auszuprobieren“, stärker gewichtet werden als mögliche langfristige Folgen.

Ein früher Beginn des Substanzkonsums kann die Entwicklung beeinträchtigen und das Risiko für eine spätere Substanzgebrauchsstörung erhöhen. Bei einem Teil der Jugendlichen beginnt der Konsum von Alkohol, Nikotin oder Cannabis bereits im frühen bis mittleren Jugendalter. Der Zeitpunkt und die Art des Konsums unterscheiden sich jedoch deutlich je nach Substanz und sozialem Umfeld. Besonders relevant sind ein früher Beginn, häufiger oder intensiver Konsum sowie zusätzliche Belastungen.

Dabei spielen nicht nur die Substanz selbst, sondern auch die Lebensumstände eine wichtige Rolle. Familiäre Konflikte, körperliche Gewalt, belastende Lebensereignisse, psychische Probleme oder der Einfluss von Freunden können das Risiko erhöhen. Ein einfaches Beispiel ist ein Jugendlicher, der in seinem Freundeskreis regelmäßig mit Alkohol oder Cannabis in Kontakt kommt und aus Angst, nicht dazuzugehören, mitkonsumiert. Auch die Nutzung von Substanzen zur Bewältigung von Stress oder belastenden Erfahrungen kann problematisch werden.

Deshalb sollte nicht nur darauf geschaut werden, was und wie viel konsumiert wird, sondern auch darauf, warum und in welchem Zusammenhang der Konsum stattfindet. Warnzeichen können beispielsweise sein, dass sich schulische Leistungen verschlechtern, Konflikte in der Familie zunehmen, sich der Freundeskreis stark verändert oder Substanzen zunehmend genutzt werden, um mit Stress, Ängsten oder anderen Belastungen umzugehen.

Früher Substanzkonsum kann zudem Gedächtnis, Aufmerksamkeit und andere für das Lernen wichtige Funktionen beeinträchtigen. Außerdem steigt das Risiko für Vergiftungen, Überdosierungen und Unfälle.

Bei Jugendlichen sollte deshalb frühzeitig gehandelt werden. Es muss noch keine Abhängigkeit vorliegen, damit Unterstützung sinnvoll ist. Ein vertrauensvolles Gespräch, Beratung oder die Unterstützung durch Kinderärztinnen und Kinderärzte kann helfen, Risiken früh zu erkennen und geeignete Maßnahmen einzuleiten. Gleichzeitig können stabile Familienbeziehungen, ein unterstützendes Umfeld und Freunde, die selbst keine Substanzen konsumieren, Schutz bieten.

Erwachsene

Auch im Erwachsenenalter können sich schädliche Konsummuster entwickeln oder verändern. Häufig stehen sie im Zusammenhang mit Belastungen oder Veränderungen im persönlichen und beruflichen Leben. Dazu können beispielsweise anhaltender Arbeitsstress, familiäre oder partnerschaftliche Konflikte, Trennung, Verlust, chronische Schmerzen, psychische Beschwerden oder soziale Isolation gehören.

Auch die Lebenssituation selbst kann sich verändern: Neue berufliche Anforderungen, Elternschaft, Arbeitslosigkeit, Ruhestand oder andere einschneidende Ereignisse können den Umgang mit Substanzen beeinflussen. Manche Menschen nutzen Alkohol, Medikamente oder andere Substanzen zunehmend, um Stress, Schlafprobleme, Ängste oder körperliche Beschwerden zu bewältigen. Dadurch kann sich ein Konsummuster entwickeln, das zunächst als hilfreich erlebt wird, später aber zunehmend belastend wird.

Eine Abhängigkeitserkrankung kann sich jedoch auch nach vielen Jahren unauffälligen Konsums entwickeln. Gleichzeitig ist es in jedem Alter möglich, den Konsum zu verändern, zu reduzieren oder zu beenden. Entscheidend ist daher nicht das Alter, sondern wie sich der Konsum auf das eigene Leben auswirkt und ob es zunehmend schwerfällt, ihn selbst zu steuern.

Schwangerschaft

Schwangerschaft und Elternschaft

Eine Substanzgebrauchsstörung während der Schwangerschaft erfordert eine frühzeitige und individuell angepasste medizinische und psychosoziale Unterstützung. Auch in der Schwangerschaft sollte eine notwendige Behandlung nicht aus Angst vor möglichen Risiken aufgeschoben oder abgebrochen werden.

Insbesondere bei einer Behandlung mit Opioiden sollte die Therapie nicht eigenständig beendet werden. Auch bei einer Abhängigkeit von Alkohol oder Beruhigungs- und Schlafmitteln (Benzodiazepinen) kann ein plötzliches Absetzen gefährlich sein und sollte daher ärztlich begleitet werden. Gemeinsam mit dem Behandlungsteam kann abgewogen werden, welche Behandlung für Mutter und Kind am sichersten ist. Ein unbehandelter schädlicher Substanzgebrauch kann ebenfalls gesundheitliche Risiken für die Schwangere und das ungeborene Kind mit sich bringen. Ziel ist deshalb, die Behandlung möglichst frühzeitig an die Schwangerschaft anzupassen und gemeinsam eine möglichst sichere Versorgung zu planen. Welche Behandlung sinnvoll ist, hängt unter anderem von der konsumierten Substanz, dem Ausmaß des Gebrauchs und der individuellen gesundheitlichen Situation ab. Aber auch nach der Geburt bleibt Unterstützung wichtig.

Eltern mit einer Substanzgebrauchsstörung können beispielsweise Hilfe bei der eigenen Behandlung, der Versorgung des Kindes, der Alltagsorganisation, der psychischen Gesundheit und der sozialen Stabilisierung benötigen. Dabei sollte die Unterstützung wertschätzend und möglichst frei von Stigmatisierung erfolgen. Das Wohl des Kindes muss berücksichtigt werden. Gleichzeitig kann eine gute Behandlung der elterlichen Erkrankung ein wichtiger Beitrag dazu sein, die Gesundheit und Entwicklung des Kindes zu schützen. Unterstützung zu suchen ist deshalb kein Zeichen von Versagen, sondern ein wichtiger Schritt für die eigene Gesundheit und die des Kindes.

Ältere Menschen

Substanzgebrauchsstörungen können auch im höheren Lebensalter neu entstehen oder bereits seit vielen Jahren bestehen. Dabei verändern sich die gesundheitlichen Risiken. Mit zunehmendem Alter verarbeitet der Körper Alkohol, Medikamente und andere Substanzen häufig langsamer oder anders. Gleichzeitig bestehen häufiger mehrere körperliche Erkrankungen und es werden mehrere Medikamente gleichzeitig eingenommen. Dadurch können sich Wirkungen verstärken und Wechselwirkungen entstehen.

Schädlicher Substanzgebrauch wird bei älteren Menschen zudem nicht immer früh erkannt. Beschwerden wie Schlafprobleme, Gedächtnis- oder Konzentrationsschwierigkeiten, Stürze, depressive Verstimmungen oder sozialer Rückzug können viele Ursachen haben und werden deshalb nicht unbedingt mit Alkohol, Medikamenten oder anderen Substanzen in Verbindung gebracht. Auch eine Abhängigkeit, die erst im höheren Lebensalter entsteht, kann dadurch lange unbemerkt bleiben.

Deshalb kann es sinnvoll sein, bei solchen Veränderungen auch den Gebrauch von Alkohol, Schlaf- und Beruhigungsmitteln, Schmerzmitteln oder anderen Substanzen kritisch zu betrachten. Eine offene und wertschätzende ärztliche oder psychosoziale Abklärung kann helfen, die Ursachen einzuordnen und mögliche Wechselwirkungen oder eine Abhängigkeit frühzeitig zu erkennen. Eine Abhängigkeitserkrankung ist auch im höheren Alter behandelbar und es ist nie zu spät, Unterstützung zu suchen.

Wenn mehrere Erkrankungen zusammenkommen

Bei Menschen mit einer Substanzgebrauchsstörung können weitere psychische oder körperliche Erkrankungen hinzukommen. Das gleichzeitige Bestehen mehrerer Erkrankungen wird als Komorbidität bezeichnet.

Abhängigkeit und andere psychische Erkrankungen

Substanzgebrauchsstörungen treten häufig gemeinsam mit psychischen Erkrankungen wie Depressionen, Angststörungen, Traumafolgestörungen, bipolaren Erkrankungen, Persönlichkeitsstörungen oder Psychosen auf. Beide Erkrankungen können sich gegenseitig beeinflussen: Psychische Beschwerden können den Substanzgebrauch verstärken, während Substanzen psychische Beschwerden verschlimmern oder neue Symptome auslösen können. Deshalb sollten beide Erkrankungen gemeinsam behandelt werden.

Abhängigkeit und körperliche Erkrankungen

Eine Substanzgebrauchsstörung kann verschiedene körperliche Schäden und Erkrankungen verursachen. Welche Folgen auftreten, hängt unter anderem von der Substanz, der Menge, Dauer und Art des Konsums ab. Betroffen sein können beispielsweise Herz, Leber, Lunge, Nervensystem und Magen-Darm-System. Auch Infektionen, Schlafprobleme, Mangelernährung und eine geringere körperliche Belastbarkeit können auftreten. Deshalb sollte die körperliche Gesundheit bei der Behandlung immer mitberücksichtigt und regelmäßig ärztlich überprüft werden.

Welche Substanzen können abhängig machen?

Zu den wichtigsten Substanzen, die zu einer Abhängigkeit führen können, gehören Alkohol, Nikotin, Cannabis, Opioide, Stimulanzien sowie bestimmte Beruhigungs- und Schlafmittel. Daneben gibt es zahlreiche weitere psychoaktive Substanzen und Medikamente, bei denen ein schädlicher oder abhängiger Gebrauch entstehen kann. Eine Abhängigkeit kann somit sowohl durch illegale als auch durch legal erhältliche Substanzen oder Medikamente entstehen.

Viele psychoaktive Substanzen können das Erleben, Denken, Fühlen oder Verhalten verändern. Einige psychoaktive Substanzen können bei wiederholtem Konsum zu einer Abhängigkeit oder anderen substanzbezogenen Störung beitragen. Wie hoch das Risiko ist, hängt unter anderem von der Substanz, der Dosis, der Häufigkeit und Dauer des Gebrauchs, der Art der Einnahme und der persönlichen Situation ab. Auch die Wirkung einer Substanz ist nicht bei allen Menschen gleich. Körperliche und psychische Voraussetzungen, frühere Erfahrungen mit Substanzen, andere Erkrankungen und die gleichzeitige Einnahme weiterer Substanzen können die Wirkung beeinflussen und welche Risiken entstehen.

Junge Frau sitzt auf dem Boden und hält zwei Tabletten in der Hand.

Bei bestimmten Personengruppen und in besonderen Lebenssituationen ist besondere Vorsicht im Umgang mit psychoaktiven Substanzen geboten. Für einige dieser Gruppen und Situationen wird grundsätzlich von einem Gebrauch psychoaktiver Substanzen abgeraten. Dazu gehören insbesondere Schwangerschaft und Stillzeit, Jugendalter, eine erhöhte Vulnerabilität für psychische Erkrankungen sowie die Teilnahme am Straßenverkehr. Welche Empfehlung im Einzelnen gilt, hängt von der jeweiligen Substanz und der individuellen Situation ab. So können beispielsweise die Risiken und Empfehlungen bei Alkohol, Cannabis oder Opioiden unterschiedlich sein. Im weiteren Verlauf werden die jeweiligen substanzspezifischen Risiken und Empfehlungen näher erläutert.

Substanzgebrauchsstörungen betreffen Menschen aller Geschlechter. Dennoch zeigen epidemiologische Untersuchungen bei vielen Substanzen deutliche Unterschiede zwischen Männern und Frauen. Geschlechtsunterschiede bedeuten dabei nicht, dass eine Abhängigkeit „typisch männlich“ oder „typisch weiblich“ ist. Sie kann unter anderem mit unterschiedlichen Konsummustern, biologischen Faktoren, sozialen Rollen, psychischen Belastungen und unterschiedlichen Zugängen zu Substanzen und Hilfsangeboten zusammenhängen.

Prävalenzzahlen beschreiben, wie häufig eine bestimmte Erkrankung oder ein bestimmtes Konsummuster in einer Bevölkerung vorkommt. Sie können jedoch nichts darüber aussagen, ob eine einzelne Person eine Substanzgebrauchsstörung hat oder nicht. Darüber hinaus sind die Ergebnisse verschiedener Studien nicht immer unmittelbar miteinander vergleichbar. Je nachdem, welche Altersgruppe untersucht wird, welche diagnostischen Kriterien oder Screeningverfahren verwendet werden und ob beispielsweise Gebrauch, riskanter Gebrauch oder eine Abhängigkeit erfasst wird, können die ermittelten Werte unterschiedlich ausfallen.

Alkohol

Alkohol gehört zu den am häufigsten konsumierten psychoaktiven Substanzen in Deutschland. Er wirkt unter anderem auf das zentrale Nervensystem und kann zunächst entspannend, enthemmend oder stimmungsverändernd wirken. Mit zunehmender Trinkmenge werden Aufmerksamkeit, Reaktionsfähigkeit, Koordination und Bewusstsein stärker beeinträchtigt. Regelmäßiger oder hoher Alkoholkonsum kann zu einem gesundheitlich schädlichen Konsummuster führen und bei einem Teil der Betroffenen zur Entwicklung einer alkoholbezogenen Störung bis hin zu einer Abhängigkeit beitragen.

Alkoholkonsum kann erhebliche gesundheitliche Folgen haben. Alkohol ist ein Zellgift und erhöht bereits in kleinen Mengen das Risiko verschiedener Erkrankungen der Leber und des Herz-Kreislauf-Systems sowie neurologische und psychische Erkrankungen. Auch das Risiko für bestimmte Krebserkrankungen steigt. Eine gesundheitlich sichere oder gesundheitsfördernde Trinkmenge lässt sich nicht angeben. Darüber hinaus können sich durch problematischen Alkoholkonsum soziale und berufliche Probleme entwickeln.

Besondere Vorsicht ist in bestimmten Lebenssituationen und bei bestimmten Personengruppen geboten. Kinder und Jugendliche sollten keinen Alkohol konsumieren, da sich das Gehirn und andere körperliche Funktionen noch in der Entwicklung befinden. Während der Schwangerschaft sollte vollständig auf Alkohol verzichtet werden, da Alkohol die Entwicklung des ungeborenen Kindes beeinträchtigen kann; auch in der Stillzeit ist Alkoholkonsum möglichst zu vermeiden. Vor und während der Teilnahme am Straßenverkehr sollte ebenfalls kein Alkohol getrunken werden, da bereits geringe Mengen Aufmerksamkeit, Reaktionsfähigkeit und Koordination beeinträchtigen und dadurch das Unfallrisiko erhöhen können.

Beim Alkoholkonsum zeigen sich einige deutliche Unterschiede zwischen Männern und Frauen. Nach den Ergebnissen der Epidemiologischen Suchtsurvey (ESA) 2024 hatten 68,6 % der 18- bis 64-Jährigen in Deutschland in den vergangenen 30 Tagen Alkohol konsumiert. Das betrifft insgesamt circa 35,3 Millionen Menschen in Deutschland. Dabei lag der Anteil bei Männern mit 73,2 % höher als bei Frauen mit 64,0 %. Auch beim sogenannten „Rauschtrinken“ (engl. Binge Drinking), also dem Konsum einer größeren Menge Alkohol innerhalb kurzer Zeit, zeigte sich ein deutlicher Unterschied: Von den Personen, die Alkohol konsumierten, berichteten 35,5 % der Männer und 16,9 % der Frauen von mindestens einer solchen Episode innerhalb der letzten 30 Tage. Insgesamt betraf dies rund 9,5 Millionen Menschen (27,0 %).

Gleichzeitig zeigen die Daten, dass Frauen nicht grundsätzlich weniger gefährdet sind. Aufgrund körperlicher Unterschiede reagieren sie auf die gleiche Menge Alkohol häufig stärker als Männer und können dabei eine höhere Blutalkoholkonzentration erreichen. Bei regelmäßigem und problematischem Alkoholkonsum können sich zudem bestimmte gesundheitliche Schäden und Anzeichen einer Abhängigkeit schneller entwickeln. Nach den Ergebnissen des Epidemiologischen Suchtsurveys (ESA) 2024 erfüllten 4,2 % der Gesamtbevölkerung (2,2 Millionen Menschen) die DSM-IV Kriterien für eine Alkoholabhängigkeit. Bei 3,3 % (1,7 Millionen Menschen) lag ein Alkoholmissbrauch vor.

Neben körperlichen Unterschieden können auch psychische und soziale Einflüsse eine wichtige Rolle spielen. So können beispielsweise Depressionen oder traumatische Erfahrungen bei Frauen stärker mit schädlichem Alkoholkonsum verbunden sein. Bei Männern kann dagegen unter anderem der Versuch, Stress und innere Anspannung durch Alkohol zu bewältigen, eine Rolle spielen.

Aus diesem Grund ist es besonders wichtig den Zusammenhang zwischen Alkoholkonsum und psychischer Gesundheit zu berücksichtigen. Psychische Erkrankungen können gemeinsam mit einer Alkoholproblematik auftreten und durch Alkoholkonsum ausgelöst oder verstärkt werden. Umgekehrt kann Alkohol als vermeintliche Bewältigungsstrategie für Stress, Ängste, Schlafprobleme oder andere psychische Beschwerden eingesetzt werden. Dadurch kann ein Kreislauf entstehen, in dem sich psychische Belastungen und schädlicher Alkoholkonsum gegenseitig verstärken.

Eine Alkoholabhängigkeit ist keine Willensschwäche. Sie ist eine behandlungsbedürftige Erkrankung. Eine Behandlung kann dabei helfen, den Gebrauch zu verändern, gesundheitliche Folgen zu reduzieren und langfristig die Lebensqualität zu verbessern.

Nikotin und Tabak

Nikotin ist der wichtigste Wirkstoff in Tabakprodukten und kann schnell zu einer Abhängigkeit führen. Bei regelmäßigem Gebrauch passt sich der Körper an das Nikotin an. Beim Ausbleiben der gewohnten Dosis können Entzugssymptome wie Unruhe, Reizbarkeit, Konzentrationsprobleme oder ein starkes Verlangen nach Nikotin auftreten.

Für die gesundheitlichen Schäden des Rauchens sind neben den Wirkungen des Nikotins insbesondere die zahlreichen toxischen und krebserzeugenden Stoffe im Tabakrauch von Bedeutung. Nikotin ist vor allem für die Entwicklung und Aufrechterhaltung der Abhängigkeit verantwortlich, während die meisten schweren gesundheitlichen Schäden des Rauchens durch die im Tabakrauch enthaltenen Schadstoffe entstehen. So erhöht der Gebrauch von Tabak unter anderem das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Atemwegserkrankungen und verschiedene Krebserkrankungen. Eine Nikotinabhängigkeit kann deshalb erhebliche gesundheitliche Folgen haben, auch wenn die unmittelbaren psychoaktiven Wirkungen wenig auffällig erscheinen.

Für Kinder und Jugendliche ist der Gebrauch von Tabak- und Nikotinprodukten besonders problematisch. Nikotin kann schnell zu einer Abhängigkeit führen und kann insbesondere während der Entwicklung des Gehirns nachteilige Auswirkungen haben. Auch während der Schwangerschaft sollte vollständig auf Tabak- und Nikotinprodukte verzichtet werden, da Nikotin und die weiteren Schadstoffe des Tabakrauchs die Entwicklung des ungeborenen Kindes beeinträchtigen können. Dies gilt auch für E-Zigaretten und andere nikotinhaltige Produkte, die keine gesundheitlich unbedenkliche Alternative darstellen. Nach der Geburt sollte zudem eine Belastung von Säuglingen und Kindern durch Tabakrauch möglichst vermieden werden. Im Gegensatz zu Alkohol oder Cannabis steht bei Nikotin nicht die Beeinträchtigung der Fahrtüchtigkeit im Vordergrund. Für die Teilnahme am Straßenverkehr sind vielmehr die gesundheitlichen Folgen des Tabak- und Nikotinkonsums sowie die Entwicklung einer Abhängigkeit relevant.

Auch beim Tabakkonsum zeigen sich Unterschiede zwischen Männern und Frauen. Nach den Ergebnissen des Epidemiologischen Suchtsurveys (ESA) 2024 rauchten in Deutschland 23,7 % der Männer und 19,7 % der Frauen im Alter von 18 bis 64 Jahren innerhalb der letzten 30 Tage (insgesamt 21,8 %, circa 11,2 Millionen Menschen). Auch beim täglichen Rauchen lag der Anteil bei Männern mit 10,0 % etwas höher als bei Frauen mit 8,5 %. Insgesamt betraf dies rund 4,8 Millionen Menschen (9,3 %). Trotz dieser Unterschiede ist Tabakkonsum und Nikotinabhängigkeit kein ausschließlich männliches Problem. Unter den Rauchenden konsumierten zudem 16,4 % der Männer und 12,7 % der Frauen täglich mindestens 20 Zigaretten (insgesamt 14,8 %, circa 1,7 Millionen Menschen).

Für das Jahr 2024 wurde bei 8,3 % der Erwachsenen zwischen 18 und 64 Jahren eine Abhängigkeit von herkömmlichen Tabakprodukten festgestellt. Das entspricht rund 4,3 Millionen Menschen in Deutschland. Auch E-Zigaretten und andere Nikotinprodukte werden von beiden Geschlechtern genutzt. Die Daten zeigen somit, dass Männer zwar häufiger und teilweise intensiver Tabak konsumieren, Frauen jedoch ebenfalls von einer Nikotinabhängigkeit und den damit verbundenen gesundheitlichen Folgen betroffen sein können.

Cannabis

Cannabis enthält verschiedene Cannabinoide. Das bekannteste psychoaktive Cannabinoid ist Δ9-Tetrahydrocannabinol (THC). Cannabis kann unter anderem die Wahrnehmung, Aufmerksamkeit, Gedächtnisleistung, Koordination und Stimmung verändern. Manche Menschen erleben Entspannung oder Euphorie, andere beispielsweise Angst, Unruhe oder paranoide Gedanken.

Auch beim Zusammenhang zwischen Cannabis und psychischer Gesundheit gibt es wichtige Aspekte. Cannabisgebrauch kann insbesondere bei Menschen mit einer entsprechenden Veranlagung mit psychotischen Symptomen und Erkrankungen in Verbindung stehen. Bei Menschen mit einem erhöhten Risiko für eine Psychose oder einer bereits bestehenden psychotischen Erkrankung sollte deshalb besonders aufmerksam auf Cannabiskonsum geachtet werden. Dabei bedeutet der Zusammenhang nicht, dass Cannabis bei jeder Person eine Psychose verursacht. Vielmehr können verschiedene biologische, psychische und soziale Faktoren zusammenwirken.

Für bestimmte Personengruppen und in bestimmten Situationen ist Cannabiskonsum mit besonderen Risiken verbunden. Während der Schwangerschaft und Stillzeit sollte auf Cannabis verzichtet werden, da mögliche Auswirkungen auf die Entwicklung des Kindes nicht ausgeschlossen werden können. Auch bei Jugendlichen ist Cannabisgebrauch mit besonderen Risiken verbunden, da sich Gehirn und psychische Entwicklung noch in einer wichtigen Entwicklungsphase befinden. Zudem kann Cannabis die Wahrnehmung, Aufmerksamkeit und Reaktionsfähigkeit beeinträchtigen. Vor und während der Teilnahme am Straßenverkehr sollte deshalb kein Cannabis konsumiert werden, da die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigt sein kann. Auch nach dem Abklingen der subjektiv wahrgenommenen Wirkung können Beeinträchtigungen fortbestehen.

Das Risiko für schädlichen Cannabiskonsum steigt insbesondere bei häufigem Konsum, einem frühen Beginn des Konsums und bei bestimmten persönlichen oder psychischen Belastungen. Nach den Ergebnissen des Epidemiologischen Suchtsurveys (ESA) 2024 haben 9,8 % der 18- bis 64-Jährigen in Deutschland innerhalb der vergangenen zwölf Monate Cannabis konsumiert. Insgesamt entspricht dies etwa 5,1 Millionen Menschen. Dabei zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern: Bei Männern lag der Anteil mit 12,3 % deutlich höher als bei Frauen mit 7,1 %. Eine Cannabisgebrauchsstörung kann sich unter anderem durch starkes Verlangen, Kontrollverlust, eine zunehmende Bedeutung des Konsums und Schwierigkeiten beim Einschränken oder Beenden zeigen. Nach den ESA-2024-Daten erfüllten etwa 1,0 % der 18- bis 64-Jährigen die DSM-IV-Kriterien für eine Cannabisabhängigkeit; das entspricht hochgerechnet rund 515.000 Menschen und 0,5 % (circa 257.000 Menschen) erfüllten die DSM-IV-Kriterien für einen Cannabismissbrauch.

Opioide

Opioide sind eine Gruppe von Substanzen, zu denen beispielsweise Morphin, Heroin, Fentanyl und verschiedene ärztlich verordnete Schmerzmittel gehören. Sie wirken vor allem über Opioidrezeptoren im Gehirn und im übrigen Nervensystem. Opioide können Schmerzen lindern und je nach Substanz und Dosis auch beruhigend oder euphorisierend wirken. Gleichzeitig können sie die Atmung verlangsamen. Eine besondere Gefahr besteht bei einer Überdosierung: Die Atmung kann so stark beeinträchtigt werden, dass eine lebensbedrohliche oder tödliche Atemdepression entsteht.

Für Kinder und Jugendliche sind Opioide mit besonderen Risiken verbunden. Sie sollten deshalb nur bei einer medizinischen Notwendigkeit und unter ärztlicher Begleitung eingesetzt werden. Auch in der Schwangerschaft ist eine besondere medizinische Betreuung wichtig. Dabei müssen sowohl die Gesundheit der Schwangeren als auch die Entwicklung des ungeborenen Kindes berücksichtigt werden. Auch in der Stillzeit müssen die möglichen Risiken für das Kind und die Vorteile des Stillens gemeinsam mit den behandelnden Ärztinnen und Ärzten abgewogen werden. Für Schwangere und Stillende wird eine individuell angepasste medizinische Betreuung empfohlen. Opioide sollten in der Schwangerschaft nicht eigenständig oder plötzlich abgesetzt werden, sondern nur in Absprache mit einer Ärztin oder einem Arzt.

Auch im Straßenverkehr ist bei der Einnahme von Opioiden Vorsicht geboten. Besonders bei der ersten Einnahme, nach einer Änderung der Dosis oder bei Müdigkeit, Benommenheit, Schwindel oder anderen Beeinträchtigungen sollte nicht am Straßenverkehr teilgenommen werden. Wenn Opioide ärztlich verordnet und die Behandlung stabil eingestellt ist, kann die Fahrtüchtigkeit jedoch von der individuellen Situation abhängen. Opioide führen daher nicht automatisch zu einer generellen Fahruntüchtigkeit.

Bei wiederholter oder längerfristiger Einnahme können sich Toleranz und körperliche Abhängigkeit entwickeln. Wenn das Opioid dann deutlich reduziert oder plötzlich abgesetzt wird, können Entzugssymptome auftreten. Eine körperliche Abhängigkeit ist jedoch nicht automatisch mit einer Opioidgebrauchsstörung gleichzusetzen und kann auch bei einer bestimmungsgemäßen medizinischen Behandlung auftreten.

Nach den Ergebnissen des Epidemiologischen Suchtsurveys (ESA) 2024 berichteten 0,8 % der 18- bis 64-Jährigen, in den vergangenen zwölf Monaten Heroin oder andere Opioide wie beispielsweise Codein, Methadon, Opium oder Morphin konsumiert zu haben. Dies entspricht hochgerechnet etwa 410.000 Menschen. Der Anteil lag bei Frauen mit 0,9 % etwas höher als bei Männern mit 0,6 %. Ärztlich verordnete opioidhaltige Schmerzmittel wurden innerhalb der vergangenen 30 Tage von 3,8 % der Befragten eingenommen. Dies entspricht hochgerechnet etwa 2,0 Millionen Menschen. Dabei zeigte sich kaum ein Unterschied zwischen Frauen (3,6 %) und Männern (4,0 %).

Eine Besonderheit bei Opioiden besteht darin, dass ein schädlicher Gebrauch sowohl bei nicht bestimmungsgemäß verwendeten Opioiden als auch bei ärztlich verordneten Schmerzmitteln entstehen kann. Eine Abhängigkeit ist daher nicht auf den Konsum von Heroin oder anderen illegalen Opioiden beschränkt. Auch bei einer zunächst medizinisch begründeten Behandlung kann sich bei längerfristiger oder nicht bestimmungsgemäßer Einnahme eine Abhängigkeit entwickeln.

Nach den Ergebnissen des Epidemiologischen Suchtsurveys (ESA) 2024 erfüllten 2,8 % der 18- bis 64-Jährigen die DSM-IV-Kriterien für eine Abhängigkeit von Analgetika insgesamt. Das entspricht hochgerechnet etwa 1,4 Millionen Menschen. Dabei ist zu beachten, dass diese Zahl sowohl opioidhaltige als auch nicht opioidhaltige Schmerzmittel umfasst und daher nicht als Zahl der opioidabhängigen Personen interpretiert werden darf.

Stimulanzien wie Kokain und Amphetamine

Stimulanzien sind Substanzen, die das zentrale Nervensystem anregen. Dazu gehören unter anderem Kokain und Crack, Amphetamine, Methamphetamin sowie MDMA, das häufig in als „Ecstasy“ bezeichneten Tabletten enthalten ist. Sie können vorübergehend zu gesteigerter Wachheit, Energie, Aufmerksamkeit oder subjektiv gesteigertes Selbstvertrauen führen. Gleichzeitig können Herzfrequenz und Blutdruck ansteigen. Bei hohen Dosen oder besonders empfindlichen Personen können unter anderem Angst, Unruhe, Übererregung, Schlaflosigkeit oder psychotische Symptome auftreten.

Bei regelmäßigem oder intensivem Gebrauch kann sich eine stimulanzenbezogene Störung entwickeln, bei der sich insbesondere bei häufigem oder hohem Konsum psychische und körperliche Belastungen verstärken. Dazu gehören beispielsweise Schlafprobleme, Angstzustände, depressive Beschwerden, Herz-Kreislauf-Probleme oder psychotische Symptome.

Für bestimmte Personengruppen und in bestimmten Situationen bestehen zusätzliche Risiken. Kinder und Jugendliche sollten Stimulanzien wie Kokain, Amphetamine oder Methamphetamin nicht konsumieren. Auch während der Schwangerschaft sollte auf Stimulanzien verzichtet werden. Bei bestehendem Konsum ist eine frühzeitige medizinische und suchtmedizinische Unterstützung sinnvoll. Stimulanzien können psychotische Symptome wie Wahnvorstellungen oder Halluzinationen auslösen oder verstärken. Bei Menschen mit einer bestehenden psychotischen Erkrankung oder einem erhöhten Risiko dafür ist daher besondere Vorsicht geboten.

Auch im Straßenverkehr können Stimulanzien die Wahrnehmung, Aufmerksamkeit und Reaktionsfähigkeit beeinträchtigen. Nach dem Gebrauch von Kokain, Amphetaminen oder anderen nicht ärztlich verordneten Stimulanzien sollte daher nicht am Straßenverkehr teilgenommen werden. Bei ärztlich verordneten stimulierenden Medikamenten, beispielsweise zur Behandlung von ADHS, ist die Fahrtüchtigkeit individuell zu beurteilen.

Nach den Ergebnissen des Epidemiologischen Suchtsurveys (ESA) 2024 haben 1,1 % der 18- bis 64-Jährigen in Deutschland innerhalb der vergangenen zwölf Monate Kokain oder Crack konsumiert (circa 570.000 Menschen). Bei Männern lag der Anteil mit 1,4 % höher als bei Frauen mit 0,7 %. Amphetamine wurden im gleichen Zeitraum von 0,7 % der Befragten konsumiert (circa 360.000 Menschen), ebenfalls häufiger von Männern (0,9 %) als von Frauen (0,5 %). Insgesamt zeigt sich damit, dass Männer Stimulanzien häufiger konsumieren als Frauen.

Auch hinsichtlich einer Abhängigkeit zeigen die ESA-Daten relevante Zahlen: Jeweils 0,1 % der 18- bis 64-Jährigen erfüllten die DSM-IV-Kriterien für eine Abhängigkeit von Kokain beziehungsweise Amphetaminen. Das entspricht bei beiden Substanzen jeweils etwa 51.000 Menschen in Deutschland. Für MDMA liegen im ESA 2024 keine gesonderten Angaben zur Abhängigkeit vor.

Beruhigungs- und Schlafmittel

Auch bestimmte Medikamente können abhängig machen. Dazu gehören insbesondere einige Schlaf- und Beruhigungsmittel, beispielsweise Benzodiazepine und sogenannte Z-Substanzen wie Zolpidem oder Zopiclon. Diese Medikamente können kurzfristig bei Schlafproblemen, Angst oder innerer Anspannung helfen. Bei längerem oder nicht bestimmungsgemäßem Gebrauch kann sich jedoch eine Abhängigkeit entwickeln. Das gilt auch dann, wenn ein Medikament ursprünglich ärztlich verordnet wurde.

Besondere Vorsicht ist bei bestimmten Personengruppen und in bestimmten Situationen erforderlich. Bei älteren Menschen können Schlaf- und Beruhigungsmittel unter anderem Müdigkeit, Schwindel und eine erhöhte Sturzgefahr verursachen. Auch im Straßenverkehr können sie die Aufmerksamkeit und Reaktionsfähigkeit beeinträchtigen. Bei Einnahme solcher Medikamente sollte daher insbesondere zu Beginn der Behandlung, nach einer Dosisänderung oder bei Müdigkeit und Benommenheit nicht am Straßenverkehr teilgenommen werden. Während der Schwangerschaft sollten Schlaf- und Beruhigungsmittel nur nach ärztlicher Rücksprache eingenommen werden. Eine bereits länger bestehende Einnahme sollte nicht eigenständig oder plötzlich beendet werden, sondern gemeinsam mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt angepasst werden.

Bei einer länger bestehenden Einnahme kann sich der Körper an das Medikament gewöhnen. Ein plötzliches Absetzen kann deshalb zu Entzugssymptomen führen und je nach Medikament, Dosis und Dauer der Einnahme medizinisch schädlich sein. Eine Reduktion oder Beendigung der Einnahme sollte insbesondere nach längerem Gebrauch bestimmter Schlaf- und Beruhigungsmittel ärztlich begleitet werden. Besonders riskant kann die Kombination mit anderen dämpfenden Substanzen sein, etwa Alkohol oder Opioiden.

Nach den Ergebnissen des Epidemiologischen Suchtsurveys (ESA) 2024 hatten 6,3 % der 18- bis 64-Jährigen in Deutschland in den vergangenen 30 Tagen Hypnotika oder Sedativa eingenommen. Das entspricht hochgerechnet etwa 3,2 Millionen Menschen. Der Anteil war bei Frauen und Männern mit jeweils 6,3 % gleich hoch und zeigte damit in dieser Erhebung keinen Geschlechtsunterschied. 1,5 % der 18- bis 64-Jährigen erfüllten die DSM-IV-Kriterien für eine Abhängigkeit von Hypnotika und Sedativa. Das entspricht hochgerechnet etwa 770.000 Menschen. Damit gehören Schlaf- und Beruhigungsmittel zu den Medikamenten, bei denen ein relevantes Abhängigkeitspotenzial besteht.

Andere psychoaktive Substanzen

Neben den bereits genannten Substanzen gibt es weitere psychoaktive Stoffe, darunter neue psychoaktive Stoffe (NPS), halluzinogene Substanzen und bestimmte Medikamente. Ihre Wirkungen und Risiken unterscheiden sich je nach Substanz. Bei NPS ist häufig unklar, welcher Wirkstoff tatsächlich enthalten ist und in welcher Konzentration. Dadurch sind Wirkung und gesundheitliche Risiken schwer vorhersehbar. Möglich sind unter anderem Vergiftungen, Angst- und Panikzustände, Krampfanfälle und andere schwere gesundheitliche Reaktionen. Einige NPS können zudem abhängig machen.

Für bestimmte Personengruppen und in bestimmten Situationen können besondere Risiken bestehen. Kinder und Jugendliche sollten NPS sowie andere nicht ärztlich verordnete psychoaktive Substanzen nicht konsumieren. Auch während der Schwangerschaft sollte auf den Gebrauch solcher Substanzen verzichtet werden. Bei Menschen mit einer psychischen Erkrankung oder einem erhöhten Risiko für psychotische Erkrankungen ist besondere Vorsicht geboten, da insbesondere halluzinogene und andere psychoaktive Substanzen psychische Beschwerden verstärken oder psychotische Symptome auslösen können. Nach dem Gebrauch psychoaktiver Substanzen sollte zudem nicht am Straßenverkehr teilgenommen werden, da Wahrnehmung, Reaktionsfähigkeit und Urteilsvermögen beeinträchtigt sein können.

Nach den Ergebnissen des Epidemiologischen Suchtsurveys (ESA) 2024 konsumierten 0,8 % der 18- bis 64-Jährigen in Deutschland innerhalb der vergangenen zwölf Monate NPS. Das entspricht hochgerechnet etwa 410.000 Menschen. Männer konsumierten NPS mit 1,0 % häufiger als Frauen mit 0,6 %. Auch halluzinogene Substanzen wurden im ESA erfasst: 0,7 % der Befragten konsumierten im vergangenen Jahr LSD und 0,5 % halluzinogene Pilze. Das entspricht hochgerechnet etwa 360.000 Menschen bei LSD und 260.000 Menschen bei halluzinogenen Pilzen.

Wie riskant der Gebrauch ist, hängt unter anderem von der Substanz, der Dosis, der Art der Einnahme und der Kombination mit anderen Substanzen ab. Für NPS liegen derzeit jedoch keine deutschlandweit repräsentativen Daten dazu vor, wie viele Menschen davon abhängig sind. Auch bestimmte Medikamente können bei missbräuchlichem Gebrauch zu gesundheitlichen Problemen oder Abhängigkeit führen.

Bei Fragen oder Sorgen zum eigenen Gebrauch oder zum Gebrauch einer angehörigen Person kann eine Suchtberatungsstelle vertraulich und ohne Vorwürfe unterstützen.

Mischkonsum: wenn mehrere Substanzen zusammenkommen

Viele Menschen konsumieren nicht nur eine einzige Substanz. Werden mehrere psychoaktive Substanzen gleichzeitig oder in engem zeitlichem Zusammenhang eingenommen, spricht man von Mischkonsum. Mischkonsum kann die Risiken erheblich verändern. Die Wirkungen verschiedener Substanzen können sich verstärken oder auf unvorhersehbare Weise verändern. Besonders problematisch können Kombinationen sein, bei denen mehrere Substanzen das zentrale Nervensystem dämpfen. Dazu gehören beispielsweise Opioide, Alkohol und bestimmte Beruhigungs- oder Schlafmittel. Das Risiko einer starken Bewusstseinsstörung und einer gefährlichen Atemdepression kann dadurch steigen. Auch die Kombination stimulierender Substanzen mit anderen psychoaktiven Stoffen kann zusätzliche Risiken mit sich bringen.

Überdosierungen erkennen und verhindern

Eine Überdosierung kann entstehen, wenn eine Substanz in einer für den Körper zu hohen Menge oder in einer gefährlichen Kombination konsumiert wird. Das Risiko kann unter anderem durch Mischkonsum oder eine verringerte Toleranz nach längerer Konsumpause steigen.

Warnzeichen einer schweren Überdosierung können sein:

  • starke Schläfrigkeit oder Bewusstlosigkeit
  • sehr langsame oder aussetzende Atmung
  • keine Reaktion auf Ansprache oder Berührung
  • bei Opioiden auffällig kleine Pupillen
  • bläuliche Lippen oder Haut

Was ist im Notfall wichtig?

  • Notruf 112 wählen.
  • Bewusstsein und Atmung prüfen.
    • Bei vorhandener Atmung, aber Bewusstlosigkeit: stabile Seitenlage.
    • Bei fehlender oder nicht normaler Atmung: Wiederbelebung entsprechend den eigenen Kenntnissen beginnen.
  • Bei der Person bleiben und Anweisungen der Leitstelle befolgen.
  • Bei vermuteter Opioidüberdosierung: Naloxon anwenden, falls vorhanden und geschult; trotzdem immer 112 rufen.

Merkmale einer Substanzgebrauchsstörung

Eine Substanzgebrauchsstörung kann sich auf sehr unterschiedliche Weise zeigen. Bei manchen Menschen steht zunächst ein immer stärker werdendes Verlangen nach der Substanz im Vordergrund. Andere bemerken zuerst, dass sie ihren Gebrauch nicht mehr wie geplant reduzieren können oder dass die Substanz zunehmend andere Bereiche ihres Lebens bestimmt. Nicht jeder regelmäßige oder riskante Konsum bedeutet eine Abhängigkeit. Entscheidend ist, ob der Gebrauch zu anhaltenden Problemen führt, die Kontrolle über den Gebrauch eingeschränkt ist und sich weitere Merkmale einer substanzbezogenen Störung entwickeln.

Auch ein einmaliger Konsum kann den Körper und die Psyche belasten und zum Beispiel Übelkeit, Kreislaufprobleme, Atemprobleme, Bewusstlosigkeit oder starke Angst und Panik auslösen. Wenn es einem Menschen nach dem Konsum körperlich oder psychisch deutlich schlechter geht, sollte das ernst genommen und Unterstützung geholt werden. Bei starken Beschwerden oder Bewusstlosigkeit ist sofort medizinische Hilfe notwendig.

Craving: starkes Verlangen nach der Substanz

Craving bezeichnet ein starkes, manchmal kaum kontrollierbares Verlangen nach einer Substanz oder nach deren Wirkung. Betroffene können das Gefühl haben, unbedingt konsumieren zu müssen, obwohl sie eigentlich weniger konsumieren oder ganz aufhören möchten. Craving kann durch unterschiedliche Situationen ausgelöst werden. Dazu können bestimmte Orte, Personen oder Tageszeiten gehören, aber auch Gefühle wie Stress, Langeweile, Angst oder Niedergeschlagenheit. Auch der Anblick oder Geruch einer Substanz kann das Verlangen auslösen.

Das Verlangen kann unterschiedlich stark sein und sich im Verlauf verändern. Manche Menschen erleben es nur gelegentlich, andere sehr häufig oder besonders intensiv. Craving ist ein wichtiges Merkmal substanzbezogener Störungen. Es bedeutet jedoch nicht, dass eine Person dem Verlangen zwangsläufig nachgeben muss.

In einer psychotherapeutischen Behandlung können Strategien erlernt werden, mit Craving und seinen Auslösern umzugehen. Hilfreich kann beispielsweise sein, eine Risikosituation zu verlassen, eine vertraute Person anzurufen oder eine zuvor eingeübte alternative Handlung einzusetzen.

Kontrollverlust

Ein weiteres wichtiges Anzeichen kann sein, dass der Gebrauch nicht mehr so kontrolliert werden kann wie geplant. Betroffene nehmen sich beispielsweise vor, weniger zu konsumieren, nur an bestimmten Tagen zu konsumieren oder ganz aufzuhören. Trotzdem gelingt es ihnen wiederholt nicht, diese Vorsätze umzusetzen.

Kontrollverlust kann sich auf unterschiedliche Weise zeigen:

  • Es wird mehr oder länger konsumiert als ursprünglich beabsichtigt.
  • Versuche, den Gebrauch zu reduzieren oder zu beenden, scheitern wiederholt.
  • Es fällt schwer, eine einmal begonnene Konsumepisode zu beenden.
  • Viel Zeit wird damit verbracht, die Substanz zu beschaffen, zu konsumieren oder sich von den Folgen des Gebrauchs zu erholen.

Kontrollverlust bedeutet nicht, dass Betroffene überhaupt keine Kontrolle über ihr Verhalten haben. Die Fähigkeit zur Kontrolle kann je nach Situation, Substanz und Ausmaß der Erkrankung unterschiedlich sein.

Gebrauch wird wichtiger als andere Lebensbereiche

Bei einer zunehmenden Abhängigkeit kann der Gebrauch immer mehr Raum im Leben einnehmen. Andere Interessen und Aktivitäten verlieren an Bedeutung. Betroffene verbringen beispielsweise zunehmend Zeit mit der Beschaffung oder dem Gebrauch der Substanz. Hobbys, Freundschaften, Arbeit, Ausbildung oder familiäre Verpflichtungen können dadurch vernachlässigt werden. Manchmal wird der Gebrauch auch dann fortgesetzt, wenn bereits deutliche Probleme entstanden sind. Beispielsweise kann jemand weiter konsumieren, obwohl sich Konflikte in der Familie, Schwierigkeiten am Arbeitsplatz oder gesundheitliche Probleme entwickelt haben. Eine solche zunehmende Priorisierung des Konsums ist ein wichtiges Merkmal einer Abhängigkeit.

Toleranzentwicklung

Bei wiederholtem Gebrauch kann sich der Körper an eine Substanz anpassen. Dadurch kann sich die Wirkung einer gleichbleibenden Dosis verändern. Es kann beispielsweise eine größere Menge erforderlich sein, um eine Wirkung zu erzielen, die zuvor mit einer geringeren Menge erreicht wurde. Dieser Vorgang wird als Toleranzentwicklung bezeichnet. Toleranz kann bei verschiedenen Substanzen und in unterschiedlichem Ausmaß auftreten. Sie ist ein körperlicher Anpassungsprozess und kein Zeichen mangelnder Willenskraft. Eine Toleranzentwicklung allein bedeutet allerdings nicht automatisch, dass eine Abhängigkeit vorliegt. Auch bei bestimmten Medikamenten kann sich beispielsweise eine körperliche Gewöhnung entwickeln, ohne dass alle Merkmale einer Abhängigkeit erfüllt sind. Umgekehrt muss bei einer Substanzgebrauchsstörung nicht immer eine ausgeprägte Toleranzentwicklung vorhanden sein.

Veränderungen im Alltag und im sozialen Umfeld

Eine Substanzgebrauchsstörung kann sich auch durch Veränderungen im Alltag bemerkbar machen. Diese Veränderungen sind manchmal für Betroffene selbst zunächst schwer zu erkennen. Angehörige oder andere nahestehende Menschen bemerken sie möglicherweise früher.

Mögliche Anzeichen sind beispielsweise:

  • Wiederkehrende Probleme bei der Arbeit, in der Ausbildung oder im Studium
  • Finanzielle Schwierigkeiten
  • Konflikte mit Partnerinnen und Partnern, Familie oder Freundinnen und Freunden
  • Rückzug von sozialen Aktivitäten
  • Vernachlässigung von Verpflichtungen oder persönlichen Interessen
  • Häufige Abwesenheiten oder unerklärliche Veränderungen im Tagesablauf
  • Zunehmende Konzentration des Alltags auf den Gebrauch
  • Gebrauch in Situationen, in denen dadurch besondere Gefahren entstehen

Solche Veränderungen können auf eine Substanzgebrauchsstörung hinweisen, müssen aber nicht durch eine Abhängigkeit verursacht sein. Auch andere psychische oder soziale Belastungen können ähnliche Veränderungen auslösen. Deshalb sollte eine Beurteilung immer die gesamte Lebenssituation berücksichtigen.

Nicht jedes einzelne Anzeichen bedeutet automatisch eine Abhängigkeit. Entscheidend ist das Gesamtbild. Eine Substanzgebrauchsstörung kann sich unterschiedlich entwickeln. Manche Menschen erfüllen nur einige Merkmale, andere mehrere. Auch die Stärke der Beschwerden kann sich im Laufe der Zeit verändern. Bei einem Verdacht kann eine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung helfen, den Gebrauch und mögliche Folgen einzuordnen. Dabei geht es nicht darum, jemanden zu verurteilen, sondern gemeinsam herauszufinden, ob eine behandlungsbedürftige Erkrankung vorliegt und welche Unterstützung sinnvoll sein kann.

Wenn die Substanzeinnahme zunehmend schwer kontrollierbar wird, zu gesundheitlichen oder sozialen Problemen führt oder andere Lebensbereiche verdrängt, kann professionelle Unterstützung sinnvoll sein.

Wie entstehen Substanzgebrauchsstörungen?

Eine Substanzgebrauchsstörung entsteht meist durch das Zusammenspiel verschiedener Faktoren. Dazu gehören körperliche Voraussetzungen, persönliche Erfahrungen, der Umgang mit Gedanken und Gefühlen, das soziale Umfeld sowie die Eigenschaften der jeweiligen Substanz und die Art des Konsums. Diese Faktoren können sich im Laufe des Lebens verändern und gegenseitig beeinflussen. Dabei können belastende Lebenssituationen oder psychische Beschwerden den Konsum verstärken. Gleichzeitig kann zunehmender Konsum wiederum gesundheitliche, psychische oder soziale Probleme verursachen und dadurch neue Belastungen schaffen.

Warum manche Menschen eine Substanzgebrauchsstörung entwickeln und andere nicht, lässt sich deshalb nicht eindeutig vorhersagen. Auch ein einzelner Risikofaktor bedeutet nicht, dass zwangsläufig eine Abhängigkeit entsteht. Umgekehrt kann eine Substanzgebrauchsstörung auch bei Menschen auftreten, bei denen zuvor keine besonderen Risiken erkennbar waren.

Eine Substanzgebrauchsstörung ist keine persönliche Schwäche. Sie entsteht durch ein komplexes Zusammenspiel von Faktoren, die Menschen teilweise nicht selbst beeinflussen können. Schutzfaktoren wie stabile Beziehungen, sichere Lebensbedingungen und frühzeitige Unterstützung können dagegen helfen, Risiken zu verringern und Veränderungen zu erleichtern.

Biologische Faktoren: Gene, Gehirn und Wirkung von Substanzen

Menschen reagieren unterschiedlich auf psychoaktive Substanzen. Dabei spielen unter anderem vererbte Eigenschaften, die Entwicklung von Körper und Gehirn sowie die Eigenschaften der jeweiligen Substanz eine Rolle.

Genetische Einflüsse

Genetische Faktoren können das Risiko für eine Substanzgebrauchsstörung erhöhen oder verringern. Dabei handelt es sich nicht um ein einzelnes „Suchtgen“, sondern um das Zusammenspiel vieler genetischer Varianten. Sie können beispielsweise beeinflussen, wie der Körper eine Substanz verarbeitet oder wie stark sie wirkt. Gene bestimmen jedoch nicht allein, ob eine Abhängigkeit entsteht.

Gehirn, Belohnung und Motivation

Psychoaktive Substanzen wirken auf das Gehirn und beeinflussen unter anderem Belohnung, Motivation, Lernen und Entscheidungen. Eine wichtige Rolle spielt dabei Dopamin, ein Stoff im Gehirn, der unter anderem an Belohnung und Motivation beteiligt ist. Angenehme oder erleichternde Wirkungen können dazu führen, dass bestimmte Situationen mit dem Konsum verbunden werden. Später können solche Situationen, zum Beispiel ein bestimmter Ort, eine Person oder ein Gefühl, starkes Verlangen auslösen. Bei wiederholtem Gebrauch können sich Motivation und Verhalten verändern. Andere Aktivitäten können an Bedeutung verlieren, während der Konsum stärker in den Vordergrund rückt. Das bedeutet jedoch nicht, dass das Gehirn dauerhaft „kaputt“ ist. Gehirn und Verhalten bleiben veränderbar. Diese Anpassungsfähigkeit ist eine wichtige Grundlage dafür, dass Behandlung und langfristige Veränderung möglich sind.

Eigenschaften und Wirkung der Substanz

Auch die Eigenschaften einer Substanz beeinflussen, wie riskant ihr Gebrauch sein kann. Wie schnell und wie stark eine Substanz wirkt, hängt unter anderem von ihrer Zusammensetzung und davon ab, wie sie in den Körper gelangt. Bei wiederholtem Gebrauch kann sich der Körper an die Substanz gewöhnen. Dadurch kann die gleiche Menge weniger stark wirken (Toleranz), und wenn die Substanz plötzlich nicht mehr oder deutlich weniger konsumiert wird, können Entzugssymptome auftreten.

Psychologische Faktoren: Gedanken, Gefühle und Verhalten

Auch der persönliche Umgang mit Gedanken, Gefühlen und schwierigen Situationen kann eine Rolle spielen. Manche Menschen erleben eine Substanz als hilfreich, um sich zu entspannen, Ängste zu verringern oder belastende Gedanken vorübergehend auszublenden. Wenn dies wiederholt funktioniert, kann sich die Erwartung entwickeln, auch in ähnlichen Situationen nur mit der Substanz gut zurechtzukommen. Aus solchen Erfahrungen können feste Gewohnheiten entstehen. Nach einem stressigen Tag, bei innerer Unruhe oder nach einem Streit kann der Wunsch nach Konsum dann besonders stark werden. Andere Möglichkeiten, mit solchen Situationen umzugehen, können dadurch in den Hintergrund treten.

Verknüpfungen zwischen bestimmten Situationen, Gefühlen und dem Konsum können sich mit der Zeit entwickeln. Solche Verhaltensweisen sind keine persönlichen Schwächen und können mit geeigneter Unterstützung wieder verändert werden. Gleichzeitig können neue Wege erlernt werden, mit Stress, Ängsten oder belastenden Gedanken umzugehen.

Belastende Lebensereignisse und Stress

Auch die Lebenssituation kann beeinflussen, wie sich der Konsum entwickelt. Belastungen wie traumatische Erfahrungen, Gewalt, Verlust, anhaltende Konflikte, soziale Unsicherheit oder dauerhafter Stress können das Risiko für schädlichen Konsum erhöhen. Dabei kann ein Kreislauf entstehen: Belastungen führen zu Konsum, der kurzfristig Erleichterung bringt. Gleichzeitig können durch den Konsum neue Probleme entstehen, zum Beispiel gesundheitliche Beschwerden, Konflikte, finanzielle Schwierigkeiten oder Probleme bei Arbeit und Wohnen. Diese zusätzlichen Belastungen können wiederum den Konsum verstärken, wodurch ein Kreislauf entstehen kann.

Dieser Zusammenhang erklärt auch, warum es bei einer Substanzgebrauchsstörung häufig nicht ausreicht, nur den Gebrauch zu betrachten. Eine erfolgreiche Behandlung kann auch Unterstützung beim Umgang mit Belastungen und bei der Bewältigung schwieriger Lebenssituationen erfordern.

Soziale, gesellschaftliche und entwicklungsbezogene Faktoren

Das Umfeld, in dem Menschen leben, und ihre Erfahrungen im Laufe des Lebens können beeinflussen, wie sich der Konsum psychoaktiver Substanzen entwickelt. Dabei wirken verschiedene Faktoren zusammen:

  • Verfügbarkeit von Substanzen
  • Konsum im Freundeskreis oder in der Familie
  • Erwartungen und Gewohnheiten im sozialen Umfeld
  • Armut und finanzielle Unsicherheit
  • Arbeitslosigkeit oder ein unsicherer Arbeitsplatz
  • Wohnungslosigkeit oder unsichere Wohnverhältnisse
  • Einsamkeit und fehlende soziale Kontakte
  • Gewalt und Diskriminierung
  • Schwierigkeiten, medizinische oder psychosoziale Hilfe zu bekommen

Auch Erfahrungen in Kindheit und Jugend können die spätere Entwicklung des Konsumverhaltens beeinflussen. Das Gehirn und verschiedene Fähigkeiten zur Selbststeuerung entwickeln sich in dieser Zeit noch weiter. Ein früher und regelmäßiger Konsum kann deshalb mit besonderen Risiken verbunden sein. Gleichzeitig bedeutet eine schwierige Kindheit oder ein früher Konsumbeginn nicht, dass später zwangsläufig eine Substanzgebrauchsstörung entsteht. Viele Menschen entwickeln trotz belastender Erfahrungen keine Abhängigkeit. Umgekehrt können Probleme mit dem Substanzgebrauch auch erstmals im Erwachsenenalter entstehen.

Auch die Reaktionen anderer Menschen können eine Rolle spielen. Vorurteile und Stigmatisierung, also die Abwertung oder Ausgrenzung von Menschen aufgrund ihrer Erkrankung, können dazu führen, dass Betroffene ihren Konsum verheimlichen oder erst spät Hilfe suchen. Unterstützung durch Familie, Freunde oder andere wichtige Bezugspersonen kann dagegen helfen, Veränderungen anzugehen. Sichere Wohnverhältnisse, finanzielle Stabilität, soziale Kontakte und ein guter Zugang zu Behandlung können es ebenfalls leichter machen, den Konsum zu verändern und mit Belastungen umzugehen.

Eine Substanzgebrauchsstörung ist deshalb nicht nur eine Frage des persönlichen Verhaltens. Lebensbedingungen, soziale Beziehungen und Erfahrungen im Laufe des Lebens können beeinflussen, wie sich der Konsum entwickelt und wie gut Veränderungen möglich sind. Kein einzelner Faktor erklärt dabei allein, ob eine Substanzgebrauchsstörung entsteht.

Schutzfaktoren

Nicht nur Risiken, sondern auch Schutzfaktoren beeinflussen die Entwicklung einer Substanzgebrauchsstörung.

Dazu können gehören:

  • stabile und unterstützende Beziehungen
  • ein verlässliches soziales Umfeld
  • sichere Wohn- und Lebensbedingungen
  • gute Möglichkeiten zur Stressbewältigung
  • positive Erfahrungen in Schule, Ausbildung und Beruf
  • Zugang zu Bildung und medizinischer Versorgung
  • psychische und körperliche Gesundheit
  • sinnstiftende Aktivitäten und soziale Teilhabe
  • frühzeitige Unterstützung bei psychischen oder sozialen Problemen

Schutzfaktoren können Belastungen abpuffern und dabei helfen, schwierige Situationen ohne schädlichen Substanzgebrauch zu bewältigen. Sie sind jedoch keine Garantie dafür, dass keine Substanzgebrauchsstörung entsteht. Auch Menschen mit einem stabilen sozialen Umfeld können abhängig werden.

Wie werden Substanzgebrauchsstörungen festgestellt?

Eine Substanzgebrauchsstörung lässt sich nicht durch eine einzelne Untersuchung feststellen. Fachleute orientieren sich an festgelegten Kriterien, zum Beispiel der ICD (Internationale Klassifikation der Krankheiten). Dabei werden auch körperliche und psychische Erkrankungen berücksichtigt, die gleichzeitig bestehen können. Wichtig ist nicht nur, welche Probleme durch den Konsum entstanden sind. Auch die persönliche Lebenssituation, eigene Ziele, vorhandene Stärken und die Unterstützung im Umfeld spielen eine Rolle. Die Diagnostik soll deshalb nicht nur klären, ob eine Erkrankung vorliegt, sondern auch dabei helfen, die passende Behandlung und Unterstützung zu finden.

Das persönliche Gespräch steht im Mittelpunkt

Am Anfang steht meist ein vertrauensvolles und möglichst wertfreies Gespräch mit einer Ärztin, einem Arzt oder einer Fachkraft aus der Suchtberatung, in dem gemeinsam betrachtet wird, welche Substanzen konsumiert werden, wie häufig und in welcher Menge der Konsum stattfindet, seit wann er besteht und wie er sich entwickelt hat; auch starkes Verlangen, frühere Versuche, den Konsum zu verändern, Entzugssymptome sowie mögliche körperliche, psychische, berufliche oder soziale Folgen können dabei angesprochen werden.

Ein kurzer Fragebogen, ein sogenanntes Screening, kann dabei helfen, riskanten oder schädlichen Konsum früh zu erkennen. Er ersetzt jedoch keine umfassende Diagnostik. Ein auffälliges Ergebnis bedeutet nicht automatisch, dass eine Substanzgebrauchsstörung vorliegt. Umgekehrt kann ein unauffälliges Ergebnis eine Erkrankung nicht sicher ausschließen.

Auch andere Erkrankungen und eingenommene Medikamente werden berücksichtigt. Deshalb wird auch nach Beschwerden wie Depressionen, Ängsten, Schlafproblemen, Traumafolgen, ADHS oder psychotischen Symptomen gefragt. Dabei wird auch geschaut, wann die Beschwerden begonnen haben und ob sie mit dem Konsum zusammenhängen. Substanzen können psychische Beschwerden verstärken oder auslösen. Die Beschwerden können aber auch unabhängig vom Konsum entstanden sein. Manchmal kommen mehrere Ursachen zusammen. Dann kann es sinnvoll sein, die Beschwerden zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal genauer zu untersuchen.

Angehörige oder andere nahestehende Personen können wichtige Beobachtungen beitragen, wenn die betroffene Person damit einverstanden ist. Dabei geht es nicht darum, jemanden zu beurteilen oder zu verurteilen. Gerade bei illegalen Substanzen kann die Angst vor Stigmatisierung oder rechtlichen Folgen es schwer machen, offen über den Konsum zu sprechen. Eine respektvolle Gesprächsführung kann helfen, auch schwierige Themen anzusprechen.

Körperliche und Laboruntersuchungen

Je nach Situation können zusätzlich körperliche Untersuchungen sowie Blut- oder Urinuntersuchungen sinnvoll sein. Sie können Hinweise auf gesundheitliche Folgen des Konsums, eine akute Wirkung einer Substanz oder einen Entzug geben. Ein Laborbefund allein kann jedoch keine Substanzgebrauchsstörung feststellen oder ausschließen. Deshalb werden die Ergebnisse immer zusammen mit dem Gespräch und den anderen Informationen betrachtet.

Intoxikation und Entzug

Bei der Diagnostik wird auch darauf geachtet, ob aktuell eine starke Wirkung einer Substanz (Intoxikation) oder ein Entzug vorliegt. Mögliche Beschwerden sind zum Beispiel Benommenheit, Verwirrtheit, starke Unruhe, Angst, Zittern, Schwitzen, Schlafstörungen, Übelkeit oder starkes Verlangen nach der Substanz. Je nach Substanz kann ein Entzug schwerwiegend oder sogar gefährlich werden. Besonders beim Absetzen von Alkohol oder bestimmten Beruhigungs- und Schlafmitteln kann eine ärztliche Begleitung notwendig sein. Bei starken oder ungewöhnlichen Beschwerden nach dem Reduzieren oder Absetzen sollte deshalb ärztliche Hilfe gesucht werden. Ein Entzug muss nicht allein bewältigt werden.

Wie werden Substanzgebrauchsstörungen behandelt?

Substanzgebrauchsstörungen sind behandelbar. Welche Behandlung sinnvoll ist, hängt unter anderem von der konsumierten Substanz, dem Ausmaß der Erkrankung, der körperlichen und psychischen Gesundheit und der persönlichen Lebenssituation ab. Es gibt deshalb nicht die eine Behandlung, die für alle Menschen gleichermaßen geeignet ist.

Was zeichnet eine gute Behandlung aus?

Individuell: Eine gute Behandlung richtet sich nach der persönlichen Situation, den gesundheitlichen Bedürfnissen und den eigenen Zielen der Betroffenen. Was heute hilfreich ist, kann später anders aussehen.

Gemeinsam und ganzheitlich: In Rücksprache mit den Betroffenen wird geschaut, welche Behandlungsziele wichtig sind und welche Unterstützung dafür gebraucht wird. Dabei werden nicht nur der Substanzgebrauch, sondern auch körperliche, psychische und soziale Probleme berücksichtigt. Ein mögliches Ziel kann die vollständige Beendigung des Konsums, also Abstinenz, sein. Für manche Menschen kann zunächst auch eine deutliche Verringerung des Konsums oder eine Verringerung gesundheitlicher Risiken sinnvoll sein.

Schrittweise: Veränderungen brauchen häufig Zeit und verlaufen nicht immer geradlinig. Ein Rückfall bedeutet nicht, dass eine Behandlung gescheitert ist oder die betroffene Person versagt hat. Er kann ein Hinweis darauf sein, dass bestimmte Auslöser oder Belastungen noch stärker berücksichtigt werden müssen. Gemeinsam kann dann geschaut werden, was zum erneuten Konsum geführt hat und welche Unterstützung jetzt hilfreich ist. Deshalb sollten Ziele und Behandlung im Laufe der Zeit angepasst werden.

Ohne Stigmatisierung: Rückschritte und Rückfälle können Teil des Krankheitsverlaufs sein und sind kein persönliches Versagen. Eine gute Behandlung begegnet Betroffenen respektvoll und ohne Vorurteile oder Abwertung.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Welche Behandlung sinnvoll ist, hängt von der persönlichen Situation ab. Neben dem Substanzgebrauch können zum Beispiel Schlafprobleme, Ängste, Depressionen oder körperliche Erkrankungen eine Rolle spielen. Auch Konflikte in der Familie, Probleme bei der Arbeit, finanzielle Schwierigkeiten, Arbeitslosigkeit oder eine unsichere Wohnsituation können den Konsum beeinflussen oder eine Veränderung erschweren. Eine gute Behandlung berücksichtigt deshalb die gesamte Lebenssituation und nicht nur den Substanzgebrauch. Je nach Situation können mehrere Hilfen miteinander verbunden werden.

Zur Behandlung können verschiedene Angebote gehören:

  • Medizinische Versorgung
    • Behandlung körperlicher Folgen: Körperliche Beschwerden und gesundheitliche Folgen des Substanzkonsums werden medizinisch untersucht und behandelt.
    • Medikamentöse Behandlung: Medikamente können zur Behandlung von Entzugssymptomen oder anderen Beschwerden eingesetzt werden.
    • Entzugsbehandlung: Beim Absetzen einer Substanz kann eine medizinisch begleitete Entzugsbehandlung notwendig sein, insbesondere wenn stärkere Entzugssymptome auftreten können.
  • Psychotherapie: Begleitung beim Verstehen des eigenen Konsums und beim Finden neuer Wege im Umgang mit schwierigen Situationen.
  • Sozialberatung: Beratung bei Problemen mit Familie, Arbeit, Wohnen, Geld oder Behörden.
  • Rehabilitation und Selbsthilfe: Unterstützung bei der Alltagsbewältigung, Stabilisierung und Rückfallvorbeugung.

Auch Angehörige können Unterstützung bekommen

Eine Substanzgebrauchsstörung betrifft häufig auch Partnerinnen und Partner, Eltern, Kinder, Geschwister und andere nahestehende Menschen. Angehörige können unterstützen, sind aber nicht für die Erkrankung oder deren Veränderung verantwortlich. Familien- und Angehörigenarbeit kann helfen, die Erkrankung besser zu verstehen, miteinander ins Gespräch zu kommen, Konflikte zu bearbeiten und gemeinsam hilfreiche Grenzen zu entwickeln.

Eine Beratung für Angehörige ist auch dann möglich, wenn die betroffene Person selbst noch keine Hilfe annehmen möchte. Angehörige können dabei lernen, wie sie unterstützen können, ohne den Konsum unbeabsichtigt zu fördern. Gleichzeitig können sie lernen, ihre eigenen Grenzen zu schützen und auf die eigene Gesundheit zu achten.

Bei Menschen mit Psychose und gleichzeitig bestehender Abhängigkeit können Angehörige und das soziale Umfeld ebenfalls in die Behandlung einbezogen werden, sofern die betroffene Person dies möchte und die entsprechenden Rahmenbedingungen eingehalten werden.

Psychotherapie und psychosoziale Unterstützung

Eine Substanzgebrauchsstörung betrifft meist mehr als den Konsum. Auch Stress, Gefühle, Gewohnheiten, Beziehungen oder Probleme im Alltag können eine Rolle spielen. Deshalb kann es hilfreich sein, nicht nur den Konsum zu verändern, sondern auch die Situationen und Probleme dahinter anzugehen. Eine häufig eingesetzte Behandlung ist die kognitive Verhaltenstherapie. Dabei wird gemeinsam betrachtet, wann und warum konsumiert wird und was in diesen Situationen helfen kann. Auch Depressionen, Ängste oder andere psychische Erkrankungen können behandelt werden.

Menschen in einer Sitzgruppe hören einem Mann aufmerksam zu

Psychotherapie kann dabei unterstützen,

  • Auslöser, Cravings und Gewohnheiten rund um den Konsum zu erkennen und Bewältigungsstrategien entwickeln.
  • mit Stress, Ängsten, schwierigen Gefühlen und starkem Verlangen besser umzugehen.
  • neue Möglichkeiten für den Umgang mit belastenden Situationen zu entwickeln.
  • persönliche Ziele zu klären und Veränderungen im Alltag umzusetzen.
  • Rückfällen vorzubeugen und nach einem Rückfall schnell wieder Unterstützung zu finden.

Niedrigschwellige Hilfen

Nicht alle Menschen mit einer Substanzgebrauchsstörung erreichen von sich aus eine Arztpraxis oder eine Behandlung. Gründe können zum Beispiel Wohnungslosigkeit, psychische Belastungen, soziale Isolation, negative Erfahrungen mit dem Hilfesystem oder Angst vor Stigmatisierung sein. Niedrigschwellige Angebote sollen solche Hürden verringern. Unterstützung ist möglichst einfach und ohne große Zugangsvoraussetzungen erreichbar.

Dazu gehören zum Beispiel:

  • Sucht- und Drogenberatung: Beratung bei Substanzkonsum und Abhängigkeit sowie Maßnahmen zur Verringerung gesundheitlicher Risiken, z. B. Naloxon-Schulungen und die Ausgabe von Spritzen und Gebrauchsmaterialien
  • Kontakt- und Aufenthaltsangebote: Orte zum Aufenthalt und Austausch
  • Streetwork und aufsuchende Sozialarbeit: Unterstützung direkt vor Ort
  • Mobile medizinische Versorgung in speziellen Fahrzeugen: Medizinische Hilfe vor Ort
  • Psychosoziale Unterstützung: Hilfe bei psychischen und sozialen Belastungen

Menschen können Unterstützung erhalten, auch wenn sie noch nicht bereit oder in der Lage sind, eine umfassende Behandlung zu beginnen. Für manche Menschen ist ein niedrigschwelliges Angebot der erste Kontakt zu professioneller Hilfe. Daraus kann sich später eine weiterführende Behandlung entwickeln. Das Ziel ist nicht, Menschen erst dann zu helfen, wenn sie alle Voraussetzungen für eine reguläre Behandlung erfüllen. Vielmehr soll die Unterstützung dort ansetzen, wo die Person sich gerade befindet. Niedrigschwellige Angebote können deshalb eine Brücke in die weitere medizinische und psychotherapeutische Versorgung sein.

Wenn mehr Unterstützung notwendig ist

Nicht jede Substanzgebrauchsstörung kann allein durch Gespräche oder einzelne Versorgungstermine ausreichend behandelt werden. Manchmal sind die Beschwerden besonders schwer, die Lebenssituation ist stark belastet oder eine intensive Unterstützung im Alltag ist notwendig. Dann können andere Behandlungsformen sinnvoll sein.

Dazu gehören beispielsweise ambulante, tagesklinische und stationäre Behandlung, sowie medizinische Rehabilitation. Dabei gilt: Eine intensivere Behandlung bedeutet nicht automatisch eine „schwerere“ Erkrankung. Entscheidend ist vielmehr, welche Unterstützung eine Person in ihrer aktuellen Situation benötigt.

Die Behandlung sollte möglichst nahtlos ineinandergreifen. Nach einem stationären Aufenthalt kann beispielsweise eine ambulante Weiterbehandlung folgen. Auch Suchtberatung, Psychotherapie, medizinische Rehabilitation, Selbsthilfe und soziale Unterstützung können miteinander verbunden werden.

Ambulante Versorgung

Bei einer ambulanten Behandlung leben Betroffene weiterhin zu Hause und nehmen regelmäßig Termine bei den behandelnden Fachkräften wahr. Die ambulante Behandlung kann unterschiedliche Bausteine miteinander verbinden.

Je nach Situation können daran beispielsweise beteiligt sein:

  • Hausärztinnen und Hausärzte: kümmern sich um die allgemeine körperliche Gesundheit und behandeln körperliche Beschwerden.
  • Fachärztinnen und Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie: beurteilen und behandeln psychische Erkrankungen und können Medikamente verordnen.
  • Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten: unterstützen dabei, den Konsum zu verändern und mit belastenden Gedanken, Gefühlen oder Situationen umzugehen.
  • Suchtberatungsstellen: beraten zu Konsum, Behandlungsmöglichkeiten und weiteren Angeboten und helfen bei den nächsten Schritten.
  • Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter: unterstützen zum Beispiel bei Problemen mit Wohnen, Arbeit, Geld oder Behörden.

Ein Vorteil der ambulanten Behandlung ist, dass Veränderungen direkt im Alltag erprobt werden können. Betroffene bleiben in ihrer gewohnten Umgebung und können gleichzeitig weiterarbeiten, eine Ausbildung absolvieren oder familiäre Aufgaben übernehmen, sofern dies möglich ist.

Eine ambulante Behandlung kann insbesondere dann geeignet sein, wenn:

  • die körperliche und psychische Situation ausreichend stabil ist,
  • keine intensive Überwachung notwendig ist,
  • die Person regelmäßig Termine wahrnehmen kann,
  • und im Alltag ausreichend Unterstützung und Sicherheit vorhanden sind.

Ambulante Behandlung kann außerdem nach einer intensiveren Behandlung weitergeführt werden.

Tagesklinik

Eine tagesklinische oder teilstationäre Behandlung liegt zwischen einer ambulanten und einer vollstationären Behandlung. Betroffene verbringen einen großen Teil des Tages in der Behandlungseinrichtung und kehren anschließend nach Hause zurück. Eine Tagesklinik kann sinnvoll sein, wenn eine ambulante Behandlung nicht ausreicht, eine vollständige stationäre Aufnahme aber nicht notwendig oder nicht gewünscht ist.

Das Angebot kann beispielsweise umfassen:

  • Ärztliche Behandlung: bei körperlichen Beschwerden oder Entzugssymptomen
  • Psychotherapie: Umgang mit Stress, Ängsten oder starkem Verlangen sowie Behandlung weiterer psychischer Erkrankungen, wie Depressionen, Ängste oder Psychosen
  • Gruppenangebote: Gesprächs- oder Therapiegruppen
  • Psychosoziale Unterstützung: bei Problemen mit Wohnen, Arbeit oder Geld
  • Ergotherapie: zur Förderung von Alltag und Selbstständigkeit
  • Unterstützung bei der Tagesstruktur: Planung von Alltag, Terminen und Freizeit

Ein besonderer Vorteil kann darin liegen, dass Behandlung und Alltag miteinander verbunden werden. Die Betroffenen können neue Strategien tagsüber erproben und anschließend in ihrer häuslichen Umgebung anwenden. Ob eine tagesklinische Behandlung geeignet ist, hängt unter anderem von der Stabilität der Person und den Bedingungen zu Hause ab.

Stationäre Behandlung

Bei einer stationären Behandlung leben Betroffene für einen begrenzten Zeitraum in einer Klinik oder spezialisierten Behandlungseinrichtung. Eine stationäre Behandlung kann notwendig sein, wenn die Erkrankung besonders schwer ausgeprägt ist oder eine ambulante oder tagesklinische Behandlung nicht ausreichend Sicherheit und Unterstützung bietet.

Mögliche Gründe sind beispielsweise:

  • ein medizinisch riskanter Entzug,
  • schwere körperliche oder psychische Beschwerden,
  • eine akute Krise,
  • eine ausgeprägte Psychose,
  • erhebliche Suizidgefahr,
  • wiederholte Rückfälle trotz ambulanter Behandlung,
  • oder eine sehr belastende soziale Situation.

Im stationären Rahmen kann die Behandlung intensiver und engmaschiger erfolgen. Gleichzeitig können Betroffene vorübergehend Abstand von belastenden Konsumsituationen gewinnen.

Eine stationäre Behandlung sollte jedoch nicht als „letzte Chance“ verstanden werden. Sie ist eine von mehreren Möglichkeiten und sollte entsprechend dem individuellen Bedarf eingesetzt werden.

Medizinische Rehabilitation

Die medizinische Rehabilitation kann dabei helfen, langfristig mit der Suchterkrankung umzugehen und wieder besser am Alltag, am sozialen Leben und an der Arbeit teilzunehmen. Sie kann sich zum Beispiel an einen Entzug, eine stationäre Behandlung oder eine andere vorbereitende Behandlung anschließen. Die Rehabilitation kann ambulant oder stationär stattfinden. Welche Form geeignet ist, hängt von der persönlichen Situation und dem Unterstützungsbedarf ab.

Sie kann unter anderem umfassen:

  • Psychotherapie und Suchttherapie
  • medizinische Behandlung
  • Rückfallvorbeugung
  • Bewegung und Gesundheitsförderung
  • soziale und berufliche Unterstützung
  • Vorbereitung auf die Zeit nach der Rehabilitation

Schon während der Rehabilitation wird geplant, wie es danach weitergeht. Ziel ist, dass die erreichten Fortschritte auch nach der Behandlung im Alltag bestehen bleiben.

Nicht das Behandlungsangebot sollte bestimmen, was ein Mensch bekommt. Entscheidend ist, welche Unterstützung die Person in ihrer aktuellen Situation braucht. Die verschiedenen Angebote können sich ergänzen und im Verlauf wechseln. Eine ambulante Behandlung kann beispielsweise durch eine stationäre Behandlung ergänzt werden; anschließend können Rehabilitation, ambulante Weiterbehandlung, Selbsthilfe und psychosoziale Unterstützung folgen. Eine solche Vernetzung über die verschiedenen Behandlungsphasen hinweg soll dazu beitragen, Behandlungserfolge langfristig zu sichern.

Entzug und Entgiftung

Bei regelmäßigem Gebrauch einer psychoaktiven Substanz gewöhnt sich der Körper an deren Wirkung. Wird die Substanz plötzlich abgesetzt oder deutlich weniger konsumiert, muss sich der Körper an die Veränderung anpassen. Dabei können körperliche und psychische Beschwerden auftreten. Diese Reaktion wird als Entzug bezeichnet und kann mit unterschiedlichen Entzugssymptomen einhergehen.

Ein Entzug kann ambulant oder stationär behandelt werden. Beim ambulanten Entzug bleibt die betroffene Person zu Hause und wird regelmäßig ärztlich oder in einer Behandlungseinrichtung betreut. Bei schweren Entzugssymptomen oder anderen gesundheitlichen Risiken kann eine Behandlung im Krankenhaus notwendig sein. Dort kann der Gesundheitszustand rund um die Uhr überwacht und bei Bedarf schnell behandelt werden.

Eine Entzugsbehandlung dient vor allem dazu, die akute körperliche Situation zu stabilisieren und Entzugssymptome zu lindern. Sie behandelt nicht die gesamte Substanzgebrauchsstörung. Im Anschluss kann weitere Unterstützung sinnvoll sein, um den Konsum langfristig zu verändern, Rückfällen vorzubeugen und gesundheitliche oder soziale Probleme zu bearbeiten. Ein medizinisch begleiteter Entzug ist keine Frage von „Stärke“ oder „Schwäche“. Er kann notwendig sein, um gesundheitliche Risiken zu vermeiden.

Wichtig: Ein Entzug kann bei bestimmten Substanzen schwerwiegend oder lebensbedrohlich sein. Besonders beim Alkoholentzug und beim Entzug von bestimmten Beruhigungs- und Schlafmitteln kann ein plötzliches Absetzen zu schweren Komplikationen führen. Deshalb sollte bei längerem oder regelmäßigem Gebrauch niemals eigenständig entschieden werden, eine Substanz abrupt abzusetzen. Eine ärztliche Einschätzung kann klären, ob ein Entzug medizinisch begleitet werden sollte und welche Form der Behandlung geeignet ist.

Welche Entzugserscheinungen können auftreten?

Entzugssymptome können ein Zeichen für eine körperliche Abhängigkeit sein. Sie sind aber nicht bei allen Menschen gleich und treten nicht bei jeder Abhängigkeit auf. Wie ein Entzug verläuft, hängt unter anderem von der Substanz, der Dauer und Menge des Gebrauchs sowie von der individuellen körperlichen und psychischen Situation ab. Manche Entzugssymptome sind vorübergehend und vergleichsweise mild.

Medikamentöse Unterstützung bei Substanzgebrauchsstörungen

Bei bestimmten Substanzgebrauchsstörungen können Medikamente ein wichtiger Bestandteil der Behandlung sein. Sie können je nach Situation Entzugssymptome lindern, schwere Komplikationen verhindern, das Verlangen (Craving) nach einer Substanz reduzieren oder eine längerfristige Stabilisierung unterstützen. Für einige Substanzgebrauchsstörungen stehen gut untersuchte und etablierte Medikamente zur Verfügung. Für andere gibt es bislang keine zugelassene medikamentöse Behandlung, die die Abhängigkeit gezielt behandelt.

Medikamente sind in der Regel ein Baustein der Gesamtbehandlung. Dabei ist zwischen Medikamenten zur Behandlung eines akuten Entzugssyndroms, Medikamenten zur Behandlung akuter Komplikationen und Medikamenten zur längerfristigen Behandlung der Substanzgebrauchsstörung zu unterscheiden. Die Auswahl richtet sich nach der Substanz, der Schwere der Erkrankung, möglichen Begleiterkrankungen, weiteren eingenommenen Medikamenten und der individuellen Behandlungssituation.

Alkohol

Beim Alkoholentzug können insbesondere bei mittelschweren und schweren Entzugssyndromen Benzodiazepine eingesetzt werden. Sie lindern Entzugssymptome und verringern das Risiko von Entzugskrampfanfällen und einem Entzugsdelir. Bei einem schweren Entzug oder einem erhöhten Risiko für Komplikationen kann eine stationäre oder engmaschig überwachte Behandlung erforderlich sein. Je nach Situation können weitere medizinische Maßnahmen erforderlich sein, beispielsweise die Behandlung von Flüssigkeits- und Elektrolytstörungen oder die Gabe von Vitaminen.

Nach dem Entzug können bei einer Alkoholabhängigkeit Medikamente eingesetzt werden, um die Abstinenz zu unterstützen oder Rückfällen vorzubeugen. Dazu gehören insbesondere Acamprosat und Naltrexon. Nalmefen kann in bestimmten Situationen eingesetzt werden, wenn eine Reduktion des Alkoholkonsums angestrebt wird. Nicht jedes dieser Medikamente ist für jede Person geeignet. Vor der Behandlung müssen beispielsweise andere Erkrankungen, die Leber- und Nierenfunktion, gleichzeitig eingenommene Medikamente und mögliche Wechselwirkungen berücksichtigt werden. (Gemeinsamer Bundesausschuss)

Nikotin

Bei einer Nikotinabhängigkeit können Medikamente die Entwöhnung unterstützen. Eine wichtige Möglichkeit ist die Nikotinersatztherapie. Dabei wird Nikotin kontrolliert und ohne die schädlichen Verbrennungsprodukte des Tabakrauchens zugeführt.

Nikotin ist vor allem für die Entwicklung und Aufrechterhaltung der Abhängigkeit verantwortlich. Die meisten gesundheitlichen Schäden des Rauchens entstehen dagegen durch die zahlreichen giftigen und krebserzeugenden Stoffe, die beim Verbrennen von Tabak freigesetzt werden.

Nikotinersatzpräparate gibt es beispielsweise als Pflaster, Kaugummi, Lutschtablette oder Spray. Sie können Entzugssymptome und das Verlangen nach Nikotin reduzieren. Bei stärkerer Abhängigkeit kann je nach Situation die Kombination eines langwirksamen Präparats, beispielsweise eines Pflasters, mit einem kurzwirksamen Präparat sinnvoll sein.

Vareniclin ist dagegen kein Nikotinersatzpräparat, sondern ein eigenständiges Medikament zur Tabakentwöhnung. Es bindet an bestimmte Nikotinrezeptoren im Gehirn und kann dadurch das Verlangen nach Nikotin und Entzugssymptome reduzieren. Auch Bupropion kann in bestimmten Situationen zur Tabakentwöhnung eingesetzt werden. Dabei müssen mögliche Gegenanzeigen und Wechselwirkungen berücksichtigt werden.

Eine medikamentöse Unterstützung ist besonders wirksam als Teil eines umfassenden Entwöhnungsangebots, das auch Beratung und verhaltenstherapeutische Unterstützung umfasst. Für die Versorgung gesetzlich Versicherter gilt aktuell: Arzneimittel mit Nicotin oder Vareniclin können bei schwerer Tabakabhängigkeit unter bestimmten Voraussetzungen im Rahmen eines evidenzbasierten Tabakentwöhnungsprogramms verordnet werden. (Gemeinsamer Bundesausschuss)

Cannabis

Für die Cannabisgebrauchsstörung gibt es derzeit kein zugelassenes Medikament, das die Abhängigkeit gezielt behandelt oder Rückfälle zuverlässig verhindert.

Beim Cannabisentzug stehen deshalb psychosoziale und psychotherapeutische Unterstützung sowie bei Bedarf die Behandlung einzelner Beschwerden im Vordergrund. Das bedeutet jedoch nicht, dass Medikamente bei diesen Erkrankungen grundsätzlich keine Rolle spielen.

Sie können beispielsweise eingesetzt werden, um:

  • Entzugssymptome zu behandeln,
  • Schlafprobleme oder andere Beschwerden zu behandeln,
  • psychische Begleiterkrankungen zu behandeln,
  • oder akute Komplikationen zu behandeln.

Dabei muss immer geprüft werden, ob das Medikament für die jeweilige Situation geeignet ist.

Opioide

Bei einer Opioidgebrauchsstörung können Methadon, Levomethadon, Buprenorphin, retardiertes Morphin und andere geeignete Opioide im Rahmen einer längerfristigen Opioidagonistenbehandlung eingesetzt werden. Sie können Entzugssymptome und Craving verringern, den Konsum illegal beschaffter Opioide reduzieren und gesundheitliche Risiken senken. Die Behandlung wird individuell angepasst und ist häufig langfristig angelegt.

Nach einer längeren Pause oder einem Entzug kann die Gewöhnung des Körpers an Opioide (Toleranzentwicklung) abnehmen. Wird anschließend wieder die zuvor gewohnte Menge eingenommen, kann dies zu einer Überdosierung führen. Das Risiko einer Überdosierung ist deshalb insbesondere nach einem Entzug oder einer Unterbrechung der Behandlung erhöht.

Naloxon ist ein Notfallmedikament bei einer Opioidüberdosierung. Es kann die Wirkung von Opioiden vorübergehend blockieren und eine lebensbedrohliche Atemdepression aufheben. Dadurch kann Zeit gewonnen werden, bis professionelle Hilfe eintrifft. Naloxon behandelt die Abhängigkeit nicht. Nach der Anwendung von Naloxon muss immer medizinische Hilfe angefordert werden, da die Wirkung von Naloxon kürzer anhalten kann als die Wirkung des Opioids.

Betroffene und ihre Angehörigen sollten wissen, wie eine Überdosierung erkannt wird und was im Notfall zu tun ist. Dazu gehören Drogennotfalltrainings und die Verfügbarkeit von Naloxon. In Deutschland ist Naloxon unter anderem als Nasenspray erhältlich.

Kokain und andere Stimulanzien

Für Kokain und andere Stimulanzien wie Amphetamine oder Methamphetamin gibt es derzeit keine vergleichbar zugelassene oder etablierte medikamentöse Behandlung der Abhängigkeit. Medikamente können dennoch eingesetzt werden, wenn einzelne Entzugssymptome, psychische oder körperliche Begleiterkrankungen oder akute Komplikationen behandelt werden müssen. Im Vordergrund stehen jedoch psychotherapeutische und psychosoziale Maßnahmen.

Andere Substanzen

Auch bei anderen Substanzgebrauchsstörungen hängt der Einsatz von Medikamenten von der jeweiligen Substanz und der individuellen Situation ab. Für manche Substanzen gibt es keine spezifische medikamentöse Behandlung.

Medikamente können aber beispielsweise zur Behandlung von Entzugssymptomen, gesundheitlichen Folgen oder Begleiterkrankungen eingesetzt werden.

Wichtig: Medikamente sind häufig ein Baustein der Gesamtbehandlung und werden je nach Erkrankung mit psychotherapeutischer oder psychosozialer Unterstützung kombiniert. Sie sollten nur nach ärztlicher Einschätzung eingesetzt werden. Medikamente zur Entzugsbehandlung sollten insbesondere nicht eigenständig begonnen, abgesetzt oder in der Dosis verändert werden. Bei Alkohol und bestimmten anderen Substanzen kann ein unbegleiteter Entzug gesundheitlich gefährlich sein.

Medikamente können eine wichtige Säule der bei der Behandlung einer Substanzgebrauchsstörung sein, aber nicht jede Abhängigkeitserkrankung lässt sich medikamentös behandeln. Welche Medikamente sinnvoll sind, hängt von der Substanz, der Schwere der Erkrankung, weiteren Erkrankungen und den persönlichen Behandlungszielen ab. Medikamente ersetzen außerdem keine Psychotherapie oder psychosoziale Unterstützung. Häufig ist die Kombination verschiedener Behandlungsbausteine besonders sinnvoll.

Nebenwirkungen und Wechselwirkungen

Auch Medikamente zur Behandlung einer Substanzgebrauchsstörung können Nebenwirkungen haben. Häufig sind zum Beispiel Müdigkeit, Übelkeit, Schwindel oder Kopfschmerzen. Welche Nebenwirkungen auftreten, hängt vom jeweiligen Medikament ab. Besonders wichtig sind Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten, Alkohol oder weiteren psychoaktiven Substanzen. Die Kombination kann Wirkungen verstärken und insbesondere bei dämpfenden Substanzen das Risiko für starke Sedierung, Atemdepression und Überdosierung erhöhen.

Vor einer Behandlung sollte deshalb bekannt sein, welche Medikamente und Substanzen zusätzlich eingenommen oder konsumiert werden. Auch körperliche Erkrankungen sowie die Funktion von Leber und Nieren können für die Auswahl und Dosierung eines Medikaments wichtig sein.

Wichtig: Medikamente sollten immer entsprechend der ärztlichen Verordnung angewendet und nicht ohne Rücksprache eigenständig abgesetzt oder in der Dosis verändert werden. Bei Fragen zu Nebenwirkungen oder möglichen Wechselwirkungen können Ärztinnen und Ärzte oder Apotheken beraten.

Nach dem Entzug: Warum weitere Behandlung wichtig sein kann

Ein Entzug kann den Körper stabilisieren, beendet die Substanzgebrauchsstörung aber nicht automatisch. Auch nach dem Entzug kann der Wunsch nach der Substanz stark sein. Alte Gewohnheiten, bestimmte Situationen oder Gefühle können erneut zum Konsum führen. Gleichzeitig können Probleme wie psychische Beschwerden, Konflikte, Einsamkeit oder Schwierigkeiten mit Arbeit, Wohnen und Geld weiterbestehen.

Eine weiterführende Behandlung kann dabei helfen, mit diesen Belastungen umzugehen und langfristig Veränderungen im Alltag zu festigen. Ohne weitere Unterstützung kann das Risiko eines erneuten Gebrauchs hoch sein. Eine weiterführende Behandlung kann dabei helfen, die Ursachen und Folgen der Substanzgebrauchsstörung zu bearbeiten. Dazu gehören beispielsweise Psychotherapie, psychosoziale Unterstützung, Medikamente, Rehabilitation, Selbsthilfe und Maßnahmen zur Rückfallvorbeugung.

Leben mit einer Substanzgebrauchsstörung

Eine Suchterkrankung kann das ganze Leben verändern. Manche Menschen schaffen es lange, ihren Konsum vor anderen zu verbergen. Andere verlieren ihre Wohnung, ihre Arbeit oder den Kontakt zu Familie und Freunden. Manche sind körperlich oder psychisch schwer belastet. Andere funktionieren nach außen weiter, obwohl es ihnen innerlich sehr schlecht geht. Häufig dreht sich irgendwann vieles um die Substanz: Wo bekomme ich sie her? Wie bezahle ich sie? Wann kann ich wieder konsumieren? Wie komme ich durch den Tag, ohne Entzug oder starkes Verlangen zu spüren? Für andere Dinge bleibt immer weniger Kraft. Auch Beziehungen können darunter leiden. Vertrauen kann verloren gehen, Streit kann zunehmen und Angehörige wissen oft nicht mehr, wie sie helfen können. Manche Menschen ziehen sich immer weiter zurück und fühlen sich mit ihrer Situation allein.

Alltag, Arbeit und Wohnen

Eine Suchterkrankung kann den Alltag stark verändern. Termine werden nicht mehr eingehalten, Arbeit oder Ausbildung geraten in Gefahr, Schulden entstehen oder soziale Kontakte brechen ab. Manche Menschen verlieren ihre Wohnung oder schaffen es zeitweise nicht mehr, ihren Alltag allein zu bewältigen. Solche Probleme können sich gegenseitig verstärken: Substanzgebrauchsstörungen können mit sozialen und finanziellen Problemen verbunden sein. Solche Belastungen können wiederum Stress erhöhen und die Stabilisierung des Konsums erschweren.

Das bedeutet aber nicht, dass alles verloren ist. Unterstützung kann helfen, Schritt für Schritt wieder mehr Stabilität zu bekommen. Manchmal beginnt das mit einer sicheren Unterkunft, der Klärung von Schulden oder Behördenangelegenheiten und einem geregelten Tagesablauf. Später können Arbeit, Ausbildung oder andere Aufgaben wieder dazukommen. Eine Behandlung kann deshalb mehr umfassen als die Veränderung des Substanzkonsums. Je nach Situation kann Unterstützung nötig sein, um wieder selbstständiger am Alltag und am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.

Soziale Rehabilitation

Kann helfen, wieder mehr Sicherheit und Selbstständigkeit im Alltag zu gewinnen. Mögliche Unterstützung erfolgt beispielsweise bei:

  • der Sicherung oder Suche einer Wohnung,
  • finanziellen Problemen,
  • Behördenangelegenheiten,
  • dem Aufbau sozialer Kontakte,
  • dem Aufbau einer Tagesstruktur,
  • oder auf dem Weg zurück in ein selbstständigeres Leben.

Berufliche Rehabilitation

Kann helfen, Arbeit oder Ausbildung zu erhalten oder wieder aufzunehmen. Mögliche Unterstützung ist beispielsweise:

  • berufliche Beratung,
  • Unterstützung bei der Arbeitsplatzsuche,
  • stufenweise Wiedereingliederung,
  • Job-Coaching,
  • berufliche Qualifizierung,
  • oder andere Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben.

Genesung bedeutet nicht nur, weniger oder keine Substanzen mehr zu konsumieren. Sie kann auch bedeuten, wieder eine Wohnung zu haben, finanziell stabiler zu werden, arbeiten zu können, Beziehungen aufzubauen und wieder mehr selbst über das eigene Leben zu bestimmen. Medizinische und psychotherapeutische Hilfe steht auch Menschen in schwierigen Lebenssituationen wie etwa bei Wohnungslosigkeit oder Arbeitslosigkeit zu.

Familie und Angehörige

Eine Suchterkrankung kann Angehörige über lange Zeit stark belasten. Sie machen sich Sorgen, haben Angst vor einer Krise oder Überdosierung und fragen sich vielleicht, ob sie etwas falsch gemacht haben. Dazu kommen häufig Hilflosigkeit, Streit, finanzielle Probleme oder Schlafmangel. Manche übernehmen immer mehr Verantwortung und versuchen, die Folgen des Konsums aufzufangen: Sie leihen Geld, bezahlen Schulden, erklären Fehlzeiten, übernehmen Termine oder versuchen, den Substanzkonsum vor anderen zu verbergen.

Wichtig: Angehörige können unterstützen, aber sie können die Suchterkrankung nicht allein beenden. Angehörige können Unterstützung anbieten und Hilfe erleichtern, aber die betroffene Person muss selbst über den weiteren Umgang mit dem Konsum und die Annahme von Hilfe entscheiden.

Wie Angehörige unterstützen können

Angehörige fragen sich häufig: „Was kann ich tun, ohne den Substanzkonsum zu unterstützen?“ Hilfreich ist, im Gespräch zu bleiben, die betroffene Person ernst zu nehmen und die eigenen Sorgen offen anzusprechen. Informationen über die Erkrankung und Behandlungsmöglichkeiten können dabei helfen, die Situation besser zu verstehen. 

Angehörige können außerdem gemeinsam mit der betroffenen Person nach professioneller Hilfe suchen, zu Behandlungsterminen ermutigen oder in Krisen Unterstützung organisieren. 

Vater und Sohn umarmen sich

Angehörige dürfen Grenzen setzen

Deshalb dürfen Angehörige eigene Grenzen setzen. Eine Grenze ist keine Strafe. Sie beschreibt, was man selbst tun oder nicht tun kann. Zum Beispiel: „Ich gebe dir kein Geld für Substanzen. Wenn du Hilfe bei der Suche nach einer Behandlung möchtest, unterstütze ich dich dabei.“ Oder: „Wenn du unter dem Einfluss von Substanzen aggressiv wirst, verlasse ich die Situation und hole Hilfe.“ Grenzen können auch das gemeinsame Wohnen, den Konsum in der Wohnung, den Umgang mit Geld oder die Betreuung von Kindern betreffen.

Wichtig: Bei Gewalt, Bedrohungen oder akuter Selbst- oder Fremdgefährdung geht Sicherheit vor.

Niemand muss Gewalt aushalten. Besonders Kinder müssen geschützt werden.

Auch Angehörige dürfen sich Hilfe holen. Angehörigenberatung und Selbsthilfe können dabei helfen, die eigene Situation besser zu verstehen, Grenzen zu finden und mit der Belastung umzugehen.

Selbsthilfeangebote und gegenseitige Unterstützung

Neben professioneller Behandlung können Selbsthilfeangebote eine wichtige Unterstützung sein. In Selbsthilfegruppen treffen sich Menschen mit ähnlichen Erfahrungen, tauschen sich aus und unterstützen sich gegenseitig im Umgang mit der Erkrankung. Betroffene können dort mit Menschen sprechen, die bestimmte Erfahrungen aus eigener Perspektive kennen. Dieser Austausch kann helfen, sich mit der Erkrankung weniger allein zu fühlen und neue Perspektiven für die eigene Situation zu entwickeln. Auch für Angehörige gibt es Selbsthilfeangebote.

Selbsthilfe ersetzt eine notwendige medizinische oder psychotherapeutische Behandlung nicht, kann sie aber sinnvoll ergänzen.

Rückfälle verstehen und vorbeugen

Viele Menschen erleben nach einer Zeit ohne Konsum oder mit weniger Konsum einen Rückfall. Das kann besonders enttäuschend sein: „Jetzt habe ich wieder alles kaputt gemacht.“ Ein Rückfall bedeutet aber nicht, dass die gesamte bisherige Veränderung wertlos ist. Vielleicht gab es einen Streit, eine Krise, Einsamkeit, starken Stress oder eine Situation, in der das Verlangen plötzlich zu groß wurde. Ein Rückfall kann ein Zeichen dafür sein, dass etwas noch nicht ausreichend aufgefangen wird.

Dann kann es helfen, möglichst früh wieder Kontakt zu einer Beratungsstelle, Ärztin oder einem Arzt oder einer anderen vertrauten Person aufzunehmen und gemeinsam zu schauen: Was ist passiert? Was brauche ich jetzt? Was kann beim nächsten Mal helfen?

Nach einer längeren Zeit ohne Konsum kann eine zuvor gewohnte Menge außerdem gefährlich sein, weil sich der Körper nicht mehr daran gewöhnt ist. Besonders bei Opioiden besteht dann ein erhöhtes Risiko für eine Überdosierung.

Kann eine Substanzgebrauchsstörung wieder verschwinden?

Eine Substanzgebrauchsstörung kann sich im Laufe des Lebens stark verändern. Menschen können abstinent werden, ihren Konsum reduzieren, Rückfälle überwinden und langfristig stabil leben. Bei manchen bleibt jedoch eine erhöhte Anfälligkeit für Rückfälle bestehen. Deshalb kann eine Suchterkrankung auch über längere Zeit Unterstützung oder Behandlung erfordern. Das bedeutet aber nicht, dass Betroffene ihr Leben lang krank oder in Behandlung sein müssen. Manche brauchen nur zeitweise Hilfe, andere über viele Jahre bestimmte Formen der Unterstützung. Chronisch bedeutet nicht hoffnungslos. Auch bei einer langfristig bestehenden Suchterkrankung sind Stabilität, Selbstbestimmung und ein gutes Leben möglich.

Genesung kann unterschiedlich aussehen

Genesung bedeutet nicht für jeden Menschen dasselbe. Für manche ist Abstinenz das Ziel. Für andere ist es zunächst wichtig, weniger zu konsumieren, gesundheitliche Risiken zu verringern oder wieder mehr Kontrolle über den eigenen Alltag zu gewinnen.

Der erste Schritt kann ganz unterschiedlich aussehen: wieder regelmäßig essen und schlafen, eine Wohnung finden, Schulden klären, Kontakt zu den Kindern aufnehmen, eine Behandlung beginnen oder nach längerer Zeit wieder arbeiten.

Genesung bedeutet deshalb nicht nur: „Ich konsumiere nicht mehr.“ Sie kann auch bedeuten: „Ich kann mein Leben wieder selbst gestalten.“ Dazu gehören neben dem Umgang mit dem Substanzkonsum auch körperliche und psychische Gesundheit, stabile Beziehungen, eine sichere Wohnsituation, Arbeit oder Ausbildung und ein Umgang mit Belastungen, der langfristig trägt.

Auch kleine Veränderungen können wichtige Schritte sein. Manche Menschen brauchen über längere Zeit Unterstützung, andere nur in bestimmten Phasen. Rückschläge können vorkommen und bedeuten nicht, dass Genesung gescheitert ist. Entscheidend ist, dass das Leben wieder mehr Raum bekommt als die Sucht.

Leben mit einer langfristig bestehenden Substanzgebrauchsstörung

Bei manchen Menschen verläuft eine Substanzgebrauchsstörung über längere Zeit in unterschiedlichen Phasen. Auf stabile Zeiten können wieder stärkere Belastungen oder Rückfälle folgen. Danach kann erneut Stabilität erreicht werden. Das kann zum Beispiel so aussehen:

Stabile Phase → Belastung → stärkeres Verlangen → Rückfall → erneute Unterstützung → Stabilisierung

Eine länger bestehende Erkrankung kann bedeuten, dass Unterstützung über längere Zeit oder immer wieder in bestimmten Lebensphasen hilfreich ist. Dazu können ärztliche Behandlung, Psychotherapie, Opioidagonistenbehandlung, Selbsthilfe oder psychosoziale Unterstützung gehören.

Langfristige Stabilität kann mehrere Bereiche umfassen:

  • weniger oder kein Gebrauch,
  • körperliche Gesundheit,
  • psychische Stabilität,
  • gute soziale Beziehungen,
  • eine sichere Wohnsituation,
  • Arbeit oder Ausbildung,
  • finanzielle Stabilität,
  • und die Fähigkeit, mit Belastungen umzugehen.

Langfristige Behandlung ist kein Zeichen von persönlichem Versagen. Wie bei anderen chronischen Erkrankungen kann es sinnvoll sein, Unterstützung an die aktuelle Lebenssituation anzupassen und regelmäßig zu überprüfen. Eine langfristig bestehende Suchterkrankung bedeutet nicht, dass ein selbstbestimmtes und erfülltes Leben nicht möglich ist. Eine erfolgreiche Behandlung sollte deshalb nicht ausschließlich daran gemessen werden, ob jemand abstinent ist. Auch Lebensqualität, Gesundheit und soziale Teilhabe sind wichtige Ziele.

Forschung heute: Was wir wissen, was wir noch nicht wissen

Substanzgebrauchsstörungen entstehen durch das Zusammenspiel verschiedener biologischer, psychischer, sozialer und substanzbezogener Faktoren. Forschung untersucht diese Zusammenhänge mit unterschiedlichen Methoden, darunter genetische und epidemiologische Studien, Längsschnittstudien, klinische Studien, neuropsychologische Untersuchungen und Bildgebende Verfahren.

Wie verändert Substanzkonsum das Gehirn?

Was wir wissen:

Wiederholter Substanzkonsum kann Gehirnnetzwerke beeinflussen, die unter anderem Belohnung, Motivation, Lernen, Gedächtnis und Verhaltenskontrolle steuern. Forschende untersuchen solche Veränderungen mit bildgebenden Verfahren wie der funktionellen Magnetresonanztomografie, mit neuropsychologischen Tests und in experimentellen Studien. Aktuelle Studien finden Veränderungen in mehreren miteinander verbundenen Gehirnnetzwerken bei Menschen mit einer Substanzgebrauchsstörung. Die Forschung zur Neuroplastizität zeigt zudem, dass sich Gehirnfunktionen nach Veränderungen des Konsums an neue Bedingungen anpassen können.

Was wir noch nicht wissen:

Welche Veränderungen sich bei welcher Person wie weit zurückbilden und welche Veränderungen länger bestehen bleiben ist bisher noch nicht vollständig geklärt. Außerdem ist nicht immer klar, ob eine beobachtete Veränderung durch den Substanzkonsum entstanden ist, schon vorher bestand oder durch andere Faktoren beeinflusst wird.

Warum entwickeln manche Menschen eine Substanzgebrauchsstörung und andere nicht?

Was wir wissen:

Das Risiko wird durch das Zusammenspiel vieler Faktoren beeinflusst. Dazu gehören genetische Voraussetzungen, psychische Belastungen, frühe Erfahrungen, Konsummuster, Stress und soziale Lebensbedingungen. Genetische Studien, darunter große Genomstudien, zeigen, dass viele genetische Varianten beteiligt sein können. Längsschnittstudien helfen dabei zu untersuchen, wie sich verschiedene Risikofaktoren und das Konsumverhalten über die Zeit entwickeln.

Was wir noch nicht wissen:

Gene sind nur ein Teil des Gesamtbildes. Aus einzelnen genetischen Merkmalen oder genetischen Risikowerten lässt sich derzeit nicht zuverlässig vorhersagen, ob eine bestimmte Person eine Substanzgebrauchsstörung entwickeln wird. Auch das Zusammenspiel biologischer, psychischer und sozialer Einflüsse ist noch nicht vollständig verstanden.

Welche Behandlung hilft welchem Menschen am besten?

Was wir wissen:

Die Wirksamkeit von Behandlungen wird vor allem in randomisierten kontrollierten Studien untersucht. Systematische Reviews und Metaanalysen fassen anschließend die Ergebnisse vieler Studien zusammen. Die Forschung zeigt, dass verschiedene psychotherapeutische und psychosoziale Verfahren wirksam sein können. Je nach Substanz kommen außerdem Medikamente hinzu. Leitlinien empfehlen deshalb eine Behandlung, die an die jeweilige Substanzgebrauchsstörung, Begleiterkrankungen, Lebenssituation und persönliche Ziele angepasst wird.

Was wir noch nicht wissen:

Bisher lässt sich nicht zuverlässig vorhersagen, welche Behandlung oder welche Kombination von Behandlungen bei einer einzelnen Person am besten wirkt. Auch deshalb wird untersucht, welche persönlichen Merkmale und Lebensbedingungen einen Einfluss darauf haben, ob eine Behandlung hilfreich sein kann.

Welche neuen Medikamente und Therapieansätze können helfen?

Was wir wissen:

Neue Medikamente und andere Behandlungsverfahren werden zunächst in klinischen Studien auf ihre Sicherheit und Wirksamkeit geprüft. Die Ergebnisse werden anschließend in systematischen Reviews und Metaanalysen bewertet. Für einige Substanzgebrauchsstörungen gibt es bereits gut untersuchte Medikamente. Für andere, insbesondere einige stimulanzienbezogene Störungen, wird weiterhin intensiv nach wirksamen Medikamenten gesucht. Auch neue Ansätze, die beispielsweise biologische Prozesse oder die Neuroplastizität beeinflussen sollen, werden erforscht.

Was wir noch nicht wissen:

Ein vielversprechendes Ergebnis aus einer einzelnen Studie bedeutet noch nicht, dass eine neue Behandlung im Alltag zuverlässig wirkt. Entscheidend ist, ob sich Ergebnisse in weiteren Studien bestätigen und ob sich dadurch wichtige Verbesserungen wie weniger Konsum, weniger gesundheitliche Schäden oder eine bessere Lebensqualität erreichen lassen. Für viele neue Ansätze ist diese Evidenz noch nicht ausreichend.

Wie können digitale Technologien die Behandlung verbessern?

Was wir wissen:

Digitale Angebote wie internetbasierte Programme, Apps oder telefonisch unterstützte Behandlung werden in randomisierten Studien und systematischen Reviews untersucht. Aktuelle Metaanalysen zeigen, dass digitale Interventionen den Substanzkonsum teilweise reduzieren können. Sie können eine persönliche Behandlung ergänzen und den Zugang zu Unterstützung erleichtern. Die Effekte unterscheiden sich jedoch je nach Angebot und Zielgruppe.

Was wir noch nicht wissen:

Noch ist nicht ausreichend geklärt, welche digitalen Angebote für welche Menschen am besten geeignet sind, wie lange ihre Wirkung anhält und wann sie eine persönliche Behandlung sinnvoll ergänzen oder ersetzen können. Auch die Frage, wie gut Menschen solche Angebote langfristig nutzen, wird weiter untersucht.

Spotlight Forschung

Wie digitale Technologien künftig konkret in der Behandlung eingesetzt werden können, wird derzeit in verschiedenen Forschungsprojekten untersucht. Ein Beispiel ist das vom Deutschen Zentrum für Psychische Gesundheit (DZPG) geförderte Projekt VR-Cues. Dabei geht es um eine Behandlung mit virtueller Realität (VR) bei Alkoholabhängigkeit.

Betroffene werden in einer computergenerierten Umgebung mit Situationen konfrontiert, die starkes Verlangen nach Alkohol auslösen können, beispielsweise mit einer virtuellen Bar. In dieser geschützten Umgebung soll gelernt werden, mit solchen Reizen besser umzugehen. Das Projekt untersucht, wie wirksam diese Form der Reizkonfrontation ist, wie sie am besten eingesetzt werden kann und für welche Menschen sie geeignet sein könnte. Auch technische Faktoren und persönliche Merkmale werden betrachtet. Das Projekt befindet sich noch in der Forschung. Ob eine VR-gestützte Reizkonfrontation einen zusätzlichen Nutzen bringt, ist deshalb noch nicht abschließend geklärt.

Wie können Substanzgebrauchsstörungen früher verhindert und erkannt werden?

Was wir wissen:

Präventionsmaßnahmen werden unter anderem in kontrollierten Studien und Längsschnittstudien untersucht. Für die Früherkennung werden standardisierte Screeningverfahren eingesetzt. Systematische Reviews zeigen, dass verschiedene Fragebögen problematischen Substanzkonsum zuverlässig erfassen können. Ein Screening kann dabei einen Hinweis geben, ersetzt aber keine ausführliche Diagnostik.

Was wir noch nicht wissen:

Noch ist nicht für alle Gruppen und Versorgungssituationen geklärt, welche Präventions- und Screeningstrategien langfristig den größten gesundheitlichen Nutzen bringen. Die Forschung muss deshalb nicht nur untersuchen, ob ein Screening problematischen Konsum erkennt, sondern auch, ob dadurch mehr Menschen passende Unterstützung erhalten und sich ihre Gesundheit tatsächlich verbessert.

Wie können Rückfälle verhindert und Genesung langfristig unterstützt werden?

Was wir wissen:

Längsschnittstudien zeigen, dass Rückfälle mit verschiedenen Faktoren zusammenhängen können, darunter psychische Belastungen, Stress und persönliche oder soziale Bedingungen. In klinischen Studien wird untersucht, welche Maßnahmen nach einer Behandlung hilfreich sind. Systematische Reviews untersuchen außerdem Angebote wie Weiterbehandlung, Peer Unterstützung und andere Formen der Recovery Unterstützung. Dabei wird zunehmend berücksichtigt, dass Genesung neben dem Substanzkonsum auch Gesundheit, Lebensqualität, Beziehungen, Wohnen, Arbeit und soziale Teilhabe umfassen kann.

Was wir noch nicht wissen:

Es lässt sich noch nicht zuverlässig vorhersagen, wann eine einzelne Person einen Rückfall erleben wird oder welche Maßnahme ihn sicher verhindern kann. Auch ist noch nicht ausreichend geklärt, welche Kombination von Weiterbehandlung und Unterstützung für welche Menschen am hilfreichsten ist.

Welche Behandlung brauchen Menschen in unterschiedlichen Lebenssituationen?

Was wir wissen:

Alter, Schwangerschaft, körperliche und psychische Begleiterkrankungen und die persönliche Lebenssituation können für Behandlung und Versorgung wichtig sein. Untersucht wird dies unter anderem in klinischen Studien, Beobachtungsstudien und Versorgungsforschung. Leitlinien berücksichtigen deshalb zunehmend besondere Lebensphasen und Begleiterkrankungen.

Was wir noch nicht wissen:

Die Studienlage ist nicht für alle Gruppen gleich gut. Manche Menschen, zum Beispiel Personen mit mehreren gleichzeitig bestehenden Erkrankungen oder besonderen sozialen Belastungen, sind in klinischen Studien weniger häufig vertreten. Deshalb lässt sich nicht jede Forschungserkenntnis unmittelbar auf jede Lebenssituation übertragen.

Wie können Stigma abgebaut und gesellschaftliche Teilhabe verbessert werden?

Was wir wissen:

Stigmatisierung kann mit Scham, Ausgrenzung und erschwertem Zugang zu Hilfe verbunden sein. Forschende untersuchen dies mit Befragungen, qualitativen Interviews und systematischen Reviews. Aktuelle Übersichtsarbeiten zeigen, dass Stigma bei Substanzgebrauchsstörungen in der Bevölkerung und auch im Gesundheitswesen vorkommt. Gleichzeitig wird untersucht, welche Maßnahmen Vorurteile und stigmatisierende Einstellungen verringern können.

Was wir noch nicht wissen:

Die Forschung untersucht welche Maßnahmen Stigmatisierung langfristig und in unterschiedlichen Gruppen am wirksamsten reduzieren. Auch ist weitere Forschung notwendig, um besser zu verstehen, wie sich gesellschaftliche Einstellungen auf die Nutzung von Hilfe und auf die weitere Lebenssituation von Betroffenen auswirken.

Wie gelangen Forschungserkenntnisse in die Versorgung?

Was wir wissen:

Versorgungsforschung und Implementierungsforschung untersuchen, wie wissenschaftlich geprüfte Behandlungen in der Praxis eingesetzt werden können. Dafür werden unter anderem Versorgungsdaten ausgewertet, Fachkräfte und Betroffene befragt und die Einführung neuer Angebote über längere Zeit begleitet. Die Forschung zeigt, dass eine Behandlung nicht nur wirksam sein muss, sondern auch erreichbar, akzeptabel und im Alltag umsetzbar sein muss.

Was wir noch nicht wissen:

Bisher ist nicht für jede wirksame Behandlung geklärt, wie sie unter unterschiedlichen Bedingungen zuverlässig in die Routineversorgung übertragen werden kann. Weitere Forschung wird deshalb benötigt, um Zugangsbarrieren zu verringern, die Versorgung besser zu vernetzen und wissenschaftliche Erkenntnisse dauerhaft in der Praxis umzusetzen.

Wenn heute keine optimale Behandlung für eine bestimmte Situation verfügbar ist, heißt das nicht, dass es keine Hoffnung gibt. Die Behandlung kann sich verändern, wenn neue Erkenntnisse entstehen. Gleichzeitig stehen bereits heute für viele Substanzgebrauchsstörungen wirksame Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung.

Mythen-Check

Manche Vorstellungen über Sucht sind im Alltag, in den Medien und in der Gesellschaft weit verbreitet, obwohl sie wissenschaftlich zu einfach oder inzwischen überholt sind. Besonders problematisch ist das, wenn daraus Schuld, Scham oder Vorurteile entstehen. Im Folgenden werden einige verbreitete Mythen aufgegriffen und wissenschaftlich eingeordnet. Die Fakten sollen dabei helfen, Substanzgebrauchsstörungen besser zu verstehen und einen vorurteilsfreien Blick auf Betroffene zu fördern.

  1. Mythos 1/10 – Substanzgebrauchsstörungen

    „Sucht ist einfach eine Frage der Willenskraft.“

    Auflösung anzeigen

    Dieser Mythos trifft nicht zu.

    Eine Substanzgebrauchsstörung hat viele mögliche Ursachen. Biologische, psychische und soziale Faktoren können dabei zusammenwirken. Sie ist daher kein Zeichen von persönlicher Schwäche und lässt sich nicht einfach durch mehr Willenskraft verändern. Unterstützung und Behandlung können aber dabei helfen, den Umgang mit dem Konsum zu verändern und neue Wege zu finden.

  2. Mythos 2/10 – Substanzgebrauchsstörungen

    „Sucht verändert das Gehirn für immer.“

    Auflösung anzeigen

    Dieser Mythos trifft nicht zu.

    Wiederholter Substanzkonsum kann das Gehirn und das Verhalten verändern. Diese Veränderungen sind jedoch nicht zwangsläufig dauerhaft. Das Gehirn kann sich nach einer Verringerung oder Beendigung des Konsums teilweise wieder anpassen. Wie stark dies geschieht, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich.

  3. Mythos 3/10 – Substanzgebrauchsstörungen

    „Wer einmal abhängig ist, bleibt abhängig.“

    Auflösung anzeigen

    Dieser Mythos trifft nicht zu.

    Eine Substanzgebrauchsstörung muss nicht dauerhaft bestehen bleiben. Menschen können ihren Konsum verändern oder beenden und eine Remission erreichen. Das bedeutet, dass die Beschwerden deutlich zurückgehen oder die Kriterien für eine Substanzgebrauchsstörung nicht mehr erfüllt sind. Ein Rückfall kann dennoch möglich sein.

  4. Mythos 4/10 – Substanzgebrauchsstörungen

    „Ein Rückfall zeigt, dass die Behandlung nichts gebracht hat.“

    Auflösung anzeigen

    Dieser Mythos trifft nicht zu.

    Ein Rückfall ist nicht automatisch ein Zeichen dafür, dass eine Behandlung nicht geholfen hat. Er kann im Verlauf einer Substanzgebrauchsstörung auftreten und wichtige Hinweise darauf geben, welche individuellen Situationen oder Belastungen den Konsum begünstigen. Diese Erfahrungen können gemeinsam mit Betroffenen gezielt genutzt werden, um die weitere Behandlung und Unterstützung anzupassen.

  5. Mythos 5/10 – Substanzgebrauchsstörungen

    „Wer konsumiert, hat automatisch ein Suchtproblem.“

    Auflösung anzeigen

    Dieser Mythos trifft nicht zu.

    Konsum und eine Substanzgebrauchsstörung sind nicht dasselbe. Entscheidend ist nicht allein, ob jemand eine Substanz konsumiert, sondern ob dadurch bestimmte psychische oder körperliche Beschwerden entstehen. Das Risiko für eine problematische Entwicklung kann unter anderem durch häufigen oder intensiven Konsum, einen frühen Konsumbeginn sowie psychische, soziale oder familiäre Belastungen erhöht werden.

  6. Mythos 6/10 – Substanzgebrauchsstörungen

    „Menschen mit Sucht sind unzuverlässig oder gefährlich.“

    Auflösung anzeigen

    Dieser Mythos trifft nicht zu.

    Eine Diagnose sagt nicht aus, welchen Charakter ein Mensch hat. Solche Verallgemeinerungen sind Teil von Stigmatisierung und können dazu beitragen, dass Betroffene sich schämen oder Hilfe später suchen.

  7. Mythos 7/10 – Substanzgebrauchsstörungen

    „Wenn man Sucht als Krankheit anerkennt, verschwindet das Stigma.“

    Auflösung anzeigen

    Dieser Mythos trifft nicht zu.

    Die Bezeichnung einer Substanzgebrauchsstörung als Krankheit kann helfen, Schuldzuweisungen zu verringern. Vorurteile und Ausgrenzung verschwinden dadurch jedoch nicht automatisch. Entscheidend ist auch, wie über Sucht gesprochen wird: respektvoll und ohne Schuldzuweisungen.

  8. Mythos 8/10 – Substanzgebrauchsstörungen

    „Wenn man die richtige Behandlung gefunden hat, muss man sich nur daran halten, dann wird alles besser.“

    Auflösung anzeigen

    Dieser Mythos trifft nicht zu.

    Es gibt nicht die eine Behandlung, die für alle Menschen mit einer Substanzgebrauchsstörung gleichermaßen geeignet ist. Substanz, Konsummuster, körperliche und psychische Gesundheit, Lebenssituation und persönliche Ziele unterscheiden sich und können sich über die Zeit verändern. Deshalb kann es sinnvoll sein, die Behandlung gemeinsam zu planen und im Verlauf anzupassen.

  9. Mythos 9/10 – Substanzgebrauchsstörungen

    „Man muss erst mit dem Konsum aufhören, bevor man Hilfe bekommen kann.“

    Auflösung anzeigen

    Dieser Mythos trifft nicht zu.

    Auch Menschen, die weiterhin konsumieren, können Unterstützung und Behandlung erhalten. Unterstützung kann bereits während des Konsums beginnen. Dabei können zunächst andere Ziele im Vordergrund stehen, zum Beispiel gesundheitliche Risiken zu verringern, den Konsum zu verändern oder eine stabile Grundlage für weitere Behandlung zu schaffen. Abstinenz kann ein wichtiges Behandlungsziel sein, ist aber nicht immer die Voraussetzung oder der erste Schritt, um Hilfe zu erhalten.

  10. Mythos 10/10 – Substanzgebrauchsstörungen

    „Wenn man nicht mehr konsumiert, ist die Genesung abgeschlossen.“

    Auflösung anzeigen

    Dieser Mythos trifft nicht zu.

    Abstinenz kann ein wichtiges Ziel sein, bedeutet aber nicht automatisch, dass damit alle Herausforderungen bewältigt sind. Nach dem Ende des Konsums kann es weiterhin darum gehen, körperliche und psychische Gesundheit zu stabilisieren, Beziehungen wieder aufzubauen, eine sichere Wohn- und Arbeitssituation zu entwickeln oder die eigene Lebensqualität und Selbstbestimmung zu stärken. Genesung kann deshalb ein längerer Prozess sein, der sich an den persönlichen Bedürfnissen und Zielen orientiert.

Sprache ist nicht neutral: Wissenschaftliche Forschung zeigt, dass stigmatisierende Begriffe und Darstellungen beeinflussen können, wie Menschen mit Substanzgebrauchsstörungen wahrgenommen werden. Begriffe, die moralisches Versagen oder eine schlechte Persönlichkeit nahelegen, können Scham und Distanz verstärken und den Zugang zu Hilfe erschweren. Deshalb: Nicht „der Süchtige“, sondern „Mensch mit einer Substanzgebrauchsstörung“. Die Erkrankung ist ein Teil der Lebenssituation und sie beschreibt nicht den gesamten Menschen.

Quellen

1. Volkow ND, Blanco C. Substance use disorders: a comprehensive update of classification, epidemiology, neurobiology, clinical aspects, treatment and prevention. World Psychiatry. 2023;22(2):203-229. doi:10.1002/wps.21073

2. World Health Organization. International Standards for the Treatment of Drug Use Disorders. https://www.who.int/publications/i/item/international-standards-for-the-treatment-of-drug-use-disorders

3. Olderbak S, Hollweck R, Krowartz E maria, Möckl J, Hoch E. Psychoactive Substance Use in Germany: Findings From the Epidemiological Survey of Substance Abuse (ESA) in 2024. Dtsch Arztebl Int. 2025;122(23):625-631. doi:10.3238/arztebl.m2025.0157

4. Squeglia LM, Jacobus J, Tapert SF. The influence of substance use on adolescent brain development. Clin EEG Neurosci. 2009;40(1):31-38. doi:10.1177/155005940904000110

5. Romer D. Adolescent risk taking, impulsivity, and brain development: implications for prevention. Dev Psychobiol. 2010;52(3):263-276. doi:10.1002/dev.20442

6. Chen CY. et al. Early Drug use and risk for dependance problems. Addict Behav. 2009;23(1):1-7. doi:10.1016/j.addbeh.2008.10.021.Early-onset

7. Han B, Volkow ND, Jones CM, et al. Polysubstance use disorders among US adults. Mol Psychiatry. 2026;(September 2025). doi:10.1038/s41380-026-03618-z

8. Bitar R, Dürsteler KM, Rösner S, Grosshans M, Herdener M, Mutschler J. [Substance abuse in older adults]. Praxis (Bern 1994). 2014;103(18):1071-1079. doi:10.1024/1661-8157/a001777

9. Aly SM, Omran A, Gaulier J michel, Allorge D. Substance abuse among children. Arch Pediatr. 2020;27(8):480-484. doi:10.1016/j.arcped.2020.09.006

10. Nawi AM, Ismail R, Ibrahim F, et al. Risk and protective factors of drug abuse among adolescents: a systematic review. BMC Public Health. 2021;21(1):1-15. doi:10.1186/s12889-021-11906-2

11. Alhammad M, Aljedani R, Alsaleh M, et al. Family, Individual, and Other Risk Factors Contributing to Risk of Substance Abuse in Young Adults: A Narrative Review. Cureus. 2022;14(12):12-16. doi:10.7759/cureus.32316

12. Lovallo WR, Farag NH, Sorocco KH, Cohoon AJ, Vincent AS. Studies from the Oklahoma Family Health Patterns Project. Biol Psychiatry. 2012;71(4):344-349. doi:10.1016/j.biopsych.2011.10.018.Lifetime

13. Kalin NH. Substance Use Disorders and Addiction: Mechanisms, Trends, and Treatment Implications. Am J Psychiatry. 2020;177(11):1015-1018. doi:10.1176/appi.ajp.2020.20091382

14. Sinha R. Chronic stress, drug use, and vulnerability to addiction. Ann N Y Acad Sci. 2008;1141:105-130. doi:10.1196/annals.1441.030

15. Tedgård E, Råstam M, Wirtberg I. An upbringing with substance-abusing parents: Experiences of parentification and dysfunctional communication. NAD Nord Stud Alcohol Drugs. 2019;36(3):223-247. doi:10.1177/1455072518814308

16. Moreland AD, McRae-Clark A. Parenting outcomes of parenting interventions in integrated substance-use treatment programs: A systematic review. J Subst Abuse Treat. 2018;89(1):52-59. doi:10.1016/j.jsat.2018.03.005

17. Rao R, Crome I, Crome P, Iliffe S. Substance misuse in later life: challenges for primary care: a review of policy and evidence. Prim Health Care Res Dev. 2019;20:e117. doi:10.1017/S1463423618000440

18. Kuerbis A, Sacco P, Blazer DG, Moore AA. Substance Abuse Among Older Adults. Clin Geriatr Med. 2014;30(3):629-654. doi:10.1016/j.cger.2014.04.008

19. National Institute on Drug Abuse [NIDA]. Common Comorbidities with Substance Use Disorders Research Report Part 2: Co-occurring Substance Use Disorder and Physical Comorbidities. Res Reports. 2020;(April):1-46. https://nida.nih.gov/publications/research-reports/common-comorbidities-substance-use-disorders/part-2-co-occurring-substance-use-disorder-physical-comorbidities

20. Tesselaar DRM, Schellekens AFA, Homberg JR, Booij J, Guerrin C. Psychiatric comorbidity in substance use disorders, a systematic review of neuro-imaging findings. Neurosci Biobehav Rev. 2025;177(August):106325. doi:10.1016/j.neubiorev.2025.106325

21. Kelly TM, Daley DC. Integrated treatment of substance use and psychiatric disorders. Soc Work Public Health. 2013;28(3-4):388-406. doi:10.1080/19371918.2013.774673

22. Uhl GR, Koob GF, Cable J. The neurobiology of addiction. Ann N Y Acad Sci. 2019;1451(1):5-28. doi:10.1111/nyas.13989

23. Ciucă Anghel DM, Nițescu GV, Tiron AT, Guțu CM, Baconi DL. Understanding the Mechanisms of Action and Effects of Drugs of Abuse. Molecules. 2023;28(13):1-27. doi:10.3390/molecules28134969

24. Chiappini S, Schifano F. An Update on Psychoactive Substances: Pharmacology and Toxicology Issues. Pharmaceuticals. 2023;16(8):10-13. doi:10.3390/ph16081177

25. Nestler EJ. The biology of addiction. Sci Signal. 2025;18(872). doi:10.1126/scisignal.adq0031

26. Almut RASAS. Neubewertung des Alkoholkonsums in Deutschland. J Heal Monit ; RKI. 2025;10(3). doi:10.25646/13396

27. Towers EB, Hsu KA, Qillawala EI, Fraser SD, Lynch WJ. Sex Differences in the Development of an Opioid Addiction–Like Phenotype: A Focus on the Telescoping Effect. Biol Psychiatry Glob Open Sci. 2024;4(6):217-249. doi:10.1016/j.bpsgos.2024.100373

28. Guinle MIB, Sinha R. The Role of Stress, Trauma, and Negative Affect in Alcohol Misuse and Alcohol Use Disorder in Women. Alcohol Res. 2020;40(2):05. doi:10.35946/arcr.v40.2.05

29. Castillo-Carniglia A, Keyes KM, Hasin DS, Cerdá M. Psychiatric comorbidities in alcohol use disorder. The Lancet Psychiatry. 2019;6(12):1068-1080. doi:10.1016/S2215-0366(19)30222-6

30. Kim K, Picciotto MR. Nicotine addiction: More than just dopamine. Curr Opin Neurobiol. 2023;83(24):102797. doi:10.1016/j.conb.2023.102797

31. Benowitz NL. Nicotine addiction. N Engl J Med. 2010;362(24):2295-2303. doi:10.1056/NEJMra0809890

32. Marconi A, Di Forti M, Lewis CM, Murray RM, Vassos E. Meta-Analysis of the association between the level of cannabis use and risk of psychosis. Schizophr Bull. 2016;42(5):1262-1269. doi:10.1093/schbul/sbw003

33. Volkow ND, Swanson JM, Evins AE, et al. Effects of Cannabis Use on Human Behavior, Including Cognition, Motivation, and Psychosis: A Review. JAMA psychiatry. 2016;73(3):292-297. doi:10.1001/jamapsychiatry.2015.3278

34. Ramos-Gonzalez N, Paul B, Majumdar S. IUPHAR themed review: Opioid efficacy, bias, and selectivity. Pharmacol Res. 2023;197:7-10. doi:10.1016/j.phrs.2023.106961

35. Davis MP, DiScala S, Davis A. Respiratory Depression Associated with Opioids: A Narrative Review. Curr Treat Options Oncol. 2024;25(11):1438-1450. doi:10.1007/s11864-024-01274-5

36. Lappin JM, Sara GE. Psychostimulant use and the brain. Addiction. 2019;114(11):2065-2077. doi:10.1111/add.14708

37. Parrott AC. Why all stimulant drugs are damaging to recreational users: an empirical overview and psychobiological explanation. Hum Psychopharmacol. 2015;30(4):213-224. doi:10.1002/hup.2468

38. Schmitz A. Benzodiazepine use, misuse, and abuse: A review. Ment Heal Clin. 2016;6(3):120-126. doi:10.9740/mhc.2016.05.120

39. Brunner E, Chen CYA, Klein T, et al. Joint Clinical Practice Guideline on Benzodiazepine Tapering: Considerations When Risks Outweigh Benefits. Vol 40. Springer International Publishing; 2025. doi:10.1007/s11606-025-09499-2

40. Boon M, van Dorp E, Broens S, Overdyk F. Combining opioids and benzodiazepines: Effects on mortality and severe adverse respiratory events. Ann Cardiothorac Surg. 2020;9(2):542-557. doi:10.21037/apm.2019.12.09

41. Shafi A, Berry AJ, Sumnall H, Wood DM, Tracy DK. New psychoactive substances: a review and updates. Ther Adv Psychopharmacol. 2020;10(6):2045125320967197. doi:10.1177/2045125320967197

42. Zamengo L, Frison G, Bettin C, Sciarrone R. Understanding the risks associated with the use of new psychoactive substances (NPS): high variability of active ingredients concentration, mislabelled preparations, multiple psychoactive substances in single products. Toxicol Lett. 2014;229(1):220-228. doi:10.1016/j.toxlet.2014.06.012

43. Rough MI, Nader MA. The role of polysubstance use in the development, maintenance, and treatment of stimulant use disorders. Pharmacol Rev. 2026;78(2):100119. doi:10.1016/j.pharmr.2026.100119

44. Costa G, De Luca M, Piras G, Marongiu J, Fattore L, Simola N. Neuronal and peripheral damages induced by synthetic psychoactive substances: An update of recent findings from human and animal studies. Neural Regen Res. 2020;15(5):802-816. doi:10.4103/1673-5374.268895

45. Rowe C, Wheeler E, Vittinghoff E, Santos GM, Behar E, Coffin PO. Quantity fluctuations of illicitly used opioids and overdose risk. Int J Drug Policy. 2018;58(5):64-70. doi:10.1016/j.drugpo.2018.05.004

46. Azevedo K, Johnson M, Wassermann M, Evans-Wall J. Drugs of Abuse-Opioids, Sedatives, Hypnotics. Crit Care Clin. 2021;37(3):501-516. doi:10.1016/j.ccc.2021.03.003

47. Tiffany ST, Wray JM. The clinical significance of drug craving. Ann N Y Acad Sci. 2012;1248(1):1-17. doi:10.1111/j.1749-6632.2011.06298.x

48. Sripada C. Impaired control in addiction involves cognitive distortions and unreliable self-control, not compulsive desires and overwhelmed self-control. Behav Brain Res. 2022;418:113639. doi:10.1016/j.bbr.2021.113639

49. Hasin DS, O’Brien CP, Auriacombe M, et al. DSM-5 criteria for substance use disorders: recommendations and rationale. Am J Psychiatry. 2013;170(8):834-851. doi:10.1176/appi.ajp.2013.12060782

50. Kamarajan C, Muehlhan M. Substance use disorders and addictions. Sci Rep. 2026;16(1):5546. doi:10.1038/s41598-026-39079-1

51. Cheron J, Kerchove d’Exaerde A de. Drug addiction: from bench to bedside. Transl Psychiatry. 2021;11(1). doi:10.1038/s41398-021-01542-0

52. Kreek MJ, LaForge KS, Butelman E. Pharmacotherapy of addictions. Nat Rev Drug Discov. 2002;1(9):710-726. doi:10.1038/nrd897

53. Votaw VR, Witkiewitz K. Motives for Substance Use in Daily Life: A Systematic Review of Studies Using Ecological Momentary Assessment. Vol 9. 2021. doi:10.1177/2167702620978614

54. Koob GF. Drug addiction: Hyperkatifeia/negative reinforcement as a framework for medications development. Pharmacol Rev. 2021;73(1):163-201. doi:10.1124/PHARMREV.120.000083

55. Sinha R. Stress and substance use disorders: risk, relapse, and treatment outcomes. J Clin Invest. 2024;134(16):1-14. doi:10.1172/JCI172883

56. Lin C, Cousins SJ, Zhu Y, et al. A scoping review of social determinants of health’s impact on substance use disorders over the life course. J Subst Use Addict Treat. 2024;166. doi:10.1016/j.josat.2024.209484

57. Cazalis A, Lambert L, Auriacombe M. Stigmatization of people with addiction by health professionals: Current knowledge. A scoping review. Drug Alcohol Depend Reports. 2023;9(October):100196. doi:10.1016/j.dadr.2023.100196

58. Hammarlund RA, Crapanzano KA, Luce L, Mulligan LA, Ward KM. Review of the effects of self-stigma and perceived social stigma on the treatment-seeking decisions of individuals with drug- and alcohol-use disorders. Subst Abuse Rehabil. 2018;Volume 9:115-136. doi:10.2147/sar.s183256

59. Verstraete AG, Mukhdomi T. Clinical Drug Testing. 2026. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24477115

60. Snozek CLH, Krasowski MD, Colby JM, Johnson-Davis KL, Bruccoleri RE, Melanson SE. ADLM Guidance Document on Laboratory Testing for Drugs of Misuse to Support the Emergency Department. J Appl Lab Med. 2026;11(1):155-180. doi:10.1093/jalm/jfaf172

61. McNeely J, Hamilton LK, Whitley SD, et al. Substance Use Screening, Risk Assessment, and Use Disorder Diagnosis in Adults. Subst Use Screening, Risk Assessment, Use Disord Diagnosis Adults. Published online 2024. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK565474/

62. Marchand K, Beaumont S, Westfall J, et al. Conceptualizing patient-centered care for substance use disorder treatment: Findings from a systematic scoping review. Subst Abus Treat Prev Policy. 2019;14(1):1-15. doi:10.1186/s13011-019-0227-0

63. McGovern R, Smart D, Alderson H, et al. Psychosocial interventions to improve psychological, social and physical wellbeing in family members affected by an adult relative’s substance use: A systematic search and review of the evidence. Int J Environ Res Public Health. 2021;18(4):1-24. doi:10.3390/ijerph18041793

64. Rushton C, Kelly PJ, Raftery D, Beck A, Larance B. The effectiveness of psychosocial interventions for family members impacted by another’s substance use: A systematic review and meta-analysis. Drug Alcohol Rev. 2023;42(4):960-977. doi:10.1111/dar.13607

65. Boness CL, Votaw VR, Schwebel FJ, Moniz-Lewis DIK, McHugh RK, Witkiewitz K. An Evaluation of Cognitive Behavioral Therapy for Substance Use Disorders: A Systematic Review and Application of the Society of Clinical Psychology Criteria for Empirically Supported Treatments. Clin Psychol Sci Pract. 2023;30(2):129-142. doi:10.1037/cps0000131

66. Mateu-Mollá J, Mesas-Fernández J, Villanueva-Blasco VJ. Psychosocial Interventions for Substance Use Disorder: A Systematic Review of Therapeutic Approaches and Their Clinical Effectiveness. Clin Psychol Psychother. 2026;33(2):e70253. doi:10.1002/cpp.70253

67. Nacht CL, Skaathun B, Ogarrio K, et al. Correction: Barriers and facilitators to initiating and adhering to harm reduction services among people who inject drugs in the United States: a systematic review (Harm Reduction Journal, (2026), 23, 1, (56), 10.1186/s12954-025-01376-9). Harm Reduct J. 2026;23(1). doi:10.1186/s12954-026-01495-x

68. Boyle MP, Gibson E, Lien J, et al. Clinical Considerations for Engagement and Retention of Nonabstinent Patients in Care. J Addict Med. 2025;19(5):504-506. doi:10.1097/ADM.0000000000001455

69. Krawczyk N, Rivera BD, Chang JE, et al. Strategies to support substance use disorder care transitions from acute-care to community-based settings: a scoping review and typology. Addict Sci Clin Pract. 2023;18(1):1-15. doi:10.1186/s13722-023-00422-w

70. McCarty D, Braude L, Lyman DR, et al. Substance abuse intensive outpatient programs: assessing the evidence. Psychiatr Serv. 2014;65(6):718-726. doi:10.1176/appi.ps.201300249

71. Blodgett JC, Maisel NC, Fuh IL, Wilbourne PL, Finney JW. How effective is continuing care for substance use disorders? A meta-analytic review. J Subst Abuse Treat. 2014;46(2):87-97. doi:10.1016/j.jsat.2013.08.022

72. Adorjan K, Thoma C, Tchipeva E, et al. [An effective treatment concept for patients with substance use disorders]. MMW Fortschr Med. 2017;159(Suppl 6):1-5. doi:10.1007/s15006-017-0079-3

73. de Andrade D, Elphinston RA, Quinn C, Allan J, Hides L. The effectiveness of residential treatment services for individuals with substance use disorders: A systematic review. Drug Alcohol Depend. 2019;201:227-235. doi:10.1016/j.drugalcdep.2019.03.031

74. Bethge M. [Rehabilitation and work participation]. Bundesgesundheitsblatt Gesundheitsforschung Gesundheitsschutz. 2017;60(4):427-435. doi:10.1007/s00103-017-2519-8

75. Bethge M, Bühne D, Banaschak H, et al. [Work-related medical rehabilitation]. Rehabilitation (Stuttg). 2025;64(1):40-53. doi:10.1055/a-2290-7717

76. Brust JCM. Acute withdrawal: diagnosis and treatment. Handb Clin Neurol. 2014;125:123-131. doi:10.1016/B978-0-444-62619-6.00008-2

77. Lindsay DL, Freedman K, Jarvis M, et al. Executive Summary of the American Society of Addiction Medicine (ASAM) Clinical Practice Guideline on Alcohol Withdrawal Management. J Addict Med. 2020;14(5):376-392. doi:10.1097/ADM.0000000000000732

78. Kiefer F, Batra A, Petersen KU, et al. German Guidelines on Screening, Diagnosis, and Treatment of Alcohol Use Disorders: Update 2021. Eur Addict Res. 2022;28(4):309-322. doi:10.1159/000522335

79. Day E, Daly C. Clinical management of the alcohol withdrawal syndrome. Addiction. 2022;117(3):804-814. doi:10.1111/add.15647

80. McPheeters M, O’Connor EA, Riley S, et al. Pharmacotherapy for Alcohol Use Disorder: A Systematic Review and Meta-Analysis. JAMA. 2023;330(17):1653-1665. doi:10.1001/jama.2023.19761

81. Mason BJ. Looking Back, Looking Forward: Current Medications and Innovative Potential Medications to Treat Alcohol Use Disorder. Alcohol Res Curr Rev. 2022;42(1). doi:10.35946/ARCR.V42.1.11

82. Spiga F, Parkhouse T, Tang VM, Savović J, Le Foll B, Nielsen S. Pharmacotherapies for cannabis use disorder. Cochrane database Syst Rev. 2025;9(9):CD008940. doi:10.1002/14651858.CD008940.pub4

83. Connor JP, Stjepanović D, Budney AJ, Le Foll B, Hall WD. Clinical management of cannabis withdrawal. Addiction. 2022;117(7):2075-2095. doi:10.1111/add.15743

84. Pogarell O, Koller G, Kramer J. [Opioid substitution therapy for opioid use disorder and legal framework in Germany]. Fortschr Neurol Psychiatr. 2025;93(12):530-544. doi:10.1055/a-2666-1966

85. Yakovenko I, Mukaneza Y, Germé K, et al. Management of opioid use disorder: 2024 update to the national clinical practice guideline. C Can Med Assoc J. 2024;196(38):E1280-E1290. doi:10.1503/cmaj.241173

86. Mansournia, M. A., Higgins, J. P. T., Sterne, J. A. C., & Hernan MA. The ASAM/AAAP Clinical Practice Guideline on the Management of Stimulant Use Disorder. J Addict Med. 2024;18(1S):1-56. doi:10.1097/ADM.0000000000001299

87. Paterson C, Parkhouse T, Burke C, et al. Efficacy and safety of pharmacological interventions for the treatment of cocaine use disorder: A systematic review and network meta-analysis. Addiction. 2026;(November 2025). doi:10.1111/add.70486

88. Sinclair JMA, Kalk NJ, Kaar SJ, et al. Evidence-based consensus guidelines for the pharmacological management of substance dependence: Recommendations from the British Association for Psychopharmacology. J Psychopharmacol. 2026;40(2):227-272. doi:10.1177/02698811251399593

89. James H, Morgan J, Ti L, Nolan S. Transitions in care between hospital and community settings for individuals with a substance use disorder: A systematic review. Drug Alcohol Depend. 2023;243:109763. doi:10.1016/j.drugalcdep.2023.109763

90. O’Shaughnessy BR, Mayock P, Kakar A. The recovery experiences of homeless service users with substance use disorder: A systematic review and qualitative meta-synthesis. Int J Drug Policy. 2024;130(July):104528. doi:10.1016/j.drugpo.2024.104528

91. Magura S, Marshall T. The Effectiveness of Interventions Intended to Improve Employment Outcomes for Persons with Substance Use Disorder: An Updated Systematic Review. Subst Use Misuse. 2020;55(13):2230-2236. doi:10.1080/10826084.2020.1797810

92. Vigdal MI, Moltu C, Bjornestad J, Selseng LB. Social recovery in substance use disorder: A metasynthesis of qualitative studies. Drug Alcohol Rev. 2022;41(4):974-987. doi:10.1111/dar.13434

93. Vilsaint CL, Tansey AG, Hennessy EA, Eddie D, Hoffman LA, Kelly JF. Recovery housing for substance use disorder: a systematic review. Front Public Heal. 2025;13(March). doi:10.3389/fpubh.2025.1506412

94. Sinclair DL, Chantry M, De Ruysscher C, Magerman J, Nicaise P, Vanderplasschen W. Recovery-supportive interventions for people with substance use disorders: a scoping review. Front Psychiatry. 2024;15(March):1-11. doi:10.3389/fpsyt.2024.1352818

95. Harrison J, Krieger MJ, Johnson HA. Review of Individual Placement and Support Employment Intervention for Persons with Substance Use Disorder. Subst Use Misuse. 2020;55(4):636-643. doi:10.1080/10826084.2019.1692035

96. Eddie D, O’Connor JB, George SS, et al. Peer Recovery Support Services and Recovery Coaching for Substance Use Disorder: A Systematic Review. Curr Addict Reports. 2025;12(1). doi:10.1007/s40429-025-00645-8

97. Fleury MJ, Djouini A, Huỳnh C, et al. Remission from substance use disorders: A systematic review and meta-analysis. Drug Alcohol Depend. 2016;168:293-306. doi:10.1016/j.drugalcdep.2016.08.625

98. Witkiewitz K, Montes KS, Schwebel FJ, Tucker JA. What Is Recovery? Alcohol Res. 2020;40(3):01. doi:10.35946/arcr.v40.3.01

Letzte Aktualisierung der Inhalte: Oktober 2026