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Autismus früher erkennen: Wie KI die Diagnose beschleunigen könnte

Könnte künstliche Intelligenz Autismus schneller erkennen als bisherige Verfahren? Ein Forschungsteam des DZPG zeigt, wie Blick, Mimik und Sprache dabei helfen können und was das für Betroffene und Angehörige bedeutet.

In Deutschland dauert es im Schnitt bis zum siebten Lebensjahr, bis eine Autismus-Spektrum-Störung (ASS) diagnostiziert wird. Das ist oft zu spät – denn je früher Unterstützung beginnt, desto besser stehen die Entwicklungschancen. Forschende am DZPG arbeiten deshalb an einem neuen digitalen Ansatz, der künstliche Intelligenz nutzt.

Wie funktioniert das?

Prof. Dr. Christine Falter-Wagner (LMU Klinikum München, DZPG) und ihr Team setzen auf moderne Sensorik statt allein auf Interviews und Verhaltensbeobachtung. Erfasst werden Blickbewegungen, Mimik, Körperhaltung, Sprache und körperliche Signale gleichzeitig und mithilfe maschinellen Lernens ausgewertet.

Im Mittelpunkt steht, wie gut zwei Menschen im Gespräch aufeinander eingestimmt sind, etwa beim Zusammenspiel von Blick und Gestik. Das wird als interpersonelle Synchronie bezeichnet. Bei Menschen im Autismus-Spektrum zeigt sich diese Abstimmung anders als bei neurotypischen Personen. Ein KI-Algorithmus kann diese Unterschiede bereits anhand einer zehnminütigen Videoaufnahme mit 80 bis 90 Prozent Genauigkeit erkennen.

Außerdem kann die Methode helfen, Autismus von Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen abzugrenzen. etwa von Borderline-Persönlichkeitsstörung, sozialer Angststörung oder ADHS. Genau diese Unterscheidung führt bislang häufig zu Fehldiagnosen.

Christine Falter-Wagner

„Technologie soll unterstützen, nicht ersetzen“

Ersatz für die klinische Diagnostik? Nein.

Christine Falter-Wagner betont, dass die Technologie den klinischen Blick nicht ersetzen soll: „Die technologieunterstützte Diagnostik kann die klinische Diagnostik nicht ersetzen, da diese zum Beispiel auch die Entwicklungsanamnese beinhaltet. Letztendlich ist die klinische Gesamtschau für die Diagnostik ausschlaggebend. Trotzdem können Technologien Kliniker in Zukunft unterstützen und Wartezeiten für diagnostische Abklärungen verkürzen.“

Wie geht es weiter?

Als Nächstes ist eine große Validierungsstudie an mehreren Kliniken geplant, gefördert vom Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses. Parallel wird untersucht, wie Betroffene und Angehörige diese neue Form der Diagnostik erleben und ob sie sie akzeptieren.


Quelle: Koehler JC, Dong MS, Bierlich AM, et al. Machine learning classification of autism spectrum disorder based on reciprocity in naturalistic social interactions. Transl Psychiatry. 2024;14(1):76. DOI: 10.1038/s41398-024-02802-5

Weitere Informationen: healthcare-in-europe.com | Innovationsfonds-Projekt BAsS-teams

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