Beitrag
Wenn Antidepressiva nicht ausreichend helfen: Studie prüft Hormon DHEA als Zusatztherapie
Bei manchen Menschen mit Depression bleibt die erhoffte Wirkung der Behandlung aus. Ein Forschungsteam der Charité unter Leitung von DZPG-Forscher Prof. Christian Otte untersucht nun, ob das körpereigene Hormon DHEA die Therapie sinnvoll ergänzen kann und was das für Betroffene und Angehörige bedeuten könnte.
Wenn Medikamente und Psychotherapie nicht den erhofften Erfolg bringen, ist das für Menschen mit Depressionen belastend. Fachleute sprechen dann von einer behandlungsresistenten Depression. Für diese Situation werden dringend neue Therapieoptionen gebraucht. Ein Team der Charité – Universitätsmedizin Berlin unter der Leitung von Prof. Christian Otte (DZPG) untersucht deshalb in einer klinischen Studie, ob das Hormon DHEA (Dehydroepiandrosteron) als Ergänzung zur bisherigen Behandlung helfen kann.
Warum ist das wichtig?
Depressionen gehören laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu den häufigsten und folgenreichsten Erkrankungen weltweit. Viele Betroffene sprechen gut auf Psychotherapie und Medikamente an. Bei einem Teil der Patientinnen und Patienten stellt sich der gewünschte Behandlungserfolg jedoch nicht ein.
Was ist DHEA?
DHEA wird vom Körper selbst in den Nebennieren gebildet. Es ist eine Vorstufe von Sexualhormonen wie Testosteron und Östrogen. Etwa ab dem 25. bis 30. Lebensjahr sinkt der DHEA-Spiegel im Körper allmählich. Frühere Untersuchungen deuten darauf hin, dass Menschen mit Depression häufig niedrigere DHEA-Werte haben und dass die gezielte Gabe des Hormons depressive Symptome lindern könnte. Verlässliche klinische Daten dazu fehlten bisher.
Wie läuft die Studie ab?
Diese Lücke will das Team um Christian Otte nun schließen. Teilnehmen können Patientinnen und Patienten, bei denen bisherige Medikamente nicht ausreichend gewirkt haben. Sie erhalten sechs Wochen lang entweder DHEA oder ein Scheinmedikament (Placebo), zusätzlich zu ihrer bestehenden antidepressiven Behandlung.
„Sollten sich die positiven Effekte von DHEA in der Studie bestätigen, könnte dies langfristig zu verbesserten Behandlungsmöglichkeiten für Menschen mit Depressionen beitragen.“
Die Studie ist doppelblind und randomisiert: Per Zufall wird entschieden, wer DHEA und wer das Placebo bekommt, und weder die Teilnehmenden noch die Behandelnden wissen, wer welche Substanz erhält. So lässt sich die Wirkung des Hormons zuverlässig beurteilen.
Mögliche Vorteile für die körperliche Gesundheit
Neben der Wirkung auf die Depression untersucht die Studie auch, ob DHEA den Stoffwechsel sowie Blutfette und Blutzucker günstig beeinflusst. Sollte das Hormon das Risiko für Stoffwechsel- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen senken, wäre das für Betroffene ein weiterer gesundheitlicher Gewinn.
Quelle: Pressemitteilung der Charité – Universitätsmedizin Berlin